Oberschleißheim:Campus im Landschaftsschutzgebiet

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Alleebäume Veterinärstrasse Demo für den Erhalt der Allee.

Gegen die Erschließung des Campus über die Veterinärstraße gab es Sommer wegen der damit verbundenen Baumfällungen Proteste in Oberschleißheim.

(Foto: Catherina Hess)

Der Gemeinderat billigt die umstrittenen Gewerbeflächen. Doch die Anbindung stellt ein Problem dar.

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Das umstrittene neue Gewerbegebiet für Oberschleißheim ist nun im Genehmigungsverfahren. Auf rund 15 Hektar Fläche soll südlich der Dachauer Straße der "One Health Technology Campus" entstehen, der in enger Anbindung an die benachbarte Tierärztliche Fakultät der Universität München vorwiegend medizintechnologische Betriebe ansiedeln soll. 23 Hektar Fläche müssen dafür aus dem Landschaftsschutzgebiet "Münchner Norden" herausgenommen werden. Beide Verfahren hat der Gemeinderat mit 16 zu 7 Stimmen gestartet. Widerstand kam vor allem von den Grünen.

Das Projekt sei in der Vorbereitungsphase jetzt "sehr intensiv mit allen beteiligten Behörden abgesprochen", versicherte Bürgermeister Markus Böck (CSU). Planerin Ingrid Dreer von "DB Stadtplan" betonte, man habe "bestmöglich auf alle Belange Rücksicht genommen". So seien Sicherheitsabstände zum denkmalgeschützten Dachauer Kanal aus der Schlossanlage ebenso eingehalten wie zur nächsten Wohnbebauung in der Ertlsiedlung oder an der St.-Hubertus-Straße, Biotope zwischen Uni-Campus und Gewerbegebiet seien aus dem Flächenumriss ausgeklammert worden.

Zwischen dem Campus der Tierärztlichen Fakultät sowie dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im Osten und dem neuen Gewerbegebiet im Westen wird eine Zeile mit einer potenziellen Erweiterungsfläche für das LGL und mit Infrastruktureinrichtungen entstehen, etwa Kurzzeitwohnungen, eine Kindertagesstätte, Einkaufsmöglichkeiten oder Gastronomie. Es ergebe sich so ein "Campus der kurzen Wege", sagte Dreer.

Grüne rügen den Standort

Erschlossen werden soll das Gewerbegebiet über die Schnittstelle der Dachauer Straße mit der erhofften Umgehungsstraße von Westen. Dazu ist im Osten auch eine Anbindung an St.-Hubertus- und Veterinärstraße vorgesehen. Zum Auftakt der Sitzung hatte es in der Bürgerfragestunde massive Bedenken aus der Bürgerschaft gegen diese Pläne gegeben. Im Gemeinderat nannte Grünen-Sprecher Fritz-Gerrit Kropp diese Verkehrsanbindung "eine Katastrophe". Da es für die Umgehungsstraße auch nach Jahren des Wartens noch keinerlei verbindliches Verfahren gebe, "planen wir hier ins Blaue", rügte er.

Dass die östliche Anbindung über die St.-Hubertus-Straße klein gehalten werden solle, sei Augenwischerei, monierte Gaby Hohenberger (Grüne): "Wenn die Erschließung mal da ist, ist die auch zementiert." Sie sah ihre Befürchtungen bestätigt, dass der heftig umstrittene Ausbau der Veterinärstraße mit der Abholzung der kompletten Baumallee dort der Erschließung des Gewerbegebiets diene; begründet worden war sie mit der Notwendigkeit für Begegnungsverkehr der Busse zum Uni-Campus.

Die Situierung des Gewerbegebiets sei wegen der Lage im Landschaftsschutzgebiet und der Verkehrsprobleme einfach ungeeignet, argumentierten die Grünen und forderten eine Neuorientierung auf die einst abgelehnte Alternative südlich des Uni-Campus an der Sonnenstraße. Auch Sebastian Riedelbauch (SPD) und Hans Negele (FW) lehnten die Pläne ab.

CSU, FDP und die klaren Mehrheiten in FW und SPD billigten den Verfahrensstart. Man müsse den bereits in diversen Entscheidungen beschlossen Weg nun weitergehen, mahnte Peter Benthues (CSU), "und nicht in Klein-Klein zerreden". Casimir Katz (FDP) nannte die wiederkehrende Forderung, Entscheidungen neu zu fassen, "schlechten Stil".

Als dritter Verfahrensschritt wurde die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gewerbegebiet beschlossen. Der Gemeinderat hatte bereits die Asto Business Group aus Gilching mit der Standortentwicklung beauftragt. Die hat mittlerweile eine "Asto One Health & Technology Campus GmbH & Co KG" etabliert, um das Projekt abzuwickeln. Außer der engen Anbindung an die benachbarte Tierärztliche Fakultät und das LGL wolle man auch intensive Kontakte zur Humanmedizin von LMU und TU München pflegen, um den "One Health"-Gedanken umzusetzen, berichtete Bernd Schulte-Middelich von der Gesellschaft. Auch das Helmholtz-Zentrum in Neuherberg solle eingebunden werden.

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