Kultursaison:Zwischen Lichtblick und fröhlicher Apokalypse

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Kultursaison: Sebastian Horn und Gerd Baumann, die Köpfe von "Dreiviertelblut", gastieren in Oberhaching.

Sebastian Horn und Gerd Baumann, die Köpfe von "Dreiviertelblut", gastieren in Oberhaching.

(Foto: Veranstalter)

Die Oberhachinger Spielzeit wartet wieder mit abwechslungsreichem Programm auf, eine Eigenproduktion widmet sich dem untergangsverliebten "Wien um die Jahrhundertwende".

Von Udo Watter, Oberhaching

Ab und an gibt es Epochen, in denen sich der Weltgeist an gewissen Orten besonders ausgiebig entfaltet. Das Berlin der Weimarer Republik ("Goldene Zwanziger") etwa oder auch Schwabing vor dem Ersten Weltkrieg. Die Begriffe "Fin de Siècle" und "Belle Époque" sind dagegen am stärksten mit Paris und Wien verbunden. Während etwa um die Jahrhundertwende die Bahnstrecke von Deisenhofen zum Münchner Ostbahnhof eröffnet und die Entwicklung des bäuerlichen Oberhaching zum städtischen Vorort geebnet wird, treiben um die gleiche Zeit in der österreichischen Hauptstadt die Kaffeehauskultur, der Jugendstil, die Psychoanalyse und die Spätromantik schönste Blüten.

In der Oberhachinger Eigenproduktion "Wien um 1900 - Die fröhliche Apokalypse" wirft die ehemalige Kulturamtsleiterin Eva Hofmann einen Blick auf diese legendäre Epoche. Der von ihr konzipierte Abend leitet das dreitägige 15. "Festival für Kammermusik, Literatur und Weltmusik" am 27. Januar ein und dürfte gleichzeitig ein Höhepunkt der kommenden Kulturspielzeit sein. Die österreichische Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz lässt dabei wichtige, aber auch heute weniger bekannte Protagonisten der Ära zwischen der 'Backhendl-Zeit' und dem Ersten Weltkrieg zu Wort kommen: Schnitzler, Mahler, Freud treffen auf Berta Zuckerkandl und Alexander Girardi. Karl Kraus lästert, Stefan Zweig beobachtet, Peter Altenberg sitzt im Central.

"Für die musikalische Umrahmung habe ich mir mit dem Geiger Peter Clemente und dem Cellisten Konstantin Pfitz hochkarätige Unterstützung eingeladen", konstatiert Festivalleiterin Isabell Lhotzky, die für diesen "unterhaltsamen Streifzug durch eine glanzvolle Epoche" wirbt - der pandemiebedingt bereits den dritten Anlauf nimmt. Zum Festival gehört noch ein Kinderkonzert mit dem Streichquartett Ladystrings und der Schauspielerin Philine Conrad am 28. Januar sowie am 29. Januar der Auftritt des mit dem Echo-Klassik ausgezeichneten Ensemble "Sparks", das sein Programm "Bach - Berio - Beatles" präsentiert.

Saisonstart ist am Sonntag mit Michael Altinger

Der Vorhang zur Oberhachinger Spielzeit hebt sich an diesem Sonntag, 9. Oktober, mit dem Auftritt von Kabarettist Michael Altinger ("Lichtblick"). Der Vorverkauf hat bereits begonnen, online (über www.oberhaching.de/Kulturamt oder Reservix) und bei allen Vorverkaufsstellen wie Rathaus und Bibliothek. Oberhachings Kulturamtsleiter Volker Böhm hofft auf große Resonanz und, dass das Oktoberfest und seine Auswirkungen "uns keinen Strich durch die Rechnung macht"!

Neben Altinger, der zusammen mit Christian Springer regelmäßig die BR-Sendung "Schlachthof" moderiert, beehren im wieder üppig besetzten Bereich Kabarett noch Stephan Zinner, Han's Klaffl, Luise Kinseher und Werner Koczwara ("Mein Schaden hat kein Hirn genommen") die Gemeinde mit ihrem scharfzüngigen Besuch.

Neben klassischen Konzerten wie dem Auftritt der der einst als "Wunderkind" gefeierten Pianistin Maria Radutu (15. Oktober) gibt es weitere spannende musikalische Angebote: So gastiert das Jazz-Ensemble Torsten Zwingenberger 4tet Mitte Oktober im Bürgersaal beim Forstner und am 30. Oktober wird die Nacht von großen, cineastischen Klängen erfüllt. Unter der musikalischen Leitung von Gerold Huber präsentieren das Kammerorchester Oberhaching, Oberhachinger Chöre und die Blaskapelle Deisenhofen Klassiker der Filmmusik.

Sänger Sebastian Horn und Komponist Gerd Baumann alias "Dreiviertelblut" kennen sich auch aus mit Filmmusik. Sie sind aber darüber hinaus Protagonisten einer, wie sie es nennen, "folklorefreien Volksmusik", die sich nicht zuletzt durch existenzielle Texte und düster-bayerischen Humor auszeichnet. Am 19. November präsentiert die Band, die mit dem Song "Wos übrig bleibt" für die Serie "Oktoberfest 1900" (2020) ihre Bekanntheit noch mal steigerte, ihr brandneues Album "Plié". Ein weiterer Höhepunkt: Der in Oberhaching aufgewachsene Jazz-Pianist Bernd Lhotzky wird am 11. Dezember wie immer sein Geburtstagkonzert geben - er ist einer der virtuosesten Meister des Stride Piano.

Dazu kommen zahlreiche andere Veranstaltungen inklusive Kinderprogramm, die die Oberhachinger Kultursaison prägen werden (www.oberhaching.de). Die Apokalypse darf ruhig noch ein bisschen warten.

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