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Online-Veranstaltung:Populismus und Extremismus

Karl Graf von Stauffenberg ist FDP-Politiker und engagiert sich gegen Populismus und Extremismus. Der Enkel von Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist Gast beim Neubiberger "Virtual Blind Date".

(Foto: Dominik Konrad)

Karl Graf Stauffenberg diskutiert mit dem Youtuber MrWissen2Go

Interview von Daniela Bode, Neubiberg

Es sprechen Menschen, die etwas zu sagen haben, Persönlichkeiten, die sich vielleicht noch nie gesehen haben. Auch am kommenden Dienstag, 11. Mai, dürfte es beim "Virtual Blind Date", ein Online-Format im Kulturangebot der Gemeinde Neubiberg, spannend werden. Der erfolgreiche Youtuber MrWissen2Go alias Mirko Drotschmann, der aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft behandelt, und der FDP-Politiker Karl Graf von Stauffenberg, Enkel des Hitler-Attentäters Claus Graf Schenk von Stauffenberg, werden sich über Themen wie Populismus und Extremismus unterhalten. Historiker Florian Kührer-Wielach, Direktor eines Instituts für Kultur und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität, moderiert. Die SZ sprach im Vorfeld mit Stauffenberg.

SZ: Haben Sie Ihren Gesprächspartner schon einmal persönlich getroffen?

Stauffenberg: Nein, persönlich nicht. Ich habe mir ein paar Youtube-Videos von ihm angesehen.

Wird es demnach eher eine angenehme Unterhaltung oder auch mal kontrovers zugehen? Sie setzen sich ja beide im weitesten Sinn für Toleranz ein.

Ich nehme an, dass es keine Kontroverse werden wird, aber die eine oder andere unterschiedliche Ansicht werden wir schon haben.

Sie sind der Meinung, durch die sozialen Medien sei linker und rechter Populismus salonfähig geworden. Inwiefern?

Ich beobachte das schon viel länger. 2016 habe ich daher den Verein "Mittendrin statt extrem daneben e. V." gegründet, um gerade Jugendliche und junge Erwachsene vor den Gefahren des politischen und ideologischen Extremismus zu warnen. Als selbständiger Eventmanager war ich früher oft in den sozialen Medien unterwegs. 2015 ist mir aufgefallen, dass die Sprache dort sehr extrem wurde. Als es darum ging, wo ein Flüchtlingsheim errichtet wird, las man zum Beispiel Dinge wie: "Das fackeln wir dann ab." Entgegnet wurde: "Wenn ihr das abfackelt, bringen wir Euch um." Für mich geht es nicht darum, ob es linker oder rechter Populismus ist. Mir geht es darum, die Demokratie und eine offene Gesellschaft zu bewahren.

Sie haben besagten Verein gegründet. Was kann man noch dagegen tun?

In Nicht-Coronazeiten gehe ich einmal im Monat an Schulen, um ältere Jugendliche davor zu bewahren, sich populistischen Strömungen - seien sie links, rechts oder Salafisten - zuzuwenden. Ich will den Leuten erklären, was es bedeutet, in Freiheit und seit mehr als 70 Jahren in Frieden zu leben. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist.

Sie werden mit Mirko Drotschmann auch über Extremismus und den Umgang miteinander im Netz sprechen. Was ist das Wichtigste, was sie weitergeben wollen?

Das Wichtigste ist, dass man offen miteinander umgeht und andere Meinungen toleriert. Man kann kontrovers diskutieren, aber nicht Gewalt androhen. Es geht auch um Herkunftsfragen. Wir sind alle Menschen. Man sollte alle gleich behandeln, egal aus welcher Ecke man kommt.

Bleibt Ihnen eigentlich als Enkel von Claus Graf Schenk von Stauffenberg überhaupt etwas anderes übrig als in seine Fußstapfen zu treten und sich gegen Extremismus zu engagieren?

Ich habe es geschafft, mich 45 Jahre aus dem Thema rauszuhalten. Ich habe lange darunter gelitten, einen sehr bekannten Vorfahren zu haben. Irgendwann habe ich die Entscheidung getroffen, wenn ich meine Herkunft sinnvoll einbringen kann, sollte ich das tun. Als Stauffenberg kommt man leichter in eine Schule rein als ein Nicht-Stauffenberg, um junge Leute auf die Demokratie zu besinnen. Mir geht es darum zu zeigen, die Art und Weise wie wir Politik die letzten zehn Jahren erlebt haben, so sollte man nicht miteinander umgehen. Man sollte sich wieder auf die Werte einer demokratischen Gesellschaft konzentrieren und nicht unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit Dinge sagen, die andere verletzen.

Die Veranstaltung wird via Zoom von 19 bis 20.30 Uhr gestreamt. Die Gebühr liegt bei 6 oder 10 Euro. Teens bis 18 Jahre zahlen nichts. Anmelden kann man sich unter www.vhssuedost.de oder per Telefon unter 089/442 3890.

© SZ vom 08.05.2021
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