Mitten in OberhachingWenn die Meise einen Vogel zeigt

Lesezeit: 1 Min.

Aufplustern und futtern: eine Haubenmeise im Winter
Aufplustern und futtern: eine Haubenmeise im Winter Marcus Bosch; privat

Tiere schützen sich mit speziellen Strategien vor der Kälte, Menschen dagegen wagen sich erst recht aufs Eis – und sogar darunter.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Jetzt ist wieder die Zeit gekommen, in der sich die Menschen wahlweise aufs Eis oder ins Eis begeben. Während auf dem Deininger Weiher bereits Schlittschuhläufer und Eisstockschützen die kurze Zeit im Jahr nutzen, in der man von einem ans andere Ufer kommt, ohne nass zu werden, hacken andernorts coole Sportsfreunde die Eisfläche auf, um sich im kalten Wasser schockzufrosten.

Mit Eisbaden liegt man voll im Trend. Pudelmütze statt Badekappe – und schon kann man etwa im Further Bad am 24. Januar ausprobieren, wie lange man es aushält im fast null Grad kalten Wasser. Gesund soll das sein, Adrenalin, Endorphine und entzündungshemmendes körpereigenes Kortison freisetzen. Das sagen sogar die Krankenkassen. Vorausgesetzt natürlich, man hat nicht bereits vorher Herz-Kreislauf-Probleme. Dann ist der Kälteschock keine gute Idee.

Der neueste Schrei ist es übrigens nicht, sich den eiskalten Fluten hinzugeben, um das Immunsystem zu stärken und Stress abzubauen. Bereits die Skythen, Angehörige eines Nomadenvolks, das etwa 800 Jahre vor Christus in der zentralasiatischen Steppe unterwegs war, sollen ihre Kinder in Eiswasser abgehärtet haben. Karl der Große galt auch als begeisterter Winterschwimmer und von Goethe wird berichtet, das er sich das Eis der Ilm bei Weimar aufhacken ließ, um ein Bad zu nehmen. Ob mit oder ohne Mütze, ist nicht bekannt. Auch nicht, wie lange es der Dichter in der Ilm ausgehalten hat. Der Weltrekord im Eisbaden soll inzwischen bei über drei Stunden liegen.

Im Further Bad tun es auch erst mal 30 Sekunden. Unter professioneller Anleitung und mit der Aussicht auf heiße Getränke. Die Vögel am Ufer werden sich vermutlich wundern über die bibbernden Menschen in Badehose. Die würden niemals auf eine solche Idee kommen und sind vielmehr darauf bedacht, dass möglichst wenig Wärme verloren geht. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) hat in einer Pressemitteilung diese Woche ein paar Tipps unserer gefiederten Freunde übermittelt: aufplustern, kuscheln und futtern – so lässt sich deren Überlebensstrategie bei Minusgraden zusammenfassen. Blaumeise, Kohlmeise und Kleiber würden den Eisbadenden wohl den Vogel zeigen.

Bleibt noch die Frage, warum Stockenten mit ihren nackten Füßen nicht auf dem Eis festfrieren. Auch dafür liefert der LBV eine interessante Erklärung: „Ein spezielles Wärmeaustauschsystem kühlt die Beine auf fast null Grad ab.“ Das könnte man auch mal ausprobieren. Im Januar barfuß über den Deininger Weiher.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Messie-Syndrom
:Ist das nur Unordnung oder kann das weg?

Conny von Reinhardstoettner hilft Menschen, denen das Leben wörtlich über den Kopf wächst. Wenn eine Wohnung vor lauter Pizzakartons, Joghurtbechern und Müllsäcken nicht mehr bewohnbar ist, schreitet die Sozialarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt München-Land zur Tat – indem sie zunächst mal Vertrauen aufbaut und dann selbst mitanpackt.

SZ PlusVon Annette Jäger

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: