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Ortsbild:Taufkirchen soll in neuem Licht erstrahlen

Die Straßenbeleuchtung soll von Quecksilberdampflampen auf LED-Technik umgestellt werden. Damit spart die Gemeinde nicht nur Energie, sondern auf lange Sicht auch Geld

Taufkirchen - Die Gemeinde Taufkirchen muss in den nächsten Jahren die Straßenbeleuchtung im Ort fast komplett modernisieren. Dafür ist zwar im klammen Haushalt 2018 kein Geld vorgesehen, doch ist dieser Schritt aus mehreren Gründen unumgänglich. Einerseits können dadurch im Haushalt "über zehn Jahre bis zu einer Million Euro eingespart werden", wie Andreas Kleiner, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Straßenbeleuchtung und Infrastruktur für den öffentlichen Sektor, im Gemeinderat erläuterte. Andererseits ist die Umstellung von Quecksilberdampflampen auf LED-Technologie auch aus ökologischer Sicht sinnvoll.

Die Taufkirchner würden vor allem von einer besseren Lichtqualität und einer Verbesserung des Sicherheitsempfindens im Ort profitieren, sind doch die bestehenden 1845 Straßenlaternen weit über 40 Jahre alt. Tatsache ist, dass die Straßenbeleuchtung in einer Kommune der größte Stromfresser ist. "Der Anteil beträgt 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs von Taufkirchen", stellte Andreas Kleiner klar. Sein Vortrag zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und zu den Umsetzungsmöglichkeiten fand daher im Gemeinderat trotz der Kostenfrage großen Anklang. "Das ist supergeil", freute sich David Grothe (Grüne) und sprach sich zudem für Erweiterungsmöglichkeiten aus. "Bei der Umstellung auf LED-Leuchten sollte man auf jeden Fall auf die intelligente Lichtsteuerung setzen und prüfen, ob man nicht auch Wlan-Hotspots und Ladestationen für E-Fahrzeuge in die Laternenpfähle integrieren könnte." Grothes Ergänzung befürworteten die meisten Gemeinderäte mit einem Kopfnicken.

"Nach aktuellem Stand verbraucht Taufkirchen über zehn Jahre 425 092 Kilowattstunden. Das sind anfallende Kosten in Höhe von 594 168 Euro", rechnete Kleiner vor. Wenn man die komplette Straßenbeleuchtung auf einmal auf LED umstelle, spare sich die Gemeinde circa 66 Prozent. Mit Nachtsenkung, wenn die Lichtleistung zum Beispiel zwischen 23 und 4 Uhr zur Hälfte heruntergefahren werde, sogar 74 Prozent. Bei einer schrittweisen Modernisierung über zehn Jahre wären es laut Kleiner dagegen nur 45 Prozent.

"Zwar wären die Investitionskosten bei der ersten Variante höher als bei der zweiten Variante. Dafür aber könnten Fördermittel von 20 Prozent für die Komplettumstellung beantragt werden. Und somit wären die Investitionen bereits nach vier Jahren amortisiert" sagte Kleiner auf Nachfrage von Hildegard Riedmeier (CSU), "ohne Fördermittel erst nach fünf Jahren. Darüber hinaus sind die Wartungskosten viel geringer."

Neben den ökonomischen Aspekten sollte auch der ökologische nicht vergessen werden: "Ohne eine Umstellung auf LED produziert Taufkirchen 2513 Tonnen CO₂. Nach einer Komplettumstellung wären es nur noch 847 Tonnen - also 66 Prozent weniger." Peter Hofbauer (Freie Wähler) konnte nur zustimmen: "Das ist wirklich eine gute Sache."

Rudi Schwab von den Grünen wollte wissen, wem die Straßenbeleuchtung rechtlich gehört. "Sie ist Eigentum der Gemeinde. Das haben wir erst letzte Woche geprüft", entgegnete Andreas Kleiner. "Und darüber werden die Bayernwerke demnächst auch in Kenntnis gesetzt." Damit war auch diese Hürde aus dem Weg geräumt.

Nach Klärung der Rechte- und Kostenfragen beschloss der Gemeinderat einstimmig, dass der Bundesverband Straßenbeleuchtung und Infrastruktur ein Konzept für eine Komplettumstellung auf LED samt Nachtsenkung und intelligenter Lichtsteuerung erarbeiten soll. Des Weiteren wird geprüft, ob Ladestationen und Wlan-Hotspots bereitgestellt werden können. Die Ausschreibung soll Ende 2018 erfolgen, die Umstellung auf LED 2019 umgesetzt werden, damit Taufkirchen in neuem Licht erstrahlen kann.

© SZ vom 08.05.2018
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