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DHL-Paket:Lieferstatus: Genervte Empfängerin

Packstationen sind für die Kunden rund um die Uhr zugänglich - wenn sie funktionieren.

(Foto: Claus Schunk)

Zwei Wochen lang versucht eine Frau, in Oberhaching ein Paket abzuholen. Doch die angegebene Packstation ist defekt - und selbst die DHL-Mitarbeiter verlieren den Überblick.

Von Iris Hilberth

Wohl dem, der einen freundlichen Nachbarn hat, der Pakete entgegennimmt, sollte man mal nicht zu Hause sein, wenn der DHL-Mann klingelt. Ansonsten gibt es ja in vielen Orten seit bald 15 Jahren die sogenannten Packstationen, die DHL mit dem Versprechen bewirbt, dass man an diesen riesigen gelben Automaten "jederzeit", also an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr, seine Sendung dort abholen kann. Wenn sie denn funktioniert, diese elektronisch gesteuerte Paketausgabe.

Eine Oberhachingerin musste nun die leidvolle Erfahrung machen, dass der Service ohne Personal doch nicht immer das Wahre ist. Wollte sie doch ein Paket mit einem neuen Mantel für ihren Mann der Packstation Nummer 146 entnehmen, wozu sie per Karte aufgefordert worden war. Nur leider ließ sich der Kasten nicht öffnen.

Auf Nachfrage teilte man ihr mit, das Paket lagere in der nahen Postfiliale, da der Automat kaputt sei. Leider wusste man am Schalter nichts von der Sendung. Bei der ersten Nachfrage nicht, bei weiteren auch nicht. Nachdem DHL sie mehrfach aufgefordert hatte, endlich ihr Paket abzuholen, kam die Frau zu dem Schluss: Die Sendung liegt noch in der Packstation, und das mittlerweile seit zwei Wochen.

Dem DHL-Sprecher tut es "wirklich leid"

Das könne nicht sein, erklärte ein DHL-Sprecher der SZ zunächst, musste aber nach kurzer Recherche zugeben: Die Kundin hat recht. "Da war etwas gründlich schiefgelaufen", räumte er ein, "es tut uns wirklich leid."

Die Sache hatte sich offenbar so zugetragen: Bis vor Kurzem gab es an der Oberhachinger Bahnhofsstraße 36 eine Packstation mit der Nummer 146. Die wurde entfernt und durch ein neues Modell an der Bahnhofsstraße 1 ersetzt, das ebenfalls die Nummer 146 zugewiesen bekam. Das war solange kein Problem, bis ein starker Regen die Elektronik der neuen Station außer Kraft setzte. Dies wurde rasch einem Techniker gemeldet, der umgehend dort die Sendungen entnehmen sollte.

Den Mantel braucht die Kundin nicht mehr

Nun ist die Post so modern, dass sie gar keine Türen öffnen muss, um in ihre Stationen zu schauen, sondern dies rein virtuell tut. Dabei stellte der Techniker fest: Nichts drin in der Nummer 146, die Reparatur hat also Zeit. Dumm nur, dass er in die alte Packstation geschaut hat, in der ja nichts mehr lagern konnte, da es sie ja gar nicht mehr gab. Für die neue Packstation hat sich dann auch keiner mehr interessiert, weil sie ja defekt war.

DHL hat inzwischen das Problem erkannt und will die Packstation reparieren und die Pakete herausholen. Den Mantel braucht die Kundin übrigens nicht mehr. Ihr Mann hat sich inzwischen einen anderen gekauft.

© SZ vom 23.10.2015/wkr/sim

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