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Öffentlicher Personennahverkehr:Bus und Bahn soll die Zukunft gehören

MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch hält an den Plänen zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fest.

(Foto: Claus Schunk)

Die Corona-Krise hat die Fahrgastzahlen beim Münchner Verkehrs- und Tarifverbund massiv einbrechen lassen. MVV-Geschäftsführer Rosenbusch sieht dennoch Bedarf am Ausbau des Angebots.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Als MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch bei der Sitzung des Regionalen Planungsverbands München (RPV) in Oberhaching ein paar Minuten auf sich warten ließ, konnte RPV-Vorsitzender Stefan Schelle sich den kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: "Nachdem Herr Rosenbusch mit der S-Bahn kommt, wird's wohl ein bisserl später." Tatsächlich reiste Rosenbusch mit Zug und MVG-Rad an und verkündete stolz: "Diese Kombination funktioniert wunderbar auch im Landkreis."

Insgesamt versuchte er bei den Verbandsvertretern trotz finanzieller Einbrüche durch die Corona-Krise und zugleich Investitionskosten in Milliardenhöhe Zuversicht zu verbreiten. "Ich bin in Sorge, dass Geld fehlt, aber auch optimistisch. Denn wenn ich mir die vollen Straßen ansehe, ist da noch viel Potenzial", sagte er.

Den ganz großen Rückgang an Fahrgästen zu Beginn der Pandemie, als nur noch etwa fünf Prozent der sonstigen Nutzer in Bahnen und Bussen unterwegs waren, hat der MVV offenbar inzwischen wieder überwunden. "Ich sehe mir täglich die Zahlen an", sagte Rosenbusch und sprach von derzeit etwa 70 Prozent im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten. Dass zukünftig mehr Leute öfter von zu Hause arbeiten und sich die Fahrten ins Büro sparen könnten, sieht er nicht als Problem an. "Wir müssen eben mehr Pendler von der Straße abgreifen", sagte er. Dazu sei vor allem wichtig, dass bei Bus und Bahn die Qualität stimme. "Saubere S-Bahnen wirken virenfrei", ist er überzeugt und spricht davon, wie entscheidend ein "subjektives Gefühl der Sauberkeit" für potenzielle Fahrgäste sei.

Helfen würde dem MVV in der Krise laut seinem Geschäftsführer auch eine Staffelung der Schulzeiten. Damit könne man sich den einen oder anderen Bus sparen, sämtlichen Verstärker müssten dann nicht mehr fahren. Oberhachings Bürgermeister Schelle nimmt dieses Anliegen ernst, im Zuge der Planungen des Schulcampus am Deisenhofener Bahnhof sei man mit den Schulen bereits über den Vorschlag einer solchen Staffelung im Gespräch.

Rosenbusch fordert allerdings auch mehr Geld vom Bund für die Nahverkehrsstrecken. "Derzeit reicht es gerade mal für zwei Weichen im Jahr", sagte er, gleichzeitig würden Milliarden in die ICE-Strecken investiert, der Bund finanziere vor allem den Fernverkehr, "dabei fahren 95 Prozent der Bahnkunden Strecken unter 50 Kilometer". Je nachdem, wie viele der anvisierten Verbesserungen der Infrastruktur mit Tram- und S- und U-Bahnen sowie Seilbahnen realisiert werden, kann sich die Investition auf bis zu 13 Milliarden Euro summieren. Für den Ausbau des Schienenverkehrs lässt der MVV außer Verlängerungen von S- und U-Bahntrassen auch den Einsatz von Magnetbahnen in einer Machbarkeitsstudie prüfen. Dieses Verkehrsmittel hätte den Vorteil, dass der Bau wesentlich günstiger sei, den Nachteil aber auch, dass ein neues System an Umsteige-Widerständen scheitern könnte. "Der Mensch steigt nicht gerne um", weiß Rosenbusch.

Das wird aber derjenige tun müssen, der zukünftig Expressbusse nutzt. Geprüft werden Busspuren auf den Autobahnen, eventuell auch die Fahrt auf den Standstreifen. "Man braucht hierfür aber mindestens einen halbstündigen Takt", sagte Rosenbusch, die S-Bahnen müssten überall alle 20 Minuten fahren. Auch den Stundentakt der Bayerischen Oberlandbahn (Bob) will er halbieren und überlegt, ob das Tegernseer Tal auch von Schnellbuslinien bedient werden könnte. "Wir müssen den Tagesausflüglern Alternativen bieten", so der MVV-Chef. Vorschläge zur Verstärkung der touristischen Linien seien in Arbeit. In Kochel, am Walchensee oder in Garmisch-Partenkirchen sei es für die Bevölkerung derzeit kein Spaß. So müssten die Regionen außerhalb der Verbünde besser angeschlossen werden. "Von Freising bis an den Spitzingsee braucht man drei Tickets", weiß Rosenbusch, das nutze keiner. Entscheidungen über eine Verbundraumweiterung sollen 2023 fallen.

© SZ vom 22.07.2020/hilb
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