Brauerei Ein Bier wie Oberhaching

Das Festmärzen wurde verkostet und für "erstaunlich gut" befunden. Momentan braut die Genossenschaft noch im alten Heizkraftwerk.

(Foto: Claus Schunk)

29 Bürger haben auf Betreiben von Bürgermeister Schelle eine Brauereigenossenschaft gegründet. Geplant sind diverse Spezialitäten für den Ortsgebrauch. Nun werden noch Investoren gesucht.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Die Zutatenliste hat sich seit Jahrhunderten bewährt. Vermutlich sind auch deshalb die Oberhachinger so zuversichtlich, dass es sich bei ihrer jüngsten Idee, Unabhängigkeit und Eigenständigkeit zu demonstrieren, durchaus um ein neues Erfolgsrezept handeln könnte. Man nehme also Wasser aus eigenen Quellen, Malz aus der Region und Hopfen aus Bayern, packe die Sache gemeinsam an und schon hat man echtes Oberhachinger Bier. Klingt einfach, und ist offenbar auch gar nicht so schwierig.

Am 22. April feiert die Brauereigenossenschaft Gründungsfest

Das Interesse an der neu gegründeten Brauereigenossenschaft ist laut Vorstand Florian Schärpf enorm, insbesondere seit es kürzlich beim Konzert der Deisenhofener Blaskapelle zum ersten Mal Oberhachinger Starkbier zum Probieren gab. Bei einem Gründungsfest am 22. April im Bürgersaal beim Forstner (19 Uhr) soll es dann so richtig losgehen, dann können die Bürger Anteile zu 250 Euro kaufen und mit einem echten Oberhachinger anstoßen. "Dann werden wir sehen, wohin die Reise geht", sagt Schärpf. Im Moment würden zwei Herzen in der Brust der Gründer schlagen: Sie wollen ordentliches Bier brauen, und mittelfristig ein eigenes Bierstüberl in Oberhaching etablieren.

Angeschoben hat die Idee einer Oberhachinger Brauereigenossenschaft Bürgermeister Stefan Schelle (CSU). Ihm liegt seit jeher etwas daran, die Gemeinschaft im Ort zu stärken und Menschen aller Altersklassen und sozialer Herkunft zusammenzubringen. Dass Bier verbindet, wurde ihm bestätigt, als etwa 80 Oberhachinger im November 2014 einem ersten Aufruf im Gemeindeblatt "Kyberg Nachrichten" folgten und sich im Gemeindesaal einen Vortrag über kleine Brauereien anhörten. Peter Stübinger, der Chef der Kulmbacher Kommunbräu, hatte die Oberhachinger immerhin soweit für das Ansinnen des Bürgermeisters begeistert, dass der gleich noch einen Infoabend mit einem weiteren Experten veranstaltete.

Die Vision vom eigenen Bier hatte Oberhaching schon einige Zeit

Vor gut einem Jahr räumte offenbar Gerrit Blümelhuber, der Geschäftsführer der Doemens-Akademie, ein Fortbildungs- und Beratungsunternehmen für Brauwesen in Gräfelfing, jegliche Bedenken aus, sodass die Oberhachinger anschließend fest an ihre Vision vom eigenen Bier glaubten. Das Modell der Genossenschaft sollte dafür sorgen, dass alle an einem Strang ziehen und alle ein Mitspracherecht haben. "Natürlich ist es nicht ganz einfach, wenn jeder seine eigenen Vorstellungen hat", sagt Schärpf, man müsse eben den kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Und das dauere manchmal länger.

Im November 2015 schließlich gründeten 29 Oberhachinger ihre Brauereigenossenschaft. Man begann mit drei Arbeitskreisen, die sich um Technik und Standort, um Finanzen und Verträge sowie um Marketing und Vertrieb kümmerten. Daraus hervorgegangen sind mittlerweile drei Vorstände sowie drei Aufsichtsräte, zu denen Bürgermeister Schelle zählt.

Auch mit dem Bierbrauen ging es flott voran. Alle hatten einen Brauerkurs beim Stadlbräu in Oberhaching gemacht, der die neuen Genossen laut Schärpf nicht als Konkurrenz sieht, zumal dieses Unternehmen selbst kaum Bier vermarktet, sondern sich vielmehr auf die Lehrgänge zum Bierbrauen konzentriere. "Außerdem haben wir mit Wolfgang Lex einen Hobbybrauer in unseren Reihen und bekommen Unterstützung von einem Brauergesellen", betont Schärpf.

Gebraut wird zunächst im alten Heizkraftwerk

Für 2500 Euro wurde eine kleine Brauanlage, eine sogenannte Braueule, angeschafft, mit der man - für den Anfang - 30 Liter Bier produzieren kann. Das erste eigene Getränk, das die Oberhachinger Genossen selbst gebraut und verkostet haben, war ein Festmärzen, "und es war erstaunlich gut", schwärmt Schärpf. Sechs Stunden dauert ein Brauvorgang, und inzwischen haben sie schon einige Rezepte ausprobiert, wobei das Kellerbier und das Weißbier wohl zu den Hauptgetränken werden. Bock, Doppelbock, Festmärzen und Pils sollen aber auch ins Sortiment kommen.

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Gebraut wird derzeit im alten Heizkraftwerk an der Pestalozzistraße, das die Gemeinde bis 2017 überlassen hat, für 30 Liter Bier für das Gemeindefest. Langfristig werden sich die Bierbrauer aber nach einer anderen Bleibe umschauen müssen, denn am jetzigen Standort plant die Gemeinde einen Umbau zum Jugendzentrum. So hoffen Schärpf und seine Mitstreiter auf einen Investor, der an einem Bräustüberl mit eigenem Oberhachinger Bier Gefallen findet. Denn eine solche Lokalität nebst Sudkesseln und mit ordentlicher bayerischer Küche fehle in der Ortschaft, findet der Vorstand.

Auch ist die Braueule zu klein, um zukünftig damit den Durst der Oberhachinger zu löschen. Für das Gründungsfest werden daher 3000 Liter nach ihrem Rezept auswärts gebraut. Wirklich große Mengen strebt die Brauereigenossenschaft aber gar nicht an. "Wir wollen weder aufs Oktoberfest noch als Wundergetränk der Berliner Szenegastronomie gelten", sagt Schärpf, "es reicht, wenn die Oberhachinger dieses Bier trinken." Wenngleich er bereits von einem norddeutschen Bierdeckelsammler überrascht wurde, der die Oberhachinger Brauereigenossenschaft bereits entdeckt hat.

Rendite bekommen die Genossenschaftler in Form von Bier

Das Bier soll im Ort ausgeschenkt und verkauft werden. Beim Burschenfest vielleicht oder bei der Freiwilligen Feuerwehr, gerne auch zu besonderen Anlässen. "Wir haben den Luxus, keinen Gewinn machen zu müssen. Wenn am Ende eine schwarze Null steht, ist es gut." Rendite soll in Form von Bier ausgezahlt werden.

Es gehe vor allem um das gelebte "Mia san mia", die Rückkehr zur Heimat. Ein entsprechendes, bewusst traditionelles Etikett mit dem Oberhachinger Kirchturm St. Stefan hat Elisabeth Strasser entworfen. Und offenbar habe man den Nerv der Zeit getroffen, findet Schärpf, Gegenwind jedenfalls verspürt die Genossenschaft bislang nicht. "Keiner ist gegen das Oberhachinger Bier", sagt der Vorstand, wobei die Hauptsache sei, dass es ein gutes Bier werde, "und das kriegen wir hin."