2025: Der AufregerOberhaching dreht am Rad

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Im Sommer bremsten Schwellen Rennradler kurz vor der Kugleralm aus. Im Winter sind sie abmontiert. Aber sie kommen wieder. Und es werden sogar noch mehr.
Im Sommer bremsten Schwellen Rennradler kurz vor der Kugleralm aus. Im Winter sind sie abmontiert. Aber sie kommen wieder. Und es werden sogar noch mehr. Florian Peljak
  • Die Gemeinde Oberhaching hat im Sommer drei Bodenschwellen gegen zu schnelle Rennradfahrer montiert, die im Frühjahr wieder angebracht und um weitere drei ergänzt werden.
  • An Spitzentagen fahren knapp 8000 Radfahrer durch Oberhaching, wobei die Zählstation seit Ende Juni bereits 329 306 Radfahrende registriert hat.
  • Bürgermeister Schelle erwägt einen Blitzer gegen rasende Radler, doch gibt es bislang kein von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zugelassenes Messgerät für Fahrräder.
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Die Gemeinde ist genervt von Tausenden Rennradlern, die so schnell auf ihren Hightech-Geräten unterwegs sind, dass der Bürgermeister vor dem Biergarten Kugleralm Bodenschwellen montieren lässt. Weitere sollen folgen und vielleicht sogar ein Blitzer.

Von Iris Hilberth, Oberhaching/Straßlach-Dingharting

Ein Sonntagnachmittag im Dezember. Nasskalt. Die Anzeige des Thermometers schafft es gerade mal so über die Nullgradgrenze. Im Biergarten Kugleralm trifft sich eine Handvoll Besucher mit heißen Getränken und Schmalznudeln um eine Feuerschale. Für die meisten aber befindet sich der bevorzugte Aufenthaltsort eher im Haus. Kein Wetter für Rennradfahrer. Oder etwa doch?

Der Boom dieser Sportart macht auch im Winter keine Pause. Die Zählstation des Landkreises München nahe der Nußbaumranch, dort wo die Radfahrer Kurs auf die Ortseinfahrt Oberhaching nehmen, hat um kurz vor zwei bereits 277 vorbeifahrende Räder registriert. Mit Blick auf die ebenfalls angezeigten 329 306 Radfahrenden seit der Installation Ende Juni dieses Jahres ist das eine überschaubare Zahl. Wäre es an Sommertagen ähnlich, wären die Anwohner dieser sogenannten Radhauptverbindung zwischen München und dem Oberland vermutlich ganz entspannt, wenn die Rede auf Rennradfahrer kommt.

Weil aber an Spitzentagen knapp 8000 hier durchfahren, häufig in größeren Gruppen und mitunter in hohem Tempo, sah sich der Oberhachinger Gemeinderat im vergangenen Sommer dazu veranlasst, drei Bodenschwellen auf die Linienstraße zu schrauben. Natürlich nicht ohne entsprechende Warnhinweise auf der Route. Schließlich soll ja niemand stürzen, sondern nur alle rechtzeitig vor dem Biergarten und dem dazugehörigen Parkplatz bremsen. Dass es dennoch ein paar wenige aus dem Sattel gehoben hat, ist für die Gemeinde kein Argument, nicht an den Schwellen festzuhalten.

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Auf der beliebten Strecke an der Kugler-Alm kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. Weil sich die Gemeinde Oberhaching nicht mehr anders zu helfen weiß, setzt sie jetzt auf Bodenschwellen.  Auch andernorts im Münchner Süden kennt man das Problem und blickt gespannt auf das Pilotprojekt.

Von Iris Hilberth

Diese Maßnahme aus gelb-schwarzem Kunststoff zur Temporeduzierung wurde intensiv und heiß diskutiert, sowohl unter den Radfahrern als auch unter denjenigen, die sich noch mehr solcher Schwellen wünschen. Es ist ein Thema, das polarisiert und die Emotionen auf beiden Seiten hochkochen lässt. Da sind zum einen die Freizeitsportler, die sich zu Unrecht an den Pranger gestellt sehen. Und auf der anderen Seite diejenigen, deren Blutdruck schon steigt, wenn sie nur ein Rennrad sehen. Die Wut, ja fast schon der Hass auf diese Sportart hat teilweise gefährliche Formen angenommen. Im Perlacher Forst streuten im Juni Unbekannte Reißnägel und kleine Nägel auf Wege.

Derzeit befinden sich dort, wo im Sommer die viel beachteten Oberhachinger Bodenschwellen angebracht waren, nur noch kleine Bohrlöcher im Asphalt. Das liegt aber allein daran, dass der Winterdienst sonst hier Probleme mit der Durchfahrt bekäme. Im Frühjahr werden sie wieder montiert, das hat der Gemeinderat beschlossen. Und mehr noch: Auch südlich des Biergartens wird es dann drei Bodenschwellen geben.

Auch im Winter wird die Hauptradverbindung durch Oberhaching genutzt. Noch führt sie hier durch die Kurve in Richtung Kugleralm. Das Landratsamt prüft allerdings derzeit, ob man den Radverkehr nicht geradeaus und damit westlich der Linienstraße an der Kugeleralm vorbeileitet.
Auch im Winter wird die Hauptradverbindung durch Oberhaching genutzt. Noch führt sie hier durch die Kurve in Richtung Kugleralm. Das Landratsamt prüft allerdings derzeit, ob man den Radverkehr nicht geradeaus und damit westlich der Linienstraße an der Kugeleralm vorbeileitet. Iris Hilberth

In anderen Gemeinden verfolgt man das Projekt durchaus interessiert. Denn die Ausfahrt der Rennradgruppen endet ja nicht kurz hinter Oberhaching. Berühmt geworden durch einen Konflikt mit Radlern ist auch der Mühlberg bei Straßlach-Dingharting hinunter zum Isarkanal. Dort gab es viele Jahre lang ein Abfahrtsverbot, ausschließlich für Radfahrer, das der Verwaltungsgerichtshof im Mai 2024 aufhob. Seither haben die Radfahrer freie Bahn, wenngleich sie sich eigentlich an Tempo 30 halten müssten.

Straßlachs Bürgermeister Hans Sienerth (parteifrei) ist damit bis heute nicht glücklich. Die Richter hatten der Gemeinde Umbauten für mehr Sicherheit auf der Abfahrt vorgeschlagen, von Bodenschwellen über Rüttelstreifen bis hin zu Kopfsteinpflaster. Sogar von einer Ampelschaltung war die Rede. All das wurde aber nicht umgesetzt. Lediglich das Bankett wurde erhöht und verfestigt, sodass ein Ausweichen der Autos auf der schmalen Straße jetzt besser möglich ist. Sienerth selbst hätte sich gepflasterte Abschnitte gewünscht, fand dafür aber keine Mehrheit im Gemeinderat. Unfälle von Radfahrern habe es seither immer wieder gegeben, sagt er. Er selbst weiß von vier, bei denen der First Responder ausrückte. Der Wirt der Mühle habe ihm aber berichtet, dass häufiger Radfahrer nach Stürzen um Pflaster baten.

Auch im Winter läuft die Zählung der Radfahrer in Oberhaching.
Auch im Winter läuft die Zählung der Radfahrer in Oberhaching. Iris Hilberth

Wäre also ein Blitzer die Lösung gegen rasende Radler, wie ihn Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) immer mal wieder ins Spiel bringt? Zugelassen ist ein solches Messgerät bislang nicht.  Beim Zweckverband Kommunale Dienste Oberland, der für die Verkehrsüberwachung zuständig ist, weiß man zwar, dass man mit den herkömmlichen Blitzern auch Radfahrer erwischen könnte. Aber man darf es eben nicht.

Bei der für eine Zulassung zuständigen Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig kennt der Leiter der Arbeitsgruppe Geschwindigkeitsmessgeräte, Frank Märtens, die Problematik. „Da in den bisher von uns erteilten Zertifikaten und den zugehörigen Gebrauchsanweisungen gelegentlich der Begriff ‚Fahrzeug‘ Verwendung findet, stellt sich in der Tat die Frage, was ein Fahrzeug ist und ob Fahrräder unter diese Kategorie fallen“, teilt er mit. Man sei aber zu dem Schluss gekommen, dass es kein von der PTB geprüftes Gerät zur Messung der Geschwindigkeit vorbeifahrender Fahrradfahrer gibt, wobei einige der für Kraftfahrzeuge ausgelegten Geschwindigkeitsmessgeräte – etwa Laserhandmessgeräte – durchaus für diesen Verwendungszweck geeignet sein könnten. Allerdings müssten Hersteller eine entsprechende Prüfung anfragen. Die gab es bislang nicht.

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