Japanischer Garten:Im Land der aufgehenden Sonne

Japanische Bäume sind Klimaschützer

Botschafterin Japans: eine Siebold-Magniolie im Garten von Andrea Hirner in Deisenhofen.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Bei Andrea Hirner in Deisenhofen wachsen nicht nur lauter Pflanzen, die aus Japan stammen, die Japanologin hat auch ein Buch über die Vegetation des Landes und ihren Entdecker Philipp Franz von Siebold geschrieben.

Von Claudia Wessel, Oberhaching

Riesige Blüten hat die weiße Pfingstrose, die an diesem Junitag im Garten von Andrea Hirner in Deisenhofen zu bewundern ist. Für die Japanologin ist sie eine der vielen blumigen Erinnerungen an Philipp Franz von Siebold, die sie rund um ihr Haus angepflanzt hat. Denn von Siebold, der von 1796 bis 1866 lebte, war einer der ersten Japanreisenden, der aus dem seinerzeit besonders fernen und schwer erreichbaren Land allerlei Besonderheiten mitbrachte. Neben Samurai-Schwertern und anderen Kulturgütern, wegen deren Schmuggel er sogar des Landes verwiesen wurde, interessierte er sich auch für japanische Pflanzenarten. Diese auszuführen war im Gegensatz zu anderen Stücken nicht verboten. In seinem leider nicht ganz fertiggestellten Werk "Flora Japonica" hat Siebold diese beschrieben. Münchner Künstler haben dazu Lithografien erstellt und farbig bemalt.

Über dieses Werk des Japanforschers wiederum hat Andrea Hirner, die als Mitglied der Deutsch Japanischen Gesellschaft München Vorträge hält, ein Buch geschrieben, das 2020 erschienen ist. "Philipp Franz von Siebolds Flora Japoncia und ihre Münchner Künstler" lautet der Titel. Tetsuya Kimura, der Japanische Generalkonsul in München, hat in seinem Vorwort betont, wie besonders das Buch "Flora Japonica" zur Zeit seiner Entstehung zwischen 1835 und 1841 war. Die Abbildungen der japanischen Pflanzen darin "wirkten sensationell, weil bisher kaum japanische Gewächse in Europa bekannt waren". Siebold ist übrigens in München gestorben, bei einem längeren Aufenthalt, während dem er eine Ausstellung vorbereitete. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof.

Auch viele seiner Mitarbeiter kamen aus München. Ihre Namen aber waren zum größten Teil vergessen, berichtet Hirner. "Deshalb musste ich etwas tiefer graben, um ihr Leben und ihre Arbeit für Siebold zu würdigen." Die Autorin begab sich in zahlreiche Archive und Bibliotheken, vor allem ins Siebold-Archiv auf Burg Brandenstein und in die Botanische Staatssammlung in München.

In der originalen Ausgabe der "Flora Japonia" waren 150 Abbildungen von Pflanzen und Blumen, die Siebold in Japan entdeckt hatte. In Hirners Buch ist eine Auswahl zu sehen. In ihren Texten ordnet die Oberhachingerin die Bedeutung dieser Sammlung ein. "Kaum ein botanisches Buch des 19. Jahrhunderts ist so berühmt geworden", schreibt sie. Denn zum ersten Mal wurden bis dahin unbekannte Pflanzen vorgestellt. Japan hatte sich seinerzeit von der Außenwelt abgeschottet, aufgrund sehr schlechter Erfahrungen mit der christlichen Mission. Siebold war einer der wenigen Europäer, die überhaupt nach Japan reisen konnten, dank Vermittlung von Holländern, die auf einer japanischen Insel eine Enklave haben durften.

Während Japan also seinerzeit in Europa nur wenigen Fachleuten als Gartenland bekannt war, sind heute zahlreiche der von dem Japanforscher Siebold eingeführten Pflanzen in hiesigen Gärten eine Selbstverständlichkeit. "Viele wissen gar nicht, dass sie längst japanische Pflanzen im Garten haben", sagt Hirner. Auch das möchte sie mit ihrem Buch den einheimischen Gartenfreunden vermitteln.

In ihrem eigenen Garten rund um ihr Einfamilienhaus in Deisenhofen findet man zahlreiche einst japanische Pflanzen. Neben der speziellen Gattung "Festival Maxima" der Pfingstrose etwa auch die Elfenblume, die laut der Gartenexpertin "völlig unempfindlich ist und wächst wie verrückt". Die dreieckigen Blätter kann man hinter Hirners schattiger Sitzecke bewundern. Die gelben Blütentrauben sind inzwischen leider nicht mehr da, deren Zeit war im Frühjahr. Auch eine Hosta sieboldiana und einen Cornus-kousa-Baum hat sie auf ihrem Grundstück sowie einen Goldahorn. Denn auch Ahornarten hat Siebold laut Hirner aus Japan eingeführt. Das Überführen der Pflanzen war im übrigen nicht immer leicht, denn sie mussten eine viermonatige Schiffsreise überstehen. Viele der von Siebold mitgebrachten Blumen kann man auch im Botanischen Garten in München sehen. Ein Lackbaum und ein Blauglockebaum etwa stehen dort, verrät Hirner.

Sie kann überhaupt eine ganze Reihe von Siebold-Pflanzen aufzählen, dazu meist problemlos das Jahr, in welchem der Japanforscher sie nach Europa brachte. Die Japanische Zierquitte etwa kam 1829 hier an, im selben Jahr auch die Päonie, die Pfingstrose - die beide auch im Deisenhofener Garten stehen. Viele Gartenbesitzer werden staunen, dass auch die Thujahecke aus Fernost importiert ist, außerdem die hängende Forsythie, bestimmte Rhododendronarten, die Prachtlilie, der japanische Schneeball, Hortensienarten, die Sommermagnolie, auch Sieboldmagnolie genannt, die Andrea Hirner natürlich auch im Garten hat. Nicht zuletzt der Teebaum kam aus Japan in europäische Gefilde.

Glück für die eingeführten Pflanzen war es, dass die meisten von ihnen auch sehr gut im europäischen Klima leben konnten und dass sie sich gut mit hiesigen Pflanzenarten vertrugen. Anders sei das etwa mit dem einst aus der Türkei eingeführten Riesenbärenklau gewesen, berichtet Hirner. "Der war zum einen giftig und zum anderen verdrängend für einheimische Pflanzen." Japan und Europa aber vertragen sich gut. Und in Zeiten des Klimawandels sogar immer besser. So sind manche japanischen Bäume besser gegen Hitze gewappnet, etwa der Schnurrbaum. Einige Gemeinden beginnen schon damit, Alleen aus fernöstlichen Bäumen zu pflanzen.

Das Buch "Philipp Franz von Siebolds Flora Japoncia und ihre Münchner Künstler" von Andrea Hirner kann man über die Deutsch-Japanische Gesellschaft München bestellen: www.djg-muenchen.de

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