Premiere:Die Scheune bebt

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Premiere: Ergreifend, berauschend, großartig: Mozarts berühmtes Werk - mal nicht im Opernhaus.

Ergreifend, berauschend, großartig: Mozarts berühmtes Werk - mal nicht im Opernhaus.

(Foto: Claus Schunk)

In Ödenpullach bringt Ricarda Geary die "Zauberflöte" in einem Zusammenspiel von professionellen Opernsängern und Laien zur Aufführung. Das Publikum erlebt eine Inszenierung von mystisch-magischer Kraft.

Von Franziska Gerlach, Oberhaching

Paminas Prinz, er schweigt. Und das tut weh. Wie sehr, das konnte man bereits nach wenigen Takten hören bei der Premiere in der Maschinenhalle, wo Alisa Milosevic, eine an der Münchner Musikhochschule ausgebildete Sopranistin aus Serbien, am Samstagabend eine ganz wunderbare Pamina gab.

Mit genau der richtigen Dosis an Gefühl singt sie gerade "Ach, ich fühl's", die todtraurige Arie aus Mozarts Zauberflöte. Arbeitet die Vokale sauber aus, legt Schmerz und Sehnsucht in sanft gesungene Koloraturketten und hält mühelos Höhen, für die vermutlich selbst Maria Callas ihr Korsett hätte aufschnüren müssen. Doch es hilft nichts: Prinz Tamino zeigt keine Reaktion. Und unglücklicherweise weiß Pamina nicht, dass sein Schweigen zu einer Prüfung gehört. Den Kopf gesenkt, schreitet die zierliche Sängerin von der Bühne. Das war echtes Drama. In einer Scheune in Ödenpullach.

Bereits vor zehn Jahren, als in Oberhaching das erste Mal überhaupt eigene Opernfestspiele stattfanden, inszenierte Ricarda Geary "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart - die bekannteste Oper der Welt. Das Singspiel um die entführte Prinzessin Pamina und den Prinzen Tamino, war das letzte Werk aus der Feder des Komponisten. Uraufgeführt am 30. September 1791 in Wien, sollen die Vorstellungen seinerzeit über Wochen hinweg ausverkauft gewesen sein. Alle wollten das Kräfteringen zwischen Gut und Böse sehen, fieberten mit bei den Prüfungen, die der Zauberer Sarastro dem Prinzen und der Prinzessin auferlegt, damit sie letztlich als Königspaar seine Nachfolge übernehmen.

Premiere: Die Königin der Nacht, gesungen von der Sopranistin Tanja Ammon.

Die Königin der Nacht, gesungen von der Sopranistin Tanja Ammon.

(Foto: Claus Schunk)

Wer im Programmheft blätterte, der konnte darin einen eigenen Abschnitt über den Librettisten Emanuel Schikaneder finden, einen niederbayerischen Theatermann, für dessen Leistung selbst Goethe anerkennende Worte fand. Ägyptisch eingefärbt und mit Freimaurer-Symbolik aufgeladen, gleicht die Oper mit ihren Donnerschlägen, Riesenschlangen und Priestern einem abenteuerlichen Fantasy-Spektakel. Genau das, wonach Zeitgeist und Geschmack vor rund 230 Jahren verlangten. Und auch an diesem lauen Sommerabend begeistert das Potpourri aus imposanten Chorgesängen und eingängigen Arien die Zuschauer, meisterlich dargeboten vom Oberhachinger Kammerorchester, dem Oberhachinger Kammerchor sowie dem Chor des Gymnasiums Oberhaching.

Das Publikum feiert Sänger, Chor und Orchester mit Standing Ovations

Ludwig Pichler sorgte als argloser Vogelsänger Papageno für einige Erheiterung beim Publikum. Clemens Joswig gab den Sarastro mit der erforderlichen Strenge im fülligem Bass. Der Tenor Eric Price überzeugte als Tamino. Seine Anfänge gehen auf den Tölzer Knabenchor zurück, inzwischen singt er mit Orchestern wie den Münchner Symphonikern. Positiv fielen außerdem Abiturientinnen und Schülerinnen des Oberhachinger Gymnasiums als jene "drei Knaben" auf, die sowohl Pamina als auch Tamino mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die jungen Frauen sangen und spielten so souverän, als hätten sie zeit ihres Lebens nichts anderes getan. Nur die Königin der Nacht hätte man sich einen Tick temperamentvoller gewünscht. Mit etwas mehr höllischer Rache, die in ihrem Herzen kocht.

Am Ende jedenfalls gab es Standing Ovations für das gekonnte Oberhachinger Zusammenspiel aus professionellen Opernsängern und Laien, die teils noch die Schule besuchen. Die Scheune bebte, die Künstler badeten nach monatelangen Proben im wohl verdienten Applaus. Rund 120 Akteure sind an der Produktion beteiligt. Ricarda Geary, seit 1999 Lehrerin am Gymnasium Oberhaching und Leiterin mehrerer Chöre, stand strahlend neben ihrem Vater Gerold Huber, der über drei Stunden hinweg das Orchester dirigiert hatte. Endlich durfte sich die Oper auch in Oberhaching mal wieder von ihrer schönsten Seite zeigen: ergreifend, berauschend, großartig.

Premiere: Der mutige, standhafte Tamino - verkörpert von Eric Price.

Der mutige, standhafte Tamino - verkörpert von Eric Price.

(Foto: Claus Schunk)

Und das Publikum war ganz ohne Zweifel dankbar, an diesen ergreifenden, berauschenden und großartigen Momenten teilzuhaben. Dazu muss man zunächst einmal sagen, dass ein Opernbesuch auf dem Lande vielleicht nicht die Distinguiertheit großstädtischer Kulturerfahrungen mit sich bringt. Aber gerade darin liegt ja auch der Reiz: In Ödenpullach streicheln die Kinder während der Pause possierliche Hausschweine, während die Eltern für ein Glas Prosecco anstehen, so mancher sichtlich angetan vom rauschhaften Musikerlebnis des ersten Aktes. Der ungewöhnliche Spielort, die große Scheune, ließ Gearys klassische Inszenierung modern wirken, ohne dabei überambitioniert aufzutreten.

Premiere: Eine zurückhaltende Kulisse, mit einem eingepassten Baugerüst, auf dem der Chor auftrat.

Eine zurückhaltende Kulisse, mit einem eingepassten Baugerüst, auf dem der Chor auftrat.

(Foto: Claus Schunk)

Auch Experimente mit der Handlung - in Salzburg etwa wurde die Geschichte zuletzt in die Gegenwart verlegt - verkniff man sich in der Maschinenhalle erfreulicherweise. Die historischen Kostüme schillerten vor dem mattwarmen Holz der Scheune, in die ein Baugerüst eingepasst war sowie die "Schreckenspforten", eine deckenhohe Konstruktion mit Schwingtüren. Eine zurückhaltende Kulisse, nur mit ein paar zartlila Blüten geschmückt. Doch so konnte die Zauberflöte ihre mystisch-magische Kraft voll entfalten. Einfach nur gut.

Weitere Aufführungen gibt es am 5. Juli, 19.30 Uhr, am 8./9.Juli, 19 Uhr, sowie am 10. Juli, 17 Uhr. Karten zwischen 15 und 28 Euro sind erhältlich über www.oberhaching.de sowie im Rathaus und der Gemeindebibliothek.

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