Oberschleißheim Zwist über Bahnhofsverkauf

Der ehemalige Bahnhof von Oberschleißheim ist an einen Investor verkauft worden.

(Foto: Robert Haas)

Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer tritt nach Vorwürfen aus dem Verein "Verrückter alter Bahnhof Oberschleißheim" aus.

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Neben dem Ärger über die Bahn AG wegen des Verkaufs des alten Oberschleißheimer Bahnhofs gibt es nun auch Streit zwischen dem Verein "Verrückter alter Bahnhof Oberschleißheim" (Vabosh) und Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW). Die Gemeinde hätte bei deutlicherem Engagement durchaus Hebel besessen, das historische Kleinod für sich zu gewinnen, hat die geschäftsführende Vabosh-Vorsitzende Anke Schuster betont. Kuchlbauer weist diese Darstellung zurück und will aus Ärger über Vabosh aus dem Verein austreten.

Die Immobilienverwertungsgesellschaft der Bahn hat mehrere Anläufe unternommen, den seit 1972 stillgelegten Bahnhof zu verkaufen und dann doch wieder nicht. Im Sommer gab es für ausgewählte Interessenten eine sieben Tage währende Angebotsfrist und den Zuschlag bekam nun offenbar der Meistbietende, dem Vernehmen nach eine Immobiliengesellschaft aus dem Dachauer Raum. Vabosh hätte im Einvernehmen mit dem Rathaus den Bahnhof als öffentliches Kulturzentrum entwickeln wollen.

Schuster schildert nun, ihr nach den Beschwerden des Vereins von der DB-Immobilien dargelegt worden, dass die Kommune durchaus vorrangig behandelt worden wäre, wenn sie ihr Interesse deutlicher vertreten hätte. "Demnach hätte die Gemeinde sehr wohl ein Vorkaufsrecht bekommen, wenn sie rechtzeitig die entsprechenden Schritte eingeleitet hätte", sagt Schuster, "Herr Bürgermeister Kuchlbauer hätte das wissen müssen".

Kuchlbauer zeigt sich "entsetzt" und weist diese Behauptung nachdrücklich zurück. "Es gibt und gab kein vertragliches und kein gesetzliches Vorkaufsrecht", versichert er. Das sei "normal geprüft worden", schildert er, "wir haben nichts versäumt". Der Gemeinderat, dem Schuster für die SPD angehört, könne "jederzeit die Unterlagen prüfen". Ein Sonderrecht der Kommune wäre nur einklagbar gewesen, wenn durch einen Verkauf die Entwicklung einer Gemeinde behindert würde, so der Bürgermeister: "Dies ist mit Sicherheit hier nicht der Fall."

Vabosh habe der Gemeinde auch einen potenziellen Investor vermittelt, berichtet Schuster weiter. Spätestens dann hätte Kuchlbauer aktiver werden müssen. Der sagt auf Anfrage, der Kontakt mit dem Investor habe sich auf ein dreiminütiges Telefonat beschränkt, eindeutige Zusagen habe er dem nicht entnehmen können. Zu dem Zeitpunkt war das Bieterverfahren schon längst abgeschlossen, die Bahn hatte nur auf Veröffentlichung ihrer Verkaufspläne hin ein nochmaliges Überdenken zugesagt. Im Bieterverfahren hatte die Gemeinde nur einen minimalen Betrag eingesetzt.

Der Investor hätte nach Darstellung von Vabosh den Betrag konkurrenzfähig erhöhen können. Die Vorwürfe von Schuster waren neben anderen Stellungnahmen mit Ärger über die Bahn in einer Rundmail des Vereins an alle Mitglieder und "Unterstützer" verteilt worden. Kuchlbauer, selbst Gründungsmitglied bei Vabosh, zeigte sich nun höchst angefressen und hat in einer Antwort an den identischen Verteiler seinen Austritt aus dem Verein angekündigt. "Es ist sehr traurig und die Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung ist mit Sicherheit sehr groß", schrieb der Bürgermeister, "aber ein Gründungsmitglied so in Misskredit zu bringen, dafür sollte man sich eigentlich eher entschuldigen".

In einer weiteren Rundmail vom Vorsitzenden Andreas Hofmann hat Vabosh daraufhin versucht, die Wogen zu glätten. Schuster habe die Aussagen der Bahn zu angeblichen Versäumnissen des Bürgermeisters im Sinne "der durch den Verein bisher praktizierten transparenten Kommunikationsstrategie" nur weitergegeben, schreibt Hofmann, sie habe sich aber "diese Information nicht selbst zu eigen gemacht". Falls der Eindruck entstanden sei, "Frau Schuster wolle den Herrn Bürgermeister in Misskredit bringen, so bedauern wir dies ausdrücklich".

Noch ist völlig offen, was der neue Eigentümer mit dem Objekt plant. Der Verkauf wurde nur publik, weil die Gemeinde eine notarielle Nachricht über den Eigentümerwechsel bekam. Die Kommune besitzt ein verbrieftes Wegerecht auf dem Grundstück am alten Bahnhof, das beim Verkauf nun mit übertragen wurde.

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