Ortsgestaltung:Der Mobilitätsmanager soll es richten

Ortsgestaltung: Im Pullacher Gemeinderat herrscht Uneinigkeit, wie der Kirchplatz künftig aussehen soll.

Im Pullacher Gemeinderat herrscht Uneinigkeit, wie der Kirchplatz künftig aussehen soll.

(Foto: Claus Schunk)

Die Pullacher Gemeinderäte sind sich uneins, ob für die Aufenthaltsqualität am Kirchplatz Parkplätze wegfallen sollen

Von Michael Morosow, Pullach

Die spätgotische Kirche Heilig Geist mit ihrer barocken Zwiebelhaube aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert stand bereits im Zentrum von Pullach, als das Fahrrad noch nicht erfunden war und allenfalls Ochsenkarren an ihr vorbeizogen auf einer breiten von Linden gesäumten Durchgangsstraße. Wer sich hier gemütlich niederlassen wollte, holte sich Bier oder Met vom Rabenwirt und setzte sich damit für einen Ratsch auf eine Bank vor der Schänke im Schatten des Kirchleins. Über eine Verkehrsberuhigung des Kirchplatzes wurde damals sicher nicht debattiert. Umso mehr, seit Autos, Fahrräder und Fußgänger sich den Verkehrsraum auf dem Kirchplatz teilen müssen und es an manchen Tagen dort zugeht wie am Stachus.

Jetzt hat sich die Grünen-Fraktion mit einem Vorschlag zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität auf dem Kirchplatz zu Wort gemeldet, und wie ähnliche Vorstöße in der Vergangenheit fußt auch dieser auf der Erkenntnis, dass eine Steigerung der Attraktivität des Ortszentrums vor allem mit einer Verringerung des ruhenden Verkehrs zu erreichen sei. Dazu haben die Grünen vorgeschlagen, die drei Schrägparkplätze gegenüber der Vinzenzmurr-Filiale entweder ganz zu streichen oder in Behindertenparkplätze umzuwandeln. Zu erreichen wäre dieses nach Meinung der Grünen etwa durch den zeitweisen Einsatz versenkbarer Poller im Bereich zwischen der Bäckerei Brotzeit und der Raben-Apotheke. Beides wird zumindest vorerst nicht geschehen. Nach einer längeren Debatte fand dieser Antrag nur acht Befürworter (Grüne und SPD), zwölf Gegenstimmen kamen von den Fraktionen von Wir in Pullach, CSU, FDP und Pullach Plus. Eine Mehrheit von 14 zu sechs Stimmen fand hingegen der bereits während der Diskussion vorgebrachte Vorschlag von Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne), wonach der Antrag dem im Frühjahr startenden Mobilitätsmanager zur Behandlung vorgelegt werden soll.

Grünen-Sprecher Fabian Müller-Klug bezeichnete die Verkehrsberuhigung als zentrales Ziel des Ortsentwicklungsplanes und betonte, dass der Kirchplatz den Menschen und nicht nur Autos und Fahrrädern gehöre. Es gehe den Grünen darum, die Perspektive zu wechseln, "weg vom Auto, hin zum, Menschen", sagte seine Fraktionskollegin Renate Grasse. Allein, diese Sichtweise teilte die Mehrheit des Gremiums ebenso wenig wie die Argumentation Tausendfreunds, eine Behindertenparkzone bliebe wohl die meiste Zeit frei und Fußgänger hätten somit mehr Platz. Das scheitert nach Ansicht von Caroline Voit (Pullach Plus) in der Praxis. Sie könne doch ihrem dreijährigen Sohn nicht erklären, dass er auf dem einen Parkplatz spielen dürfe, aber auf dem gegenüberliegenden nicht, sagte die zweifache Mutter. Für ihren Fraktionskollegen Andreas Most ist das Thema viel zu komplex, als dass darüber auf die Schnelle entschieden werden sollte. Das Thema sei im Arbeitskreis Ortsmitte besser aufgehoben, sagte Most, und warnte vor unerwünschten Konsequenzen voreiliger Maßnahmen. Das ist auch die Meinung von Cornelia Zechmeister (Wir in Pullach), die außerdem die Bedeutung der Parkplätze für Besucher des Kirchplatzes betonte. Für die Arztpraxen seien diese sehr sinnvoll, sagte Zechmeister, "früher haben wir um jeden Stellplatz gekämpft." Man dürfe die Gastronomie und den Einzelhandel durch die Wegnahme von Stellplätzen nicht schwächen, mahnte Sebastian Westenthanner (CSU) Auch seine Fraktionskollegin Christine Eisenmann sieht den Antrag der Grünen in einem Workshop am besten aufgehoben und will erst einmal dem Mobilitätsmanager seine Arbeit machen lassen.

Dieser wird wohl nicht bei Null anfangen müssen: Sie habe schon vor 30 Jahren als Verkehrsreferentin im Gemeinderat gesessen, sagte Angelika Metz (WIP), und berichtete von einem Verkehrskonzept, das zusammen mit der lokalen Agenda erarbeitet worden sei. "Aber es gibt keine Eier legende Wollmilchsau."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB