Oberschleißheim:Bewährungsprobe für Beamtenkarriere

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Oberschleißheim: Chef auf Zeit: Polizeihauptkommissar Dominik Seidl, 32, leitet die Inspektion in Oberschleißheim. Das knappe halbe Jahr in der PI 48, die für Ober-, Unterschleißheim und Garching zuständig ist, gehört zu seiner Ausbildung.

Chef auf Zeit: Polizeihauptkommissar Dominik Seidl, 32, leitet die Inspektion in Oberschleißheim. Das knappe halbe Jahr in der PI 48, die für Ober-, Unterschleißheim und Garching zuständig ist, gehört zu seiner Ausbildung.

(Foto: Privat)

Dominik Seidl übernimmt für ein halbes Jahr die Leitung der Polizeiinspektion in Oberschleißheim

Von Gudrun Passarge, Oberschleißheim

Natürlich ist es ein schlechter Zeitpunkt, wenn ein Stabwechsel in einer Polizeiinspektion in die Corona-Krise fällt. Der Abschied für den scheidenden Leiter muss ausfallen, genau wie der Einstand des Nachfolgers. So war es auch in Oberschleißheim, wo Dominik Seidl Polizeioberrat Michael Graf im April ablöste. Polizeihauptkommissar Seidl wird voraussichtlich jedoch nur bis September in der PI 48 bleiben, die Leitung der Inspektion ist Teil einer Führungskräftefortbildung.

Michael Graf wechselt ins Bayerische Landeskriminalamt, wo er künftig mit Einsatzfragen im Zusammenhang mit dem Digitalfunk befasst ist. Auf der Sicherheit der Menschen habe sein Hauptaugenmerk gelegen, sagte er zum Abschied: "Wir haben hierfür gemeinsam viel erreicht." Seidl bestätigt das und nennt Zahlen. 2019 wurde mit 2173 Straftaten die zweitniedrigste Zahl in den vergangenen 30 Jahren registriert, die niedrigste Anzahl von Delikten weist die Statistik von 2015 mit 2067 aus. Damit, so der 32-Jährige, "lebt die Bevölkerung in unserem Dienstbereich deutlich sicherer als im bayerischen Durchschnitt".

Der Neue wohnt im Landkreis Ebersberg. Seine Polizeilaufbahn hat er jedoch vor sieben Jahren in Ismaning begonnen. Er durchläuft gerade verschiedene Stationen, um in die vierte Qualifikationsebene aufzusteigen, wie der höhere Dienst heute genannt wird. So erwartet ihn nach der Zeit in Oberschleißheim ein Assessment-Center und ein zweijähriges Studium. Ein Jahr in Fürstenfeldbruck und eines in Münster an der Hochschule der Polizei.

Während der auf sechs Monate befristeten Leitung der PI 48 mit ihren mehr als 60 Mitarbeitern soll Seidl seine Führungskraft unter Beweis stellen. "Ich habe ein gut geführtes Haus übernommen", sagt er und berichtet von hoch motivierten Kollegen. Die PI umfasst ein Gebiet von 74 Quadratkilometern mit circa 60 000 Einwohnern. Außer Oberschleißheim und Unterschleißheim gehört auch Garching zum Einsatzgebiet der Polizeiinspektion. Dass die Garchinger schon seit Jahren das Ziel verfolgen, eine eigene Inspektion zu bekommen, kann er nachvollziehen. "Jede Gemeinde hat ein höheres Sicherheitsgefühl, wenn die PI in ihrem Gemeindegebiet liegt", sagt er, um dann jedoch auf die geringe Anzahl von Delikten hinzuweisen. Der Standort in Oberschleißheim sei der geschichtlichen Entwicklung geschuldet. Und doch gibt es ein Problem: Die Polizeiinspektion ist dort seit 1983 in einem früheren Wohnhaus fast ein wenig versteckt in einer Wohnsiedlung untergebracht. "Das Gebäude ist in die Jahre gekommen", sagt Seidl. Für die Menge an Personal sei es räumlich nicht ausgerichtet. Langfristig, so sagt er, sei die Polizei auf der Suche nach einer alternativen Lösung, gemeinsam mit den Bürgermeistern des Einsatzgebiets.

Ein möglicher Umzug wird sicherlich nicht mehr in seine sechsmonatige Zeit in Oberschleißheim fallen. Ihm gehe es in erster Linie darum, den guten Sicherheitszustand zu erhalten und auch die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und den Kommunen zu pflegen und intensivieren. Großen Raum nimmt derzeit ohnehin die Corona-Krise ein. Zwar fielen einige Einsätze in dieser Zeit weg oder würden weniger, wie etwa Unfallaufnahmen oder Einsätze bei Musik-Festivals, aber auf der anderen Seite seien die Kollegen stark gefordert, die Einhaltung der Regeln in Corona-Zeiten zu kontrollieren. "Gerade jüngere Leute halten sich nicht so daran", sagt Seidl. Fast täglich brächten die Beamten Vorfälle wie etwa "Corona-Partys" zur Anzeige.

Seidl vergisst nicht, auf positive Aspekte der Corona-Zeit hinzuweisen: "Wir hatten noch nie so viel Danksagungen wie im Moment." Menschen, die im Vorbeigehen ihren Daumen hochreckten, Mütter mit Kindern, die in der Inspektion vorbeischauten, um gemalte Dankesbriefe abzugeben, Klatschen auf der Straße. Aber vielleicht erübrigen sich ja bald die strengen Kontrollen der Beamten, wenn immer mehr Lockerungen kommen. Seidl betont, die Polizisten hätten sowieso nicht jeden kleinen Verstoß geahndet, oft hätten die Menschen nicht gewusst, was sie durften und was nicht. "Die Kollegen sind instruiert, mit Augenmaß zu agieren und nur etwas zu unternehmen, wenn infektionsschutzrechtlich schwerwiegende Verstöße vorliegen."

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