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Oberhaching:Eine Fußbodenheizung für die Fußballer

Ottobrunn, Kunstrasenplatz am Haidgraben,

Kunstrasenplätze sind unter anderem wegen des Plastikabriebs umstritten, der in die Umwelt gelangt.

(Foto: Angelika Bardehle)

Der FC Deisenhofen wünscht sich einen Kunstrasenplatz, der das ganze Jahr bespielt werden kann. Während einige Gemeinderäte dafür gut eine Million Euro bewilligen wollen, verweisen andere auf die angespannte Finanzlage und die Wünsche anderer Vereine

Fußball ist in Oberhaching offenbar nach wie vor eine beliebte Sportart. 28 Teams treten inzwischen im Trikot des FC Deisenhofen an. Insbesondere im Jugendbereich ist der Fußballclub in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen - von 13 auf 23 Mannschaften. Auf den Trainingsplätzen muss der Verein inzwischen so zusammenrücken, dass für ihn feststeht: So geht es nicht weiter, wir brauchen einen weiteren Kunstrasenplatz.

Das Angebot hierfür liegt inzwischen vor, doch trotz eines in Aussicht gestellten Zuschusses des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) kann der FC ein solches Projekt nicht alleine stemmen und beantragt einen Zuschuss der Gemeinde in Höhe von 820 000 Euro für die Errichtung des Platzes plus 260 000 für den Einbau einer flächendeckenden Heizung.

Für die Gemeinde Oberhaching, die in den vergangenen Jahren viele Millionen in den Ausbau der Geothermie gesteckt hat und deshalb jede Menge Schulden hat, ist das ein großer Brocken. Bei den Haushaltsberatungen diese Woche ist sich der Haupt- und Finanzausschuss daher auch nicht ganz einig, ob man dem Sportverein heuer finanziell so kräftig unter die Arme greifen will. Eine Mehrheit allerdings ist der Ansicht, dass auch ein Kunstrasenplatz für Jugendfußballer eine gute Investition in die Zukunft ist. Am 4. Februar muss der Gemeinderat noch darüber abstimmen. Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) sprach von einer "grundlegenden Entscheidung" für die Haushaltsberatungen.

Insgesamt 1,124 Millionen Euro soll der neue Platz kosten, der von der Firma Polytan als "völlig neuartiger CO₂-neutraler Kunstrasen" angeboten wird. Er soll ohne Infill-Granulat auskommen, aus einer Kombination aus geraden Fasern und texturierter Unterlüftung hergestellt und zur Stabilisierung mit Quarzsand verfüllt werden. 201 600 Euro würde der BLLV beisteuern, allerdings nur, wenn die Gemeinde auch ihren Fördertopf öffnet. Der FC Deisenhofen trägt einen Eigenanteil von 102 700 Euro bei.

Vor allem das Siegel der CO₂-Neutralität stieß bei Grünen-Gemeinderätin Monika Straub auf große Skepsis. Biokunststoffe seien nicht umweltfreundlicher als normale Kunststoffe, sagte sie, "da wird Green-washing betrieben", so ihre Kritik. Zudem habe man keine Erfahrung, wie sich der Quarzsand verhalte. Ebenso fragt sich Straub, wer eigentlich die Notwendigkeit eines zweiten Platzes beurteile. "Ausgerechnet vor der Wahl wird ein bisschen locker mit dem Geld umgegangen", findet sie und verwies auf eine voraussichtliche Verschuldung der Gemeinde Ende 2020 von 51,8 Millionen Euro. Sie befürchte, dass "wir hier schöne Dinge beschließen und uns das Landratsamt auf die Finger haut". Auch sieht Straub den FC Deisenhofen mit seinen 700 Mitgliedern als "relativ kleine Gruppe", gemessen an den 13 000 Einwohnern der Gemeinde.

Bernd Schubert, SPD-Gemeinderat und Vorsitzender des TSV Oberhaching, sieht das völlig anders. Er sprach dem FC Deisenhofen ein dickes Lob aus, wie dieser derzeit das Training von zwei bis drei Mannschaften gleichzeitig auf einem Spielfeld organisiere. Freilich hat auch er als TSV-Chef ein Interesse daran, dass die Fußballer auch im Winter draußen trainieren können und nicht Hallenzeiten beanspruchen, die im übrigen Jahr dem TSV gehören. Schubert verwies zudem auf die "sozialen Leistung" der Sportvereine. SPD-Fraktionssprecherin Margit Markl erinnerte allerdings daran, dass auch die Volkshochschule und die Musikschule Räume bräuchten. "Alle haben ihren Stellenwert, wie wir das schaffen sollen, sehe ich als sehr schwierig an."

Anja Wille von der CSU hingegen sagte: "Mir liegt es sehr am Herzen, dass die Jugend sich bewegt." Für sie sei das Hauptargument für einen weiteren Kunstrasenplatz die Möglichkeit, dass die Kinder das ganze Jahr über durchgängig Sport treiben könnten. "Was ist eine bessere Zukunftsinvestition als Kinder gesund zu erziehen", fragte sie in die Runde. So sieht das auch Bürgermeister Schelle, "solange der Haushalt in dem Maße kalkulierbar " bleibe. Michael Sellier (WGO) attestierte die FC Deisenhofen zwar auch "eine gute Arbeit", doch sprach er sich dafür aus, die Ausgaben noch einmal um ein Jahr zu verschieben.

Mit fünf zu drei Stimmen empfahl der Finanzausschuss schließlich dem Gemeinderat, den Zuschuss für den Bau des Kunstrasenplatzes zu gewähren. Die Abstimmung über den Einbau einer Heizung wurde vertagt.

© SZ vom 24.01.2020
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