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Feuerwehr:Oberhachinger Impfzentrum muss nach Brand umziehen

Am Morgen ist ein Feuer im Johanniter-Impfzentrum ausgebrochen.

(Foto: Claus Schunk)

Der Dachstuhl des Gebäudes am Kolpingring ist ausgebrannt. Alle Termine bis einschließlich Mittwoch mussten abgesagt werden, die Zweitimpfungen sollen in Haar stattfinden - immerhin die Impfdosen sind sicher.

Von Iris Hilberth

Wenn morgens früh um kurz nach sieben die Feuerwehr und die Polizei den Bürgermeister herausklingeln, kann das nichts Gutes heißen. "Brand im Impfzentrum" lautete die Nachricht am Montagmorgen, verbunden mit der Befürchtung, ein Impfgegner könnte an dem Gebäude im Gewerbegebiet Oberhaching Feuer gelegt haben. "Eine Spekulation, die wenig später wohl nicht mehr haltbar war", sagt Rathauschef Stefan Schelle (CSU), nachdem er vom Unglücksort zurückgekehrt ist und mit den Einsatzkräften gesprochen hat. Fest steht am Nachmittag aber auch: Das Gebäude ist mittel- bis langfristig als Impfzentrum nicht nutzbar. Verletzt wurde bei dem Brand niemand.

Noch laufen abschließenden Untersuchungen nach der Brandursache. Erste Ermittlungen hatten aber ergeben, dass das Feuer am Montagmorgen in einem nicht zugänglichen Dachstuhlbereich ausgebrochen war. Daher werde aktuell von einem technischen Defekt als Brandursache ausgegangen, teilt die Polizei am Nachmittag mit. Der Sicherheitsdienst hatte gegen 6.20 Uhr ein Knistern vernommen und die Feuerwehr alarmiert. Schon schnell stand der 40 Meter lange Dachstuhl in Flammen.

Fünf Feuerwehren sind im Oberhaching im Einsatz.

(Foto: Claus Schunk)

Die Johanniter-Unfall-Hilfe, die das Impfzentrum in Oberhaching betreibt, hat im obersten Geschoss das Call-Center, Schulungsräume und medizinisches Material wie Defibrillatoren untergebracht. All das fiel den Flammen zum Opfer. "Das Call-Center wurde komplett zerstört", berichtet Johanniter-Sprecher Gerhard Bieber. Entwarnung gab es allerdings sehr früh für das wohl wertvollste Material in einem Impfzentrum: "Die Impfdosen wurden gerettet", sagt Bieber. Laut Landratsamt wurde der Impfstoff in Kühlboxen mit eigener Stromversorgung der Polizei übergeben.

Ein Großaufgebot an Feuerwehren war im Einsatz. Kräfte aus Oberhaching, Taufkirchen, Unterhaching, Oberbiberg, Grünwald, Ottobrunn und Brunnthal bekämpften von innen wie von außen die Flammen, setzten mehrere Drehleitern ein und konnten den ausgedehnten Brand in dem dreigeschossigen Gebäude erst nach über einer Stunde unter Kontrolle bringen. Laut Feuerwehr wurde Wasser und erhebliche Mengen Schaum eingesetzt. Die EDV-Anlage, Unterlagen, Dokumentation und das Mobiliar aus dem Erdgeschoss und dem ersten Stockwerk allerdings konnten vor einem möglichen Wasserschaden in Sicherheit gebracht werden.

Ausgerechnet das Impfzentrum. Vier solcher Standorte gibt es im Landkreis München, fällt eines weg, drohen die Impfungen, die endlich beschleunigt werden sollen, wieder ins Stocken zu geraten. Es musste also schnell eine Lösung her, um möglichste wenige anstehende Termine verschieben zu müssen. Was machtein Bürgermeister in einem solchen Fall? "Telefonieren", sagt Schelle, "viel telefonieren." Und damit hatte er tatsächlich noch vor dem endgültigen Löschen der Flammen gemeinsam mit Landrat Christoph Göbel zumindest eine vorübergehende Lösung gefunden: Während die Feuerwehrleute noch mit Nachlöscharbeiten beschäftigt waren, rückte bereits das Technische Hilfswerk (THW) an und begann den Umzug des Impfzentrums in die nahegelegene Sportschule Oberhaching.

Oberhaching, neues Impfzentrum nach dem Brand wird in der Sportschule eingerichtet, Foto: Angelika Bardehle

Die einen löschen noch, da ziehen die anderen schon um - schließlich soll schnell weitergeimpft werden können.

(Foto: Angelika Bardehle)

Deren Gebäude mit der Adresse Im Loh 2 waren im Dezember schon einmal als Impfzentrum im Gespräch gewesen. Doch hatte man laut Schelle wieder davon Abstand genommen, da nicht gewiss war, wie lange die Räumlichkeiten genutzt werden können. Schließlich werden die Sportverbände irgendwann wieder ihre Arbeit dort aufnehmen. Daher ist auch die jetzige Unterbringung nur eine vorübergehende Lösung. Schelle spricht von vier bis sechs Wochen. Bis dahin will er einen anderen Standort gefunden haben. Es gebe mehrere Optionen in leer stehenden Gebäuden im Gewerbegebiet, so der Bürgermeister. "Es gab auch sofort Hilfsbereitschaft und Angebote aus den Nachbargemeinden", berichtet Landratsamtssprecherin Christine Spiegel. Sportschul-Geschäftsführer Uli Dickas freut sich, kurzfristig aushelfen und "einen gesellschaftlichen Beitrag" leisten zu können, wie er auf der Website der Sportschule mitteilt. "Wir sind wohl das am schnellsten geplante und in Betrieb genommene Impfzentrum Deutschlands", schätzt er. Eine mögliche Wiedereröffnung der Sportschule am 31. Mai sowie die Sportanlagen seien nicht beeinträchtigt, da es sich nur um einen sauber abgegrenzten Bereich handele.

Ausgefallene Termine für Erstimpfungen in Oberhaching können bereits ab Mittwoch im Ausweichquartier in der Sportschule Oberhaching, Im Loh 2, nachgeholt werden. Betroffenebekommen nach Angaben des Landratsamts über das Registrierungsportal eine neue Einladung und können einen Ersatztermin buchen. Bereits vereinbarte Zweitimpfungen werden bis einschließlich Mittwoch in Haar stattfinden, die Betroffenen wurden informiert. "Dort wurde unser Impfstoff hingebracht und unsere Teams reisen nun hinterher", sagt Bieber. "Das läuft hier alles sehr schnell", lobt er das THW und die eigenen Kollegen, die eingesprungen sind.

© SZ vom 04.05.2021/belo, van
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