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Oberschleißheim:Auf dem Weg zur Fahrradkommune

Fahrradstraße in Unterhaching, 2020

Der Gemeinderat hat fünf neue Fahrradstraßen ausgewiesen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde beschließt ein neues Konzept und weist fünf Straßen für Radler aus

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Schon 2012 hatte sich Oberschleißheim als seinerzeitige Pioniertat ein umfassendes Fahrradkonzept gegeben - das freilich seither in Rathausschubladen verstaubte. Der Tiefpunkt der jahrelangen Untätigkeit war im Herbst erreicht, als der Gemeinde das Siegel "fahrradfreundliche Kommune" verwehrt wurde. Jetzt wurde unter Regie von Casimir Katz (FDP), Fahrradbeauftragter seit Jahren und Gemeinderat seit Mai, das Konzept fortgeschrieben, erste Maßnahmen und Beschlüsse wurden bereits angegangen.

"Eine ökologisch verträgliche Nahmobilität fördert die Lebensqualität in unserer Gemeinde, schafft Begegnung, sie ist flächen- und ressourcenschonend, kostengünstig und klimafreundlich": So stand es schon als Leitgedanke im ersten Konzept vor acht Jahren. Mittlerweile hat sich neben diversen Veränderungen im Detail vor allem der grundsätzliche Druck erhöht, viel zu wenig Raum für die diversen Interessen und Bedürfnisse zur Verfügung zu haben. Explizites Ziel der Fortschreibung war es daher, "den Radverkehrsanteil im Modal Split spürbar zu erhöhen", wie es im Begleittext heißt, also auf eine Verkehrsführung zu setzen, in der mehrere Mobilitätsformen koexistieren.

Dazu hat der Gemeinderat gleich mal fünf neue Fahrradstraßen gewidmet. Bisher gab es ja nur den Probelauf am Margarethenanger, wo die Fahrradfahrer Vorrang vor dem Autoverkehr haben. Dort habe sich der Versuch "bewährt", urteilte die Gemeindeverwaltung. Neue Fahrradstraßen werden nun die komplette Jahnstraße, die südliche Effner-Straße ab der Einmündung der Bahnhofstraße, die westliche Professor-Otto-Hupp-Straße ab der Einmündung des Fohlengartens, die östliche Ringführung der Feierabendstraße und die Rotdornstraße, sobald der Weg entlang des Berglwalds realisiert ist.

Die südliche Mittenheimer Straße zwischen der Brücke und der Dachhauer Straße soll inklusive der Brücke als Tempo-30-Zone deklariert werden, um das Radfahren auf der Straße zu ermöglichen. Dass sich Radler und Fußgänger die Gehwege teilen müssen, habe sich als untauglich erwiesen. Für mögliche Verbesserungen des Fahrradverkehrs entlang der Hauptverkehrsadern durch den Ort, Bundesstraße 471 und Staatsstraße 2342, hat der Gemeinderat eine Grundlagenuntersuchung in Auftrag gegeben, wie dort die Engstellen an Brücken oder Kreuzungen bewältigt werden könnten. Für die maximale Hürde, die Bahntrasse mit den Schranken an der B 471, will das Rathaus eine Radwegunterführung beantragen.

Heftig umstritten im Gemeinderat war der Wunsch im Konzept, Radwegstücke in der freien Flur in Richtung München zu befestigen, um sie besser befahrbar und für den Winterdienst tauglich zu machen. Das Radfahren habe primär ökologischen Anspruch, "und dann planieren wir unsere Forstwege zu?", wunderte sich Stefan Vohburger (FW). Er erinnerte daran, dass Altbürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) den Winterdienst auch auf den unbefestigten Wegen eingesetzt habe, und das habe funktioniert.

Helga Keller-Zenth (Grüne) bedauerte, dass jede Bodenversiegelung schade sei, aber "angesichts der riesigen Straßen, die wir planen", wie gerade die Erweiterung der Autobahn plus parallele Umgehungsstraße, sei über "so ein kleines Stückerl" Aufregung unangebracht. Katz sagte, eine "echte Ergänzung" des Angebots funktioniere "nur mit wirklich guten Wegen". Mit knapper Mehrheit entschied der Gemeinderat, die sogenannte Königstraße zwischen Jägerstraße und dem Frauenholz zu befestigen sowie die Fortsetzung der Münchner Allee in Richtung Bundesstraße 13. Nach Unterschleißheim soll ein neuer Schulweg in der Verlängerung der Rotdornstraße entlang des Berglwalds angelegt und ebenfalls befestigt werden.

Das fortgeschriebene Fahrradkonzept wurde von CSU, SPD, Grünen, FDP und drei FW-Räten gegen zwei FW-Stimmen verabschiedet. In seiner Geschäftsordnung, die demnächst erstellt wird, will sich der Gemeinderat Regeln geben, wie das Konzept behandelt und geändert werden soll. Im Herbst 2020 gibt es eine erneute Prüfung zur Zertifizierung als "fahrradfreundliche Kommune".

© SZ vom 30.07.2020

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