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Standort-Verlegung:Aavid-Kunze kündigt Mitarbeitern

Agentur für Arbeit in München, 2011

Die Mitarbeiter von Aavid-Kunze müssen sich nach neuen Jobs umsehen.

(Foto: Catherina Hess)

Der neue Besitzer des Herstellers von wärmeleitenden Folien baut 43 Arbeitsplätze in Oberhaching ab.

Von Irmengard Gnau, Oberhaching

Die Mitarbeiter der Aavid-Kunze GmbH in Oberhaching stehen vor der Entlassung. Der Hersteller von wärmeleitenden Folien und anderen Heatmanagementkomponenten ist im Mai dieses Jahres durch den US-amerikanischen Konzern Boyd übernommen worden. Dieser gab nun bekannt, dass er den Betrieb größtenteils ins niedersächsische Syke, unweit von Bremen, verlagern will; ein Teil der Produktion soll nach Bologna abwandern. Lediglich ein kleiner Bereich des Vertriebs soll zunächst noch in Oberhaching verbleiben. Nach Angaben des amerikanischen Mutterkonzerns ist vorgesehen, dass die Verschmelzung bis "spätestens Ende Januar 2018" abgeschlossen wird.

Die insgesamt 43 Mitarbeiter in Oberhaching zeigen sich überrumpelt und bestürzt über diese Nachricht. "Wir waren ein profitables Unternehmen, deshalb sind die Angestellten umso enttäuschter, dass der Standort jetzt geschlossen werden soll", sagt der Betriebsratsvorsitzende Paul Oarga. Die Kunze Folien GmbH wurde 1990 in Oberhaching gegründet und mehr als 25 Jahre lang als Familienunternehmen geführt.

Der Betriebsrat fordert einen Sozialplan

Im Mai 2015 übernahm das US-Unternehmen Aavid mit Sitz in New Hampshire Kunze Folien, der Sohn des Firmengründers blieb jedoch als Geschäftsführer im Betrieb. Zudem erklärte die Aavid-Geschäftsführung damals, man plane den Standort in Oberhaching weiter auszubauen, unter anderem war von einem Entwicklungszentrum die Rede. Im Mai 2017 jedoch gab der Boyd Konzern die Übernahme von Aavid Thermalloy bekannt. Das Geschäft lief seither als Abteilung von Boyd, nun wird die Verschmelzung vollendet.

Den Angestellten in Oberhaching habe der Konzern zwar einen Arbeitsplatz in Syke angeboten, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Diese Option komme aber angesichts der Distanz von gut 700 Kilometern für kaum jemanden in Frage. Die Mitarbeiter hätten daraufhin Mitte November betriebsbedingte Kündigungen erhalten. Unter den 43 Angestellten sind 15 älter als 50 Jahre, viele arbeiten seit mehr als zehn Jahren im Betrieb.

Der Betriebsrat will sich nun - notfalls auch vor Gericht - dafür einsetzen, dass die Entlassungen durch einen Sozialplan möglichst abgefedert werden. Vom amerikanischen Mutterkonzern Boyd Corporation war am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten.

© SZ vom 29.11.2017

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