Oberhaching:Geld haben kostet Geld

Auch die VR-Bank München-Land führt Negativzinsen ein

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Wer viel Geld auf der hohen Kante hat, wird künftig auch bei der Volks- und Raiffeisen-Bank München-Land Negativzinsen zahlen müssen. Wie Vorstand Andreas Müller in einem Gespräch mit der SZ bestätigt hat, soll das "Verwahrentgelt" noch bis Ende dieses Jahres für Beträge ab 100 000 Euro eingeführt werden. Betroffen seien davon etwa zehn bis 15 Prozent der Kunden, Firmen eingeschlossen. Laut Müller stellen Negativzinsen für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) auch die VR-Bank vor Probleme. "Wir mussten das Thema aufgreifen und geben das lediglich in der Höhe an die Kunden weiter, wie wir selbst belastet werden", sagt er. Es handelt sich dabei um 0,5 Prozent.

Die betroffenen Kunden, die aktuell solche Summen auf ihrem Girokonto liegen haben, seien bereits von der VR-Bank schriftlich informiert worden. Ihnen werde ein Alternativangebot unterbreitet, ihr Geld anzulegen. "Das Anlageverhalten hat sich verändert", stellt Müller fest. Bis auf Immobilien werde sehr wenig in Sachwerte, etwa Aktien, investiert. Die Masse gehe in Richtung Sparverträge. Müller spricht von einer "guten Entwicklung". Auch die Nachfrage nach Gold und Silber sei massiv nach oben gegangen. "Wichtig ist, nicht alle Eier in einen Korb zu legen", so Müller. Dass das Zinsniveau sich in absehbarer Zeit heben wird, sieht er nicht. "Es ist relativ aussichtslos, dass die Zinswende kommt", so der Vorstand. Mit Corona und der Neuverschuldung sei die Hoffnung darauf deutlich genommen worden.

Insgesamt blickt die VR-Bank auf ein "stabiles" Geschäftsjahr 2020 zurück. Der Wachstumskurs habe sich fortgesetzt, das betreute Kundenvolumen (5,48 Milliarden Euro) und die Bilanzsumme (2,3 Milliarden Euro) seien erneut gestiegen. Aktuell hat die VR-Bank in den Landkreisen München, Bad Tölz-Wolfratshausen und Ebersberg 60 670 Kunden. Die Kundengelder seien komplett in Form von Krediten in der Region vergeben worden. 8,7 Millionen hat die Bank in zwei eigene Neubauprojekte gesteckt. In Münsing errichtet sie zwei Wohn- und Geschäftshäuser mit neuer Geschäftsstelle und 18 Wohnungen, die 2022 fertig werden sollen. Ein weiterer Standort entsteht bis 2023 am Haarer Bahnhof mit acht Wohnungen.

© SZ vom 06.07.2021
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