Mitten in Oberhaching:Verspäteter Wahlkampf

Lesezeit: 1 min

Wie kommt Toni Hofreiter dieser Tage auf ein Plakat am Straßenrand und was will es uns sagen?

Kolumne von Michael Morosow, Oberhaching

Erst neulich hat Toni Hofreiter einen viel beachteten Auftritt hingelegt, als er den EU-Ausschuss des Deutschen Bundestages leitete - mit seinem 15 Monate alten Sohn auf dem Schoß. Natürlich gingen die Bilder viral und selbstverständlich handelte sich der Grünen-Abgeordnete aus Unterhaching bundesweit Lob und Schelte dafür ein. Jetzt hat ein aufmerksamer Leser ein Foto von dem Familienvater in die Redaktion geschickt, das Hofreiter ohne Kind zeigt, aber noch mehr Fragen aufwirft: Er hängt - auf einem Plakat - in Oberhaching an einem Zaun, mit Sonnenblume in Höhe des Revers und dem Spruch "Für eine klimagerechte Zukunft" in Brust- und Magengegend sowie mit der Bitte um beide Stimmen auf den Lippen.

"Keine Ahnung, wann und wie er dorthin kam", schrieb der Leser. Es versteht sich, dass die Redaktion zur Aufdeckung aller Hintergründe zu einer investigativen Recherche ansetzte und auch schnell Antwort auf die Wie-Frage fand: Hofreiters Konterfei wurde an den Zaun getackert. Die Frage nach dem Wann hingegen stellt sich als schwieriger heraus. Das Plakat wurde knapp ein Jahr nach der jüngsten Bundestagswahl und mehr als drei Jahre vor der nächsten entdeckt, so viel steht fest. Zu einem Zeitpunkt also, da einen normalerweise keine Politiker und Politikerinnen von Plakatwänden um beide Stimmen anhauen. Die Sache wird nicht einfacher, wenn man weiß, dass der Hofreiter Toni wenige Tage vor seiner Entdeckung in der Alpenstraße dort noch nicht gehangen hatte und nur wenige Tage danach nicht mehr - wie vom Erdboden verschlungen. Eine kurze Erscheinung nur, ein Phänomen, das keine Wissenschaft erklären kann?

Es gibt Hinweise darauf, dass das Plakat während der Wahlphase im Herbst 2021 an einem Pfosten befestigt war, ganz legal. Die Ermittlungen zu dieser Plakataffäre sind noch nicht abgeschlossen, aber die fortgeschrittene Verwitterung von Toni Hofreiter lässt vermuten, dass er lange Wind und Wetter ausgesetzt war. Vielleicht wurde er von einem Grünen-Hasser vom Pfosten gerissen und hinterm Zaun ins Gras geworfen. Vielleicht hat ihn Monate später ein Grünen-Wähler dort entdeckt und wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Gleich wie: Der Wunsch nach einer klimagerechten Zukunft ist nach wie vor aktuell.

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