Osterbrunnen-Schmücken "Dies ist mein letzter Streich!"

Der gebürtige Ansbacher Emil Baumgärtner hat den Brauch des Osterbrunnen-Schmückens bei einer Radtour wiederentdeckt.

(Foto: Claus Schunk)

Emil Baumgärtner wird im Sommer 100 Jahre alt und schmückt zum letzten Mal den Osterbrunnen in Ottobrunn. Der Schwiegersohn darf die Konstruktion nicht sehen - der ist Statiker.

Von Angela Boschert, Ottobrunn

Es sind Kindheitserinnerungen, die Emil Baumgärtner seit sieben Jahren mit dem Osterbrunnen vor dem Seniorenheim Stift Brunneck in Ottobrunn aufleben lässt. Bei einer Fahrradtour im Oberfränkischen entdeckte der gebürtige Ansbacher diesen Brauch einst wieder. Dieses Jahr hat der 99-Jährige den Brunnen in Ottobrunn besonders aufwendig geschmückt. Denn es soll das letzte Mal sein.

Der Brauch, zu Ostern die Dorfbrunnen mit einer Krone und bunten Eiern zu schmücken, stammt aus der Fränkischen Schweiz und ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbürgt. Als Schmuck dienen ausgeblasene Eier, die kunstvoll bemalt sind, sowie Girlanden aus Fichten-, Buchsbaum- oder Tannenzweigen, die zu Kronen oder Bögen aufgebunden werden. Blumen als Ausdruck der Freude und als Symbol für den Frühling gehören ebenfalls zu jedem Osterbrunnen. Die Eier können ergänzt werden durch bunte Bänder aus Papier, die zu Büscheln gebündelt werden und "Pensala" (kleine Pinselchen) heißen. Früher glaubte man, bunte, wehende Bänder würden böse Geister vertreiben. Sicher ist: Der Brunnen soll möglichst schön sein.

Das ist auch für Emil Baumgärtner wichtig. Nachdem er sich aus dem Berufsleben in München zurückgezogen hatte, lebte er wieder in seinem Geburtsort Ansbach. 2011 zogen er und seine Frau in die Nähe ihrer Kinder nach Ottobrunn in das Stift Brunneck des Kuratoriums Wohnen im Alter. Dort fragte er, ob er den Brunnen an der Cramer-Klett-Straße zu Ostern schmücken dürfe. Heimleiterin Gisela Hüttis gewährte ihm freie Hand. Ein Fahrradfreund aus Franken fertigte ihm das Grundgestell für den Osterbrunnen aus gebogenen Rohren, um die grüne Girlanden gewickelt sind.

"Den Hasen habe ich mit Haarspray eingesprüht"

Bunte Eier schmücken das Gestell und in diesem Jahr auch eine Krone. "Ich werde 100 Jahre alt im Sommer und dies ist mein letzter Osterbrunnen, da darf das schon sein", sagt Baumgärtner beim Schmücken mit sichtlicher Freude. Auf diese Krone aus runden Bögen montiert sein Enkel Tobias Fischer, 38, noch einen Reisigring, auf dem ein tönerner Hase sitzt. "Den Hasen habe ich mit Haarspray eingesprüht", verrät Fischer - gegen den Regen. "Dein Schwiegersohn darf das nicht sehen", sagt Fischer. Opa und Enkel sehen sich an und lachen - der Schwiegersohn ist Statiker. Doch Baumgärtner und Fischer sind sich sicher, dass der Brunnen stabil ist und Wind und Wetter trotzen wird.

Emil Baumgärtner steht vor dem Brunnen und überlegt. Dann geht er ins Haus und kehrt mit zwei großen, bemalten Straußeneiern zurück, die er eigenhändig an die Äste oberhalb der Krone hängt. "Die Haken habe ich da schon vorher angebracht", sagt er lächelnd. Man sieht schon, der rüstige 99-Jährige schmückt den Osterbrunnen nicht zum ersten Mal. Und wer weiß, ob er es wirklich zum letzten Mal tut. Auch wenn er sagt. "Dies ist mein letzter Streich!"