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Oberschleißheim:Unterführung nur für Radler

Die Bahnschranken in Oberschleißheim sind während der Stoßzeiten länger geschlossen als geöffnet. Zumindest für Radfahrer sollen sie nach den neuen Plänen künftig kein Hindernis mehr sein.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Im jahrelangen Streit um einen kreuzungsfreien Bahnübergang zeichnet sich eine Lösung ab, von der allerdings nicht alle Verkehrsteilnehmer profitieren würden.

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Bahntunnel unter die Straße? Straßenunterführung unter die Bahn? In dieser jahrzehntealten Streitfrage der Oberschleißheimer Ortsgestaltung hat der Gemeinderat jetzt eine überraschende neue Antwort gegeben: Fuß- und Radwegunterführung unter die Bahn. Auf der Grundlage einer neuen Gesetzesregelung, die im März in Berlin frisch verabschiedet worden ist, will die Gemeinde die Unterführung entlang der Dachauer Straße, aber südlich des parallelen Schlosskanals beantragen. CSU, SPD, Grüne und FDP trugen diese neue Idee mit, also auch alle Befürworter des Bahntunnels, einzig die Freien Wähler als Verfechter der Straßenunterführung lehnen sie ab, sodass der Antrag mit 18 zu fünf Stimmen beschlossen wurde.

FDP-Gemeinderat Casimir Katz, in Personalunion Fahrradbeauftragter der Gemeinde und Vorsitzender der Bürgerinitiative "Bahn im Tunnel" (BIT), ist auf die Neufassung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes gestoßen, wonach nun Straßen im Sinne des Gesetztes auch Wege sein könnten. Demnach könnten nun Autostraßen und Radwege als "getrennte Kreuzungsmaßnahmen angesehen werden und müssten auch unabhängig beantragt werden können", folgerte er. Bei Baumaßnahmen zur Erfüllung dieses Gesetzes, also zur Entflechtung höhengleicher Bahnübergänge, teilen sich die Bahn und der jeweilige Straßenbaulastträger die Kosten, die klamme Gemeinde wäre also fein raus.

Bislang hätte es einer Kombi-Lösung bedurft

Bislang hätte der Geh- und Radweg entlang der Dachauer Straße nur im Kontext einer Straßenunterführung behandelt werden können, oder eben auf eigene Kosten der Gemeinde. Der höhengleiche Bahnübergang in der Dachauer Straße ist für jeden Verkehrsteilnehmer eine permanente Hürde, da die Bahnschranke in Stoßzeiten länger geschlossen als geöffnet ist. Fast 30 Jahre war die offizielle Linie der Gemeinde, eine Tieferlegung der Bahn einzufordern, seit einem von den FW initiierten Bürgerentscheid im Vorjahr ist nun eine Straßenunterführung Planungsziel.

Die FW verwahrten sich gegen die neue Variante. Dies sei "eine Verhinderung des Bürgerentscheids", monierte ihr Sprecher Stefan Vohburger. Eine Fuß- und Radwegunterführung solle "nur zusammen mit der Straßenunterführung geplant werden". Vohburgers Fraktionschef Hans Negele fand die Pläne auch inhaltlich verfehlt. Südlich des Schlosskanals sei eine Unterführung "nicht nutzbringend für unsere Bürger", nur für den Durchgangsradverkehr.

Eine Straßenunterführung wäre danach noch möglich

Katz versicherte hingegen, eine Geh- und Radwegunterführung südlich des Kanals sei "ohne Konflikte mit einer späteren eventuellen Straßenunterführung umsetzbar". Viel stärker würde eine Radunterführung die Idee eines Bahntunnels torpedieren, die er als BIT-Vorsitzender vertritt. Daher falle ihm die Sache "schon schwer", bekannte Katz, aber er habe sich seinen Vorschlag und die Zustimmung "sehr genau überlegt". Während sowohl Bahntunnel wie Straßenunterführung bislang nur Absichtserklärungen sind, wäre eine Geh- und Radwegunterführung "eine einmalige Chance". Auch Peter Benthues, vor Katz über Jahrzehnte BIT-Vorsitzender, bekannte sich zu der neuen Idee.

Bürgermeister Markus Böck (CSU) versicherte, dass die Radunterführung "in keinster Weise" die Straßenunterführung behindern solle. Ausdrücklich bekannte er sich dazu, "die Planung der Straßenunterführung weiter zu verfolgen und nicht einschlafen zu lassen". Die CSU hatte sich vor dem Bürgerentscheid massiv gegen die Straßenunterführung ausgesprochen. Böck stellte damit seit seinem Amtsantritt erstmals klar, dass er sich dennoch dem Votum verpflichtet fühlt.

© SZ vom 29.07.2020

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