Bayern: Streik im Öffentlichen Nahverkehr:"Lediglich einzelne Fahrzeuge fielen aus"

Der Stillstand blieb aus: Zwar kam es in München am Vormittag im Zuge des Streiks zu Verspätungen im U-Bahn-Verkehr, doch der Betrieb konnte fast vollständig weitergehen.

Im festgefahrenen Tarifstreit im kommunalen Nahverkehr Bayerns haben an diesem Freitagmorgen Angestellte im Bus-, Tram- und U-Bahnverkehr die Arbeit niedergelegt. Der Deutsche Beamtenbund (dbb Tarifunion) hatte seine Mitglieder am Donnerstag dazu aufgerufen. Streikschwerpunkt war der morgendliche Verkehr in München, wie dbb-Sprecherin Cornelia Krüger sagte.

Streiks im bayerischen Nahverkehr

Vollbesetzte Münchner U-Bahn zur Wiesn-Zeit: Das Oktoberfest fällt genau in die Zeit der angekündigten Streikaktionen, sollten sich die Tarifparteien nicht vorher einigen.

(Foto: dpa)

"Die Arbeitsniederlegungen werden die Personenbeförderung mit Bussen, Straßen- und U-Bahnen betreffen", heißt es in einer Mitteilung der dbb. Die Münchner U-Bahnen fahren im Moment nur alle fünf bis zehn Minuten. In Meldungen hieß es zunächst, auch der Tram-Bahn-Verkehr sei erheblich eingeschränkt. Allerdings traten nach Angaben der MVG bei den Trambahnen lediglich vier Fahrer ihren Dienst nicht an, so dass der Verkehr nahezu wie gewöhnlich weiterläuft.

"Die Auswirkungen des Streiks der Gewerkschaft GDL halten sich bis jetzt in Grenzen", teilt Matthias Korte von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit. Bei der Münchner U-Bahn seien gut 85 Prozent der Bahnen des sonst üblichen Angebots im Einsatz gewesen. Zu Beeinträchtigungen sei es auf der U4 gekommen, die nur zwischen den Stationen Lehel und Arabellapark pendelt. Zu Verspätungen kam es auch bei den U-Bahnlinien 1 und 2. Insgesamt seien 5 Trambahnen und 15 Busse ausgefallen.

Auch in den übrigen betroffenen Städten Nürnberg und Augsburg konnten die Verkehrsbetriebe in alle U-Bahn-, Bus- und Trambahnlinien weiter bedienen, teilte der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) Bayern mit. "Lediglich einzelne Fahrzeuge fielen aus." Am Vormittag sei die Lage weitgehend ruhig gewesen, größere Störungen seien nicht gemeldet worden.

Der Streik dauerte in allen Städten nach Angaben der dbb von der Frühschicht bis um 10 Uhr Vormittags. Anders als der MVG sprach die dbb Tarifunion von starken Beeinträchtigungen des morgendlichen Nahverkehrs in München. Auch in Augsburg und Nürnberg hätten sich die Beschäftigten rege an dem Ausstand beteiligt. Willi Russ, zweiter Vorsitzender der dbb Tarifunion und Verantwortlicher für die Tarifverhandlungen im Kommunalen Nahverkehr in Bayern sprach von einem "deutlichen Signal des Unmuts über die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber".

Anders als die Gewerkschaft Verdi hatte sich der dbb zuvor nicht mit den Arbeitgebern auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Der dbb vertritt etwa 1000 der 6500 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr Bayerns.

Bis vergangenen Montag hatten 98,7 Prozent der Mitglieder der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) für einen Streik bei den kommunalen Verkehrsbetrieben in Bayern gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag laut Willi Russ von der dbb Tarifunion bei 70 Prozent. Die dbb Tarifunion führt für die GDL den Tarifstreit. "Wir haben ein klares Signal, jetzt loszuschlagen", hatte Russ angekündigt. Die Gewerkschaft will damit ihren Forderungen nach einer Einkommensverbesserung sowie besseren Arbeitszeitregelungen Nachdruck verleihen.

In Zusammenhang mit dem geplanten Arbeitskampf hatte Russ auf den Aktionstag der Stadt München zum "Tag der Daseinsvorsorge" am morgigen Samstag als mögliches Ziel verwiesen. An dem Tag wollen städtische Tochterfirmen auf dem Marienplatz zeigen, wie wichtig es aus ihrer Sicht ist, Aufgaben wie etwa die Wasserversorgung oder auch den Nahverkehr in kommunaler Hand zu belassen.

Die MVG wird mit einem Korso historischer Trams das 115-jährige Bestehen der elektrischen Straßenbahn feiern. An dem Tag könnten, so Russ, die Fahrer von U-Bahnen, Trams und Bussen ihren Forderungen Nachdruck verleihen - wobei sich die Aktionen auf den regulären Nahverkehr beziehen dürften und nicht auf den Tram-Korso.

Darüber hinaus könnten die Streiks auch die Wiesn betreffen, die am 18. September beginnt, sollten sich die Tarifparteien nicht vorher einigen. In Nürnberg fällt das Altstadtfest und in Augsburg der Herbstplärrer möglicherweise in die Streikphase. Der Gewerkschafter Russ hatte Streiks rund um diese Volksfeste "nicht ausdrücklich" ausgeschlossen. "Wir werden nicht Däumchen drehen, nur weil gerade Oktoberfest ist."

In der Tat würde beispielsweise ein Ausstand der U-Bahn-Fahrer an einem Wiesn-Wochenende zu gewaltigem Chaos in der gesamten Stadt führen.

© sueddeutsche.de/dpa/Marco Völklein/hai/kat
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