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Große Vorhaben im neuen Jahr:Ein Oberschleißheimer in New York

Markus Lindinger stellt nicht nur im Ausland aus, er ist auch in der Unterschleißheimer Künstlerpalette aktiv.

(Foto: Robert Haas)

Der Künstler Markus Lindinger stellt im März zwei seiner Bilder bei der Messe "Art Weeks" in den USA aus.

Von Cristina Marina, Oberschleißheim

Hätte ihm das jemand vor zehn Jahren gesagt, hätte er ihm nicht geglaubt, sagt Markus Lindinger aus Oberschleißheim. Der damals 38-jährige Vertriebsingenieur für Klimaanlagen hatte ein paar Jahre zuvor mit dem Zeichnen angefangen. Viele Menschen wählen dieses Hobby. Bei Lindinger waren es damals Kohle und Bleistift, zu denen er gelegentlich griff, nebenbei, wie man das so macht, mal um einen Gegenstand in einer Skizze für sich festzuhalten, mal um ein Geburtstagsgeschenk anzufertigen, eine Karte für Freunde, maximal eine Zeichnung in DIN-A4-Größe, mehr nicht.

Nach einem Burn-out kam Lindinger zur Malerei

Hätte ihm damals jemand gesagt, dass er - seinem eigentlich späten Beginn zum Trotz - noch einmal ein richtiger Kunstmaler werden würde, dass seine abstrakten Arbeiten in mehr als 70 Ausstellungen bekanntgemacht, übers Land verteilt, und teils preisgekrönt würden, hätte Lindinger darüber gelacht. Oder erst wenn man ihm gesagt hätte, dass er im Jahr 2018 in New York ausstellen würde.

Nun ist es aber so gekommen. Diese Entwicklung hat Lindinger ausgerechnet seiner Tätigkeit im Vertrieb zu verdanken, die ihn vor sieben Jahren in den Burn-out trieb. An sich nichts wirklich Seltenes, wie ein Blick in die Statistiken verrät. Gerade in den sogenannten "Menschen-Berufen", bei Psychologen, Ärzten oder Pflegern, Berufsgruppen mit viel sozialer Interaktion, ist die Zahl der Ausgebrannten besonders hoch. Aber auch andere Berufe sind betroffen. Lindinger kam zur Behandlung in eine Klinik. Zur Behandlung gehört unter anderem die Kunsttherapie. Markus Lindinger sollte zur Entspannung malen lernen.

Anfangs habe er die Therapie "gehasst", sagt er heute. Bis er irgendwann die Pinsel liegen ließ und mit der Spachtel zu arbeiten begann. So fing alles an. Wieder zu Hause, reichte er eines seiner Bilder bei einem Wettbewerb ein. Das Bild gewann den ersten Kunstpreis der Stadt Günzburg.

Markus Lindinger hat sich entschieden, seine Geschichte offen zu erzählen. Aus den Rückschlägen, die auf seinem Weg lagen, macht er ebenfalls keinen Hehl. An die 60 Absagen habe er im Laufe seiner künstlerischen Entwicklung erhalten. Sein Erfolgsgeheimnis? "Sich zu sagen: Jetzt erst recht!" Lindinger empfiehlt jungen Künstlern, nach Niederlagen sich nicht groß beirren zu lassen, sondern "sofort wieder aufzustehen, auch wenn es natürlich weh tut". Denn viele dieser Galerien, die ihm damals abgesagt hatten, klopften inzwischen bei ihm an, werben nun ihrerseits um ihn.

Irgendwann hofft Lindinger seinen Lebensunterhalt ganz aus der Kunst zu bestreiten

Heute gilt Lindinger als ein anerkannter Künstler, obwohl er seinen Lebensunterhalt nicht mit der Kunst bestreitet. Zumindest nicht gänzlich. Lindinger vertreibt nach wie vor Klimaanlagen, wobei er natürlich hofft, eines Tages ganz auf die Kunst setzten zu können. Doch den meisten Kreativen, wie gut sie auch sein mögen, geht es genauso. Nur wenige können von ihrer Kunst leben. "Wenn wir eines Tages die 'Rentenlücke' mit der Malerei schließen, dann haben wir es geschafft", sagen die Künstler im Lindingers Umkreis.

Im März geht es für Markus Lindinger erst einmal nach New York. Zwei seiner Bilder haben es auf die "Art Weeks" geschafft. Die "Kunstwochen" in der US-Metropole gelten laut der Schweizer Galerie Artbox als eines der wichtigsten Ereignisse des internationalen Kunstmarktes. Eines von Lindingers Bildern, die nach New York reisen, heißt "Equilibrio", Italienisch für "Gleichgewicht".

© SZ vom 02.01.2018/gna
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