Schnaps In Schleißheim lebt eine hochprozentige Tradition auf

Fruchtige Köstlichkeiten: Alexander Bauer ist nicht nur für die Pflege der Schleißheimer Parkanlagen verantwortlich, sondern auch für die Destillerie.

(Foto: Florian Peljak)

"Blauer Kurfürst", "Renatuswasser" oder "Eremitentrost": Im Schloss wird wieder Schnaps gebrannt - mit Obst aus dem eigenen Hofgarten.

Von Gregor Bauernfeind, Oberschleißheim

Alexander Bauer will Altes erhalten: In Schleißheim brennt er nach jahrhundertelanger Tradition wieder in der schlosseigenen Destillerie Spiritousen und züchtet im Hofgarten fast ausgestorbene Obstsorten aus der Zeit Max Emanuels nach.

Als Kind hat er nicht sehr viel vom Schloss gehalten. Im Gegenteil, erzählt Bauer, regelrecht genervt sei er gewesen, wenn sich bei seinen Eltern wieder ein Ausflug vom Münchner Stadtteil Obermenzing in die nahe Anlage angekündigt hat. "Nicht schon wieder nach Schleißheim", habe er dann gedacht. Jahre später hat es ihn beruflich dorthin verschlagen, er ist heute Betriebsleiter des Hofgartens und damit nicht nur verantwortlich für die Pflege der barocken Parkanlage, die Neues Schloss, Altes Schloss und Schloss Lustheim umgibt, sondern auch mit für einen Gärtnermeister ungewöhnlichen Aufgaben betraut.

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Seit etwa zehn Jahren werden in Schleißheim wieder Schnäpse aus Obst vom schlosseigenen Garten gebrannt, womit eine Tradition wieder auflebt, die bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht und in den Zwanzigerjahren aufgegeben worden war. Alexander Bauer war selbst erst kurz in seiner neuen Stelle, als es mit dem Brennen wieder losging, vom Thema hatte er keine Ahnung. "Ich bin dazu wie die Jungfrau zum Kind gekommen", sagt er. Seine Mitarbeiter und er mussten sich erst einlesen und herumprobieren, auch viel über die Sensorik, wie er sagt.

Dazu kamen Auflagen vom Zoll, die erst einmal verstanden werden wollten. "Ein riesiger bürokratischer Aufwand! Auf jeden echten Handgriff kommen zwei weitere im Büro", sagt der gelernte Gärtner. Wider Erwarten sei das Endprodukt der Neulinge aber gleich im ersten Jahr ziemlich gut gewesen.

Heute werden Brände und Liköre aus Äpfeln und Quitten, aus Zwetschgen oder Schlehen als "Blauer Kurfürst", "Renatuswasser" oder "Eremitentrost" in Geschäften in Oberschleißheim verkauft. Man wolle zwar schon noch ein bisschen expandieren, es solle aber schon ein regional verkauftes Produkt bleiben, betont Bauer. Viele Besucher kaufen die Schlossbrände ohnehin im Museumsshop im Neuen Schloss Schleißheim.

Dass das Ensemble der drei Schlösser aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Vergleich zur Konkurrenz in Nymphenburg oder Neuschwanstein bei Touristen etwas zu kurz kommt, bedauert Bauer. Andererseits: Hätten sich die Wittelsbacher damals nicht auf andere Schlösser konzentriert und Schleißheim stiefmütterlich behandelt, wäre die 110 Hektar große Parkanlage wohl wie im 19. Jahrhundert üblich zu einem englischen Landschaftspark umgestaltet worden.

Der Lederapfel ist der Beste

So blieb die streng symmetrische barocke Anlage erhalten. "Als einzige in Süddeutschland", erklärt Bauer, bei dem die Gleichgültigkeit aus seiner Kinderzeit längst Begeisterung und Expertise gewichen ist, seine Frau und seine Mutter haben wie er mittlerweile Kostüme aus der Barockzeit, er leitet Führungen durch Schlösser und Park.

Während der Zugang zu den drei Schlössern zwischen drei und acht Euro kostet, können Besucher durch die barocke Anlage mit den Ende Mai gepflanzten 120 000 Sommerblumen spazieren, ohne Eintritt zu bezahlen. Der Garten ist, Büroarbeit und Einsätze als Schnapsbrenner oder Touristenführer hin oder her, der Hauptarbeitsplatz von Alexander Bauer.

Gärtnerisch tätig ist er auch in einem Projekt mit der Universität Hohenheim, in dem die Schleißheimer alte, fast ausgestorbene Obstsorten aus der Zeit von Schlossbauherr Kurfürst Max Emanuel rückzüchten. "Es ist interessant zu sehen, wie sie unter heutigen Umweltbedingungen zurechtkommen", sagt Bauer. Sorten wie die Birne "Kuhfuß" oder "Gloria Mundi" schmecken laut dem Gärtnermeister besser als alles, was man aus dem Supermarkt kennt. Dort gebe es keine Vielfalt mehr.

Das Obst von den 400 Bäumen, das nicht zum Schnapsbrennen verwendet wird, können Besucher im Herbst auf dem Gelände kaufen. Und sollten dann, wie Alexander Bauer empfiehlt, auch den Lederapfel probieren. Der sei trotz seiner schrumpeligen Haut nämlich der Beste. Überhaupt gelte bei Obst laut dem Experten: "Je greisliger es aussieht, desto besser schmeckt es."

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