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Olympia 2018:Renoviert für den Abriss

Die Bundeswehr hat gut acht Millionen Euro in ihr Verwaltungszentrum an der Dachauer Straße investiert - für Olympia 2018 müssten die Gebäude abgerissen werden.

Das war wohl keine gute Investition: Die Bundeswehr hat in den vergangenen sieben Jahren 8,75 Millionen Euro in ihr Verwaltungszentrum an der Dachauer Straße gesteckt - also in Bauten, von denen die meisten für das geplante neue Olympiadorf abgerissen werden müssten. Das Geld wurde für Instandhaltungsarbeiten sowie die Erneuerung des Abwassersystems ausgegeben. Ob zumindest die Kanäle weiter genutzt werden können, ist noch unklar.

Olympiapark mit Olympiastadion in München, 1999

Falls die Olympischen Winterspiele 2018 nach München kommen, will die Stadt Grundstücke aufkaufen, die an das Olympiazentrum angrenzen. Das Verwaltungsgebäude der Bundeswehr in der Dachauer Straße wäre auch betroffen.

(Foto: AP)

"Das meiste ist wohl verloren", erklärt der Münchner Bundestagsabgeordnete Herbert Frankenhauser, der eine entsprechende Anfrage beim Bundesfinanzministerium eingereicht hatte. Der CSU-Politiker zählt sich zwar nicht zu den Olympiagegnern, mahnt aber mehr Ehrlichkeit in der Kostendebatte an. "Es muss deutlich werden, welche Kosten tatsächlich für Olympia entstehen."

Bisweilen werde so getan, als seien die Winterspiele 2018 für den Steuerzahler fast gratis zu haben. Dabei würden, wie die Millioneninvestition der Bundeswehr zeige, auch bestehende Werte vernichtet. Bevor man Verträge unterzeichnet, müsse eine "objektive Zahlenbasis" vorliegen.

Die zwei- bis viergeschossigen Bürobauten, in denen unter anderem das Sanitätsamt und die Wehrbereichsverwaltung Süd untergebracht sind, stehen ebenso wie ein Lagerhauskomplex und ein Wohnblock den geplanten Plusenergiehäusern des zweiten Olympiadorfs im Weg. Dessen Bauherr ist die Stadt München, die dem Bund dafür Teile des weiträumigen Areals in Olympiapark-Nähe abkauft. Zu welchem Preis, lassen Stadt und Bund gerade per Gutachten ermitteln.

Dabei spielt, wie die Wehrbereichsverwaltung Süd auf SZ-Anfrage mitteilt, auch die Frage nach einer Entschädigung für die verlorenen Investitionen in die Gebäude sowie die Erneuerung des Abwassersystems eine Rolle.

Das Grundstück selbst soll zum vollen Verkehrswert übereignet werden. Reicht der Verkaufserlös allerdings nicht aus, um die Ersatzbauten für die Militärverwaltung zu errichten, behält sich der Bund das Recht auf Nachverhandlungen über einen Kostenausgleich vor. Der "Deal" kommt freilich nur zustande, wenn München im Juli 2011 tatsächlich den Zuschlag für die Winterspiele 2018 bekommt. Scheitert die Bewerbung, bleibt an der Dachauer Straße alles beim Alten.

Entscheidet sich das Internationale Olympische Komitee dagegen für München, muss die Bundeswehrverwaltung zusammenrücken. Weil dann der Südosten des Geländes für die Sportlerunterkünfte geräumt wird, soll der verlorene Büroraum auf den im Bundesbesitz verbleibenden Arealen im Norden und Nordwesten untergebracht werden.

Damit das gelingt, müssen auch auf diesen Flächen große Teile der Bebauung weichen - die neuen Bürohäuser werden wohl deutlich höher und kompakter ausfallen als der Bestand. "Im wesentlichen unverändert" bleiben laut Bundeswehrverwaltung die teilweise eingezäunten Bereiche im Norden, nahe dem Willi-Gebhardt-Ufer. Und natürlich die Altbauten an der Hedwig-Dransfeld-Allee, der letzte Rest des einstigen Ensembles, um das in den 1980er Jahren der Flohmarkt Dachauer Straße stattfand.

Für den Bau des Olympischen Dorfes haben Stadt und Freistaat bereits einen internationalen Wettbewerb ausgeschrieben. Das Preisgericht soll Ende November tagen. Die 880 Wohnungen werden von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag errichtet und sollen nach den Winterspielen den Münchner Mietmarkt entlasten.