Oberschleißheim:Schlosswirtschaft bleibt weiter geschlossen

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Die Biergartensaison an der Schlosswirtschaft Schleißheim soll Anfang Juli starten. (Foto: privat)

Die Wiedereröffnung der beliebten Gaststätte verzögert sich erneut. Jetzt ist von Juni die Rede. Unterdessen steigen die Kosten für die Sanierung des staatlichen Ensembles weiter. Die Grünen sprechen von "Pfusch am Bau" und "Misswirtschaft".

Von Martin Mühlfenzl, Oberschleißheim

Die Biergartensaison in Oberschleißheim beginnt heuer später: Die Sanierung und Wiedereröffnung der Schlosswirtschaft verzögern sich erneut, wie das bayerische Finanzministerium der Unterhachinger Landtagsabgeordneten Claudia Köhler (Grüne) auf deren Anfrage bestätigt hat. Eigentlich hätte die beliebte Wirtschaft, die Bestandteil des Alten Schlosses innerhalb des Schleißheimer Schlossensembles ist, im Frühjahr unter einem neuen Pächter den Betrieb wieder aufnehmen sollen; nun ist eine Wiedereröffnung laut Finanzministerium erst für Ende Juni geplant.

Von den Neuigkeiten vollkommen überrascht zeigte sich am Donnerstag auf SZ-Nachfrage Oberschleißheims Bürgermeister Markus Böck (CSU). Er kritisierte, der Informationsfluss seitens des Ministeriums und der Bayerischen Schlösserverwaltung, die diesem unterstellt und für eine der bedeutendsten Barockanlagen im deutschsprachigen Raum verantwortlich ist, sei eher spärlich. Er habe lediglich über die sozialen Medien immer wieder mal "Häppchen" über den aktuellen Sachstand aufgefangen, so Böck.

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Die Grünen-Abgeordnete Köhler sowie ihr Oberschleißheimer Partei- und Landtagskollege Markus Büchler wählten mit ihrer Anfrage den direkten Weg an das Finanzministerium, nachdem im Haushaltsausschuss des Landtags, dem Köhler angehört, die Schlosswirtschaft nur am Rande behandelt worden war. "Ich habe nun endlich nach mehrfachem Nachfragen erfahren, dass der Gastbetrieb erst in der laufenden Biergartensaison 2023 öffnen kann, frühestens Ende Juni", informiert Köhler. "Im letzten Sommer hatte es noch geheißen, Anfang 2023 würde berichtet werden und im März eröffne der neue Betrieb."

Danach sah es tatsächlich im vergangenen Jahr auch aus, hatte doch die staatliche Schlösserverwaltung im Herbst die Suche nach einem neuen Betreiber der Wirtschaft gestartet. Nach SZ-Informationen aber läuft die Ausschreibung für einen neuen Pächter noch immer. Und das hält Köhler für intransparent und nicht hinnehmbar: "Ich finde das staatliche Getrödel völlig inakzeptabel und auch eine schwere Bürde für den neuen Pächter. Schließlich ist die Gastronomie seit der Pandemie, in der man den Umbau vorantreiben hätte müssen, kein einfaches Geschäft."

Die Münchner Wirtsfamilie Able betrieb während der Schließung vorübergehend die provisorische "Schlossalm" auf dem Gelände der Wirtschaft. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Sanierung der in ihren Grundzügen aus dem 17. Jahrhundert stammenden Wirtschaft läuft bereits seit 2018. Geschlossen ist das Haus, das zuletzt 1986 in minimalem Umfang saniert worden war, aber bereits seit 2014, nachdem der damalige Betreiber Karl Baß überraschend gestorben war. In den folgenden fünf Jahren betrieb die Münchner Gastronomenfamilie Able vor der Schlossgaststätte die provisorische "Schlossalm". Diese erfreute sich sogar einiger Beliebtheit, wie die Schlossanlage an sich auch weit über die Grenzen der Gemeinde Oberschleißheim hinaus bekannt ist und als Besuchermagnet gilt.

Die Kosten stiegen auf mehr als 15 Millionen Euro

Für die abermalige Verzögerung der Sanierung, die das staatliche Bauamt verantwortet, hat der Grünen-Abgeordnete, der von seinem Zuhause auf das Hauptgebäude des Neuen Schlosses blicken kann, kein Verständnis. Nach seinen Informationen ist "Pfusch am Bau mit Regenwassereinbruch" ursächlich. "Offensichtlich hat der Bauherr, das staatliche Bauamt, die Baustelle nach unfassbaren neun Jahren Schließung und Renovierung immer noch nicht im Griff", kritisiert der Landtagsabgeordnete. "Ich finde das unglaublich, ebenso die schon letztes Jahr bekannt gewordene Kostensteigerung von 10,3 auf 15,5 Millionen Euro."

Damals hatte der Landtag noch einmal zusätzliches Geld für die Sanierung zuschießen müssen. Für ein Unternehmen in der freien Wirtschaft würde eine "derartige Misswirtschaft" den Ruin bedeuten, so Büchler. Er hoffe nun, dass das historische Bauwerk samt neuer Schankanlage für den Biergarten bis Ende Juni wenigstens in einem einwandfreien Zustand öffnen könne. Die Bayerische Schlösserverwaltung ließ eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung zu den Gründen für die Verzögerungen auf der Baustelle bis Donnerstagabend unbeantwortet.

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