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Offensive Teststrategie:Hotel als Corona-Station

Der Landkreis treibt den Ausbau von Testkapazitäten voran. Bei einem Eröffnungstermin in einem lahmgelegten Beherbergungsbetrieb in Kirchheim bekräftigt Landrat Göbel deren Bedeutung für mögliche Öffnungen.

Von Julius Baumeister, Kirchheim

Es geht Schlag auf Schlag. Die Testkapazitäten im Landkreis werden massiv ausgebaut. Am Dienstag hat Landrat Christoph Göbel (CSU) mit Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) eine Station in den Räumlichkeiten eines Hotels in Kirchheim eröffnet. In der vom Malteser-Hilfsdienst betriebenen Teststelle können Bürgerinnen und Bürger des Landkreises nun sowohl mit Antigen-Schnelltests als auch mit PCR-Tests auf eine Corona-Infektion untersucht werden. Am selben Tag eröffnete eine neue Station im Bürgerhaus Haar.

Es sei ein weiterer Schritt beim so wichtigen Ausbau der Infrastruktur im Landkreis, sagte Landrat Göbel, der sich Dienstagmittag gleich selbst testen ließ. Man sei mit der Idee einer Teststation als Gemeinde auch deshalb ganz gezielt auf die Inhaber des Hotels in der Räterstraße zugekommen, um ein Zeichen zu setzen, dass Öffnungen der Hotellerie und Gastronomie erleichtert werden sollten. Böltl sagte, "wenn wir Geschäfte, Gastronomie und Hotellerie irgendwann für negativ getestete Personen öffnen könnten, ist es von Vorteil, wenn das Hotel schon die Infrastruktur hat, die es dann bräuchte".

Kirchheim, neues Testzentrum Hotel Dormero im Zentrum des Ortes, Foto: Angelika Bardehle

Wo sonst Hotelgäste übernachten, wird derzeit alles getan, um Wege aus der Pandemie zu finden. Alexander Bärschneider ist eigentlich Restaurantfachmann. Jetzt arbeitet er im Zentrum von Kirchheim in der Teststation im Hotel Dormero.

(Foto: Angelika Bardehle)

Etwas mehr als 2500 Testungen seien innerhalb von zehn Stunden grundsätzlich möglich, so der Projektleiter der Malteser Alexander Brandstaeter. Nicht getestet würden Personen mit eindeutigen Symptomen einer Corona-Infektion. "Die sind eigentlich ein Fall für den Hausarzt oder das Testzentrum in Haar", sagte Brandstaeter, der auch für das zentrale Testzentrum des Landkreises in Haar an der Wasserburger Straße verantwortlich ist. Dass in den Räumlichkeiten im Kirchheimer Hotel eine solch hohe Anzahl an Corona-Tests möglich sein könnte, liegt an einem vereinfachten Ablauf. Denn zunächst ist, anders als noch vor Monaten, kein Termin von Nöten. Über einen QR-Code an der Fassade der Test-Station können sich Bürger in nur wenigen Schritten für die Testung registrieren.

Im Foyer des Hotels gibt es Teststäbchen

Alternativ dazu könnten die wichtigsten Daten auch auf den im Eingang ausliegenden Zetteln ausgefüllt werden, sagte Brandstaeter. Im einstigen Foyer des Hotels werden dann die Teststäbchen ausgehändigt, mit denen dann wenige Meter entfernt der Abstrich erfolgt. Bei einer PCR-Testung werden die Bürger dann in digitaler Form innerhalb von 24 bis 48 Stunden über ihr Testergebnis informiert. Die Ergebnisse der Antigen-Tests stünden vor Ort bereits nach etwa 30 Minuten zur Verfügung. Böltl: "Es geht super schnell."

Während schon bald mehrere hundert Personen zwischen 8 Uhr und 18 Uhr im Hotel an der Räterstraße getestet werden könnten, rechnet man bei den Maltesern mit nur langsam wachsendem Andrang. Wie wichtig die Teststation in Kirchheim dennoch ist, machte Göbel mit Blick auf die Entscheidung über eine Bewerbung des Kreises als Modellregion deutlich. Vergangene Woche hat er die Bestrebungen, Modellregion zu werden, öffentlich gemacht und sich für stufenweise Öffnungen bei konsequentem Testen ausgesprochen. Dies könnte es, wie im Tübinger-Modell, ermöglichen, Besuchern mit negativem Antigenen-Schnelltest Teile des Einzelhandels und der Gastronomie zu öffnen. Mit einem "Tagesticket" auf einer App könnten diese Zutritt zu Geschäften erhalten, auch wenn die Inzidenz über der 100er-Marke liegt. Doch dafür ist zunächst eine Software nötig, welche das Ergebnis des Schnelltests direkt auf die verwendete App auf den Smartphones der Getesteten spielt.

Kirchheim, neues Testzentrum Hotel Dormero im Zentrum des Ortes, Foto: Angelika Bardehle

Der Hotel-Empfang im Foyer wurde umgestaltet: Jetzt heißt es dort "Registrierung" für den Schnelltest.

(Foto: Angelika Bardehle)

Während die Menschen bislang etwa 30 Minuten vor den Türen der Test-Station auf das Ergebnis des Schnelltests warten, wartet der Kreis auf die Entscheidung, welche App genutzt werden könnte. Hier laufen derzeit Beratungen im bayerischen Gesundheitsministerium, welche App bayernweit eingesetzt werden kann. Laut Göbel könnte diese, ebenso wie die Entscheidung über die Vergabe der bayernweit acht geplanten Modellregionen, in der kommenden Woche fallen. Für Öffnungsschritte seien außer dem Ausbau der Testungen aber auch die Infektionszahlen "entscheidend", welche bereits seit Tagen stetig steigen, wie Böltl sagte.

© SZ vom 31.03.2021/belo
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