An der Kugler-Alm in OberhachingNoch mehr Schwellen für Radfahrer

Lesezeit: 3 Min.

Drei Schwellen hat die Gemeinde Oberhaching im Sommer zwischen Nußbaumranch und Kugler-Alm eingebaut.
Drei Schwellen hat die Gemeinde Oberhaching im Sommer zwischen Nußbaumranch und Kugler-Alm eingebaut.
Florian Peljak
  • Die Gemeinde Oberhaching will die im Winter abgeschraubten Bodenschwellen bei der Kugler-Alm im Frühjahr wieder einbauen und um drei weitere ergänzen.
  • Eine Zählung ergab, dass von Juli bis Oktober 317.131 Radfahrer die Route nutzten, am Spitzentag waren es 7.810 Radler.
  • Seit dem Einbau der Schwellen Ende Juni sind drei Radfahrer nachweislich gestürzt und haben sich leicht verletzt.
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Über den Winter wurden die umstrittenen Speedbreaker auf der beliebten Rennrad-Strecke an der Kugler-Alm in Oberhaching abgeschraubt. Doch weil an Spitzentagen fast 8000 Radler dort vorbeifahren, will die Gemeinde im Sommer sogar drei zusätzliche aufbauen. Daran ändern auch die Stürze nichts, die an den Schwellen passiert sind.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

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Die inzwischen wohl bekanntesten und umstrittensten Bodenschwellen des Münchner Umlands befinden sich nördlich der Kugler-Alm in Oberhaching. Die Gemeinde hat sie im vergangenen Jahr eingebaut, um vor allem die vielen Rennradfahrer in diesem Bereich auszubremsen. „Versuchsweise“ hieß es damals. Aktuell sind die Schwellen abgeschraubt, doch Radler, die nun glauben, sie haben fortan wieder freie Bahn in Richtung Süden, täuschen sich: Die Demontage erfolgte nur für den Winterdienst, die Gemeinde will die Speedbreaker im Frühjahr auf jeden Fall wieder einbauen. Und nicht nur diese drei.

Die Fahrbahnbreite auf der sogenannten Hauptradverbindung zwischen München und Sauerlach beträgt an der Stelle sechs Meter, der Abstand der Schwellen zueinander 2,50 Meter, die Höhe der gelb-schwarzen Geschwindigkeitsbremser gibt die Rathausverwaltung mit fünf Zentimetern an. Drei Radfahrer sind seit dem Einbau Ende Juni nachweislich dort gestürzt und haben sich leicht verletzt.

Laut einer Zählstation des Landkreises München, die etwas weiter nördlich an der Nußbaumranch steht, sind von Juli bis Oktober 317 131 Radfahrer hier durchgekommen, am Spitzentag des Jahres, dem 31. August, waren es 7810. So viel zu den Daten, die die Gemeindeverwaltung dem Umwelt- und Verkehrsausschuss am Dienstagabend vorgelegt hat und die sie in ihrem Vorhaben bestätigen, nicht nur an den bekannten drei Schwellen festzuhalten, sondern zusätzlich drei weitere Exemplare auf den Asphalt zu schrauben.

Vor allem geht man im Rathaus davon aus, dass eigentlich noch viel mehr Radfahrer diese Route zu ihrer Lieblingsstrecke auserkoren haben. Weil sie eben die schnellste Verbindung zwischen München und dem Oberland ist. „Wenn an den Carbonrädern zu wenig Eisen dran ist, erkennt der Zählautomat sie nicht. Und wenn ein ganzer Pulk dort vorbeifährt, verschluckt er sich und registriert nur einzelne“, sagte Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) in der Sitzung. Oberhaching hat also nicht nur ein Raserproblem, weil Rennradler das Tempolimit von zehn Kilometern pro Stunde im Bereich des Biergartens ignorieren und wesentlich schneller unterwegs sind. Oberhaching hat auch ein „Mengenproblem“, wie die Verwaltung feststellt. Insgesamt also weiterhin zu viele und zu viel schnelle Radfahrer in diesem Bereich.

Laut der Gemeinde haben Anwohner und die Wirte der Kugler-Alm bestätigt, dass die Schwellen schon etwas zur Temporeduzierung beigetragen haben. In der Rathausverwaltung sieht man die Schwellen weiterhin durchaus positiv, ist die Maßnahme doch in der Bilanz der „Radverkehrsförderung 2025“ neben dem Rad-Aktionstag und der Siegerehrung zum Stadtradeln aufgelistet. Neben den gestürzten Radfahrern gibt es allerdings noch ein weiteres Problem: Direkt nach den drei Schwellen treten die Radfahrer wieder kräftig in die Pedale, dabei sind sie da noch nicht am Biergarten vorbei. Auch die von Süden kommenden Radler werden erst nach dem Parkplatz und dem Eingang zur Kugler-Alm zum Bremsen gezwungen. Daher war sich der Umwelt- und Verkehrsausschuss einig: Wir brauchen drei weitere Schwellen.

Auch Anwohner anderer Straßen wünschen sich inzwischen Speedbreaker

Die seien verkehrsrechtlich in Ordnung und mit der Polizei abgestimmt, betonte Bürgermeister Schelle. Aber mehr Schwellen wird es erst mal nicht geben. Obgleich sich Anwohner zahlreicher anderer Routen durch Oberhaching, etwa der Linienstraße oder der Ödenpullacher Straße, die sich ebenfalls von den Rennradmassen überrollt fühlen, mit dem Wunsch nach Bodenschwellen an das Rathaus gewandt haben.

Bürgermeister Schelle fragt sich auch, warum gerade die drei Bodenschwellen in Oberhaching zu einer solchen Berühmtheit geworden sind, dass sie ständig in den Medien auftauchen, selbst außerhalb der Region München. Schließlich gebe es rund um den Chiemsee ebenfalls solche Speedbreaker, genauso in Italien und auf Mallorca. SPD-Gemeinderat Erwin Knapek verwies auf die Tour de France. Da sehe man sie vor jedem Zebrastreifen. Und weil man dort beobachtet, dass die Profis einfach drüber hüpfen, hat man sich in Oberhaching für den Dreierpack entschieden. Da wird das schon schwieriger. Laut Schelle hat einer der gestürzten Radfahrer genau das versucht.

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Alternativen zu den zwei Dreifach-Schwellen sieht man in der Gemeinde aktuell nicht. „Wir machen es, weil es etwas bringt und uns nichts Besseres einfällt“, sagt der Bürgermeister. Blitzer gegen die rasenden Radler sind bislang nicht zugelassen. Eine Umleitung in Richtung Wörnbrunner Knie und weiter zum Walderlebniszentrum in Richtung Straßlach werde noch vom Landratsamt geprüft. Denn bei dieser Routenführung wäre gemeindefreies Gebiet betroffen. Eine Lösung hatte die Polizei noch vorgeschlagen: eine Ampel vor der Kugler-Alm. Die will bisher aber niemand.

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