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Olympia-Kandidatenstadt München:Frust beim Frontmann

Die Kritik an Olympia verbittert ihn zunehmend: Wie der Unternehmer Willy Bogner an der Pflicht zu scheitern droht, alle Beteiligten von den Winterspielen 2018 zu überzeugen.

Es sind entscheidende Tage für die Münchner Olympiabewerbung, und man merkt es an der Nervosität und Gereiztheit der Verantwortlichen, wie stark der Druck auf ihnen lastet, wie groß die Anspannung ist. Der Traum von den bayerischen Winterspielen - er droht zu platzen, und zwar lange, bevor das Internationale Olympische Komitee am 6. Juli 2011 in Durban über die Vergabe entscheidet.

Zeitung: Bogner droht mit Ruecktritt bei Olympiabewerbung

Willy Bogner ist im November 2009 angetreten, die Olympiabewerbung Münchens zum Erfolg zu führen. Der Unternehmer hat aber offenbar die Widerstände gerade im Oberland unterschätzt, die ihn immer stärker ärgern.

(Foto: ddp)

Dabei geht es nicht nur um die bedeutende Frage, ob ein paar Dutzend Garmischer Grundstückseigentümer rechtzeitig überzeugt werden können, ihre dringend für die Ausrichtung der Winterspiele 2018 benötigten Landflächen zur Verfügung zu stellen. Es geht zugleich ums Geld, um die nötigen Millionen, ohne die das Team der Bewerbungsgesellschaft gegen die zwei Konkurrenten, voran die Südkoreaner aus Pyeongchang, keine Chance haben dürfte.

Fakt ist: Der bisher geplante Betrag von 30 Millionen Euro, von denen erst 20Millionen mühevoll bei Sponsoren eingesammelt wurden, reicht wohl bei weitem nicht aus. Nach SZ-Informationen soll der Bedarf bei mittlerweile mehr als 40 Millionen liegen. Deshalb fordert Bogner nun eine finanzielle Aufstockung sowie ein klares politisches Bekenntnis - und das in dramatischer Form. "Die Finanzen müssen einfach auf eine solide Basis gestellt werden, das ist die Aufgabenstellung für die Gesellschafterversammlung am Donnerstag", sagte Bogner der Süddeutschen Zeitung.

Zugleich bestätigte er sein Schreiben am Dienstag an die Gesellschafter. Es sei dringend nötig, hier rasch Klarheit zu schaffen. "Wir sind jetzt in der internationalen Phase der Bewerbung." Nach außen hin ist der Münchner Mode- und Filmproduzent um Gelassenheit bemüht. Die Bewerbung sei nicht gefährdet, München durchaus noch gut im Rennen um die Spiele 2018. "Wir schlagen keinesfalls Alarm, aber es gibt noch einige Punkte, die zu lösen sind."

Wer mit Bogner spricht, spürt allerdings rasch, dass ihn die Haltung der Olympia-Verweigerer in Garmisch-Partenkirchen stark verwundert, fast schon verbittert. Es könne nicht sein, argumentiert er, dass ein so großes Projekt am Eigensinn einzelner Eigentümer scheitere. Diese Leute könne er nicht verstehen. Jedoch sei es nicht Sache der Bewerbungsgesellschaft, all diese delikaten Grundstücksfragen zu klären; das müssten schon die Politiker erledigen.

"Wir glauben, dass die Bürger von Garmisch-Partenkirchen an dieser Bewerbung interessiert sind. Nicht wir, sondern die Gemeinde muss mit den Leuten verhandeln, schließlich hat sie sich ja für die Winterspiele beworben. Unsere Bewerbergesellschaft hilft ihnen dabei." Die Gemeinde Garmisch müsse die Zusagen, die sie gegeben hat, auch einhalten: "Wir gehen weiter davon aus, dass sie dies auch tun wird", sagt Bogner.

Die Zeit läuft jedoch davon, spätestens im frühen Herbst müssen die umstrittenen Verträge unterzeichnet sein. Denn am 11. Januar 2011 muss die Gesellschaft ihr fertiges Konzept mit den nötigen Unterlagen über die Sportstätten beim IOC hinterlegen, und darin zählen keine Absichtserklärungen mehr. "Wir haben noch genug Zeit, dies in gutem Einvernehmen hinzukriegen", sagt Bogner, doch klingt sein Optimismus zunehmend trotzig. Denn eigentlich müsste die Bewerbungsgesellschaft zum jetzigen Stand, ein Jahr vor der Olympia-Entscheidung, schon viel weiter ein.

Budget für Bewerbungsfilme

Beispielsweise muss nun sehr rasch über die Produktion der diversen Bewerbungsfilme entschieden werden, mit denen die Münchner beim IOC Eindruck machen müssen. Fachmann Bogner, der zuletzt den Film für die Winterbewerbung Sotschis 2014 gedreht hatte, spricht von vier, fünf Streifen, darunter "ein Film, der die nötigen Emotionen für die Bewerbung transportiert, und einer, der die technischen Details wie die Sportstätten darstellt".

War für Filmprojekte ursprünglich eine Million Euro in den Bewerber-Etat eingestellt, soll sich nach SZ-Informationen allein dieser Betrag auf vier bis fünf Millionen Euro erhöht haben. Bogner, seit November 2009 als Ein-Euro-Mann an der GmbH-Spitze, äußert sich dazu ausweichend: "Klar, dafür brauchen wir ein angemessenes Budget - aber auch darüber ist erst in der Versammlung am Donnerstag zu reden."

Noch setzt Bogner auf die Olympia-Diplomatie hinter den Kulissen, noch hofft er auf eine baldige Einigung in Garmisch-Partenkirchen. Es habe wohl noch nie eine Bewerbung in Deutschland gegeben, die so einhellig von der Politik unterstützt wurde: von der Kanzlerin über den bayerischen Ministerpräsidenten bis hin zu den Bürgermeistern, sagt er. Für das IOC zählen jedoch am Ende nicht aufmunternde Politikerworte und warme Versprechungen. Es zählen die Fakten und die Olympiabegeisterung im Veranstalterland. Und in diesen beiden Schlüsselkategorien hat die Münchner GmbH während der letzten Monate deutlich an Boden verloren.

Mit Oberammergau, dass sich erfolgreich gegen die Rolle als Schneeressort für Langlauf und Biathlon gewehrt hat, firmiert bereits ein Veranstalterort im aktuell vorliegenden Münchner Bewerbungsbuch, den es gar nicht mehr gibt. Das ist ein Fauxpas, den das verschwiegene IOC nicht thematisiert, aber sehr wohl registriert. IOC-Mitglieder sind unbändig stolz auf ihre Ringe. Und dass es in der Schneeregion des bayerischen Oberlandes keine Olympiabegeisterung gibt, die die Bewerbung über die aktuellen Hürden tragen könnte, wird manchen von ihnen schon jetzt nicht mehr zu vermitteln sein.