Hugo Junkers, geboren 1859 in einem heutigen Stadtteil von Mönchengladbach, gilt als ein Pionier der Luftfahrt. Eine der prägendsten Entwicklungen des Ingenieurs, Hochschullehrers und Unternehmers ist die Metallbauweise, die er im Bereich der zivilen Luftfahrt etablierte. Das erste von Anfang an für den Transport von Passagieren konzipierte Flugzeug war die Junkers F13, entwickelt im Jahr 1919, mit einer Struktur komplett aus Metall und mit Metall beplanktem Rumpf und Tragflächen. Die F13 revolutionierte den damals gerade aufkommenden zivilen Luftverkehr. Nun kehrt die historische Maschine zurück an einen besonderen Wirkungsort in der Region. Am 13. und 14. Juni werden drei originalgetreue funktionsfähige Nachbauten am Flugplatz Oberschleißheim, dem ältesten immer noch betriebenen Flughafen Deutschlands, zu sehen sein und von dort aus zu Flügen starten.
Junkers, vielseitig begabter Tüftler und Innovator, hatte in den 1910er-Jahren zunächst mit Stahl als Außenhaut für seine Flugzeuge experimentiert, dann aber schwenkte er auf das leichtere Material Duraluminium um. Mit der F13 gelang Junkers und der Ganzmetallbauweise der Durchbruch. Rund 350 Mal gebaut und weltweit im Einsatz, wurde die F13 das erfolgreichste Verkehrsflugzeug ihrer Zeit, wie das Deutsche Museum München in einer Ausstellung anlässlich des 100. Jubiläums des Jungfernflugs bilanzierte. Aus dem Tiefdecker entwickelte Junkers eine ganze Reihe heute berühmter Flugzeugmodelle, darunter die JU52, vielen unter dem Spitznamen „Tante Ju“ bekannt, die unter anderem für die Lufthansa um die Welt flog.
Während die zwei Piloten in der historischen F13 im halboffenen Cockpit sitzen, konnten bis zu vier Passagiere erstmals in einer geschlossenen beheizbaren Kabine reisen. Wegen dieses Komforts wurde die F13 auch „Lufttaxi“ genannt. „Beim Flug in der F13 fühlt man sich zurückversetzt in die 1920er-Jahre“, sagt Bernd Huckenbeck. Der 65-Jährige aus dem Ruhrgebiet ist Vorsitzender des Vereins Junkers Luftverkehr mit Sitz im Schweizerischen Altenrhein und hat den originalgetreuen Nachbau des mehr als 100 Jahre alten Flugzeugtyps geleitet. 2013 begannen Flugzeugenthusiasten um Huckenbeck und den Kölner Unternehmer Dieter Morszek damit, eine erste F13 zu rekonstruieren, nach langer, mühsamer Recherche. Als Vorlage diente ihnen dabei unter anderem eines der wenigen erhaltenen Modelle einer Original F13, das heute im Haupthaus des Deutschen Museums auf der Museumsinsel in München in der Abteilung Historische Luftfahrt steht.
Die Nachbauten orientieren sich in der Struktur ganz am Original, inklusive der Wellblech-Optik; Motoren und Technik wurden freilich zum Teil durch moderne Alternativen ersetzt, um heutigen Sicherheitsanforderungen zu genügen. „Unsere F13 verfügt zum Beispiel über Bremsen sowie über ein Spornrad statt eines Sporns, wie er früher zum Landen genutzt wurde“, sagt Huckenbeck. 2016 hob die F13-Replik zum ersten Mal ab, 2018 erhielt der Verein die behördliche Zulassung. Seit 2022 beziehungsweise 2023 dürfen auch die beiden Schwesterflugzeuge offiziell starten. Zwar darf der Verein keine gewerblichen Passagierflüge in der F13 anbieten, dennoch besteht für Interessierte die Möglichkeit, in einem der historischen Nachbauten mitzufliegen – über eine Vereinsmitgliedschaft, die spätestens 30 Tage vor dem Flugdatum abgeschlossen wird.

Während ihres Aufenthalts in Oberschleißheim werden die drei Junkers F13 zudem ganz originalgetreu untergebracht: Sie stehen nachts in einer der „Junkershallen“ neben dem Flugplatz. Die beiden dreigliedrigen historischen Hallen wurden 1933/34 als Hangar für die Flugzeuge der Deutschen Verkehrsfliegerschule Schleissheim errichtet, in der von Hugo Junkers erfundenen Lamellenbauweise. Die Hallen mit ihrer bogenförmigen Dachkonstruktion sind denkmalgeschützt und werden von verschiedenen der auf dem Schleißheimer Flughafen ansässigen Luftfahrtvereinen genutzt. Doch der Zahn der Zeit nagt an den Bauten. Schon länger ist eine Sanierung geplant.
Bereits 2021 beziehungsweise 2022 hat die Gemeinde Oberschleißheim einem Antrag zur Sanierung und dem Teilneubau einer der Junkershallen zugestimmt. Nun könnte das Projekt womöglich endlich Fahrt aufnehmen: Der Bund hat die Hallen aus einer Vielzahl an Bewerbungen als Denkmal von nationaler Bedeutung angenommen und im März 375 000 Euro aus dem „Denkmalschutzsonderprogramm XIV“ für die Sanierung freigegeben. Dabei übernimmt der Staat bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten, die Restkosten müssen die Projektträger aufbringen.
Hugo Junkers letzte Ruhestätte befindet sich übrigens auf dem Waldfriedhof in München. Nachdem die Nationalsozialisten die Herrschaft in Deutschland übernommen hatten, wurde der Unternehmer enteignet und zog sich ins bayerische Exil nach Bayrischzell zurück. 1935 starb Junkers an seinem 76. Geburtstag in Gauting.
In einer früheren Version des Textes hieß es falsch, dass die originale F13 in der Flugwerft Oberschleißheim stehe. Das wurde geändert.

