Oberhaching Amerikaner in Paris

Jérôme Etcheberry, der als einer der gefragtesten Jazz-Trompeter der Pariser Szene gilt, wird mit seinen Landsleuten Michel Pastre, Malo Mazurié und Louis Mazetier in Oberhaching ein "französisches Dreamteam" bilden, ist sich Organisator Bernd Lhotzky sicher.

(Foto: Veranstalter)

Das Jazz-Festival in Oberhaching ist vor allem eine Hommage an Gershwin, Porter, Baker und Hemingway. Die Musiker kommen hauptsächlich aus Frankreich, aber auch der stilprägende New Yorker Pianist Fred Hersch ist dabei

Von Udo Watter, Oberhaching

Der Jazz ist um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in den Südstaaten der USA entstanden und besonders in den ersten Jahrzehnten prägten ihn fast ausschließlich Musiker mit afroamerikanischen Wurzeln. Bekannte klassische Stilrichtungen sind der New Orleans-Jazz, und der Chicago-Jazz sowie der Cool Jazz, der von New York aus entwickelt wurde.

Er blieb indes kein rein amerikanisches Phänomen. Schon relativ früh avancierte Paris zu einer Hochburg dieser swingenden und improvisationsverliebten Musikrichtung. Zum einen lebten hier viele Amerikaner in den Zwanzigern und Dreißigern, die Tänzerin und Sängerin Josephine Baker wurde in der französischen Hauptstadt zum ersten schwarzen weiblichen Superstar und 1928 schrieb George Gershwin "An American in Paris" - zum anderen entfalteten auch genuin europäische Stile wie der Gipsy Jazz (Jazz Manouche) mit seiner Galionsfigur Django Reinhardt in Frankreich ihre ersten großen Wirkungen.

"Paris ist für mich ganz persönlich mehr mit dem Jazz verbunden als New Orleans oder Chicago", konstatiert Bernd Lhotzky, renommierter Stride-Pianist und künstlerischer Leiter des Oberhachinger Jazz-Festivals, das jetzt wieder vom 9. bis 11. Mai statt findet. "Mein Onkel Claude lebte in Paris und hat mir den Jazz entdeckt. Ich habe mich schon als Zwölfjähriger durch seine beeindruckende Plattensammlung gewühlt. Als Mitglied des Hot Club de France hatte er auch Kontakt zu den berühmten Amerikanern, die dort oft zu Gast waren." In mondänen Jazz-Clubs hörte der jugendliche Lhotzky nicht nur Musik, sondern schlürfte auch verbotenerweise sündteure Cocktails, die im Eintrittspreis enthalten waren. "Vielleicht wurde und wird der Jazz bis heute in Frankreich mehr wertgeschätzt als in seiner ursprünglichen Heimat", mutmaßt Lhotzky. Das von ihm initiierte Festival widmet sich im Bürgersaal beim Forstner besonders den Amerikanern, die sich in Paris niederließen und dort musikalische Spuren sowie jede Menge guter Geschichten hinterließen. "Von denen wollen wir ein paar erzählen."

So stehen die beiden Abende am 9. und 10. Mai unter der Maxime "Americans in Paris". Von Josephine Baker bis George Gershwin, von Ernest Hemingway bis Cole Porter reicht die musikalische Hommage. Zudem gibt es von Kulturamtsleiterin Eva Hofmann ausgewählte Texte verschiedener Exil-Amerikaner zu hören, die der BR-Sprecher Peter Veit vorträgt.

Die musikalischen Protagonisten sind freilich hauptsächlich aus Frankreich: der Tenor-Saxofonist Michel Pastre und Jérôme Etcheberry, der als gefragtester Trompeter der Pariser Szene gilt, sowie Malo Mazurié (Trompete) und Louis Mazetier, ein Meister des Stride Pianos. Dazu Multiinstrumentalist Attila Korb, der Gitarrist Dave Blenkhorn und der Bass-Virtuose Sébastien Girardot. "Ein französisches Dreamteam", freut sich Lhotzky, der selbst auch in die Tasten greifen wird.

Den dritten Tag des Festivals wird mit dem Jazz-Pianisten Fred Hersch einer gestalten, den Lhotzky zu den ganz Großen der Szene zählt: Der New Yorker, der schon 2017 im Bürgersaal auftrat, war unter anderem zehnmal für den Grammy nominiert und wurde 2016 sowie 2018 von der Jazz Journalists Association als "Jazzpianist des Jahres" ausgezeichnet. Mit seiner eleganten, frei fließenenden und hochsensiblen Spielart hat er sich als Pionier des zeitgenössischen Jazz erwiesen und viele andere Tastenvirtuosen geprägt. Lhotzky bezeichnet ihn als "Weltstar des modernen Jazz". Ähnlich euphorische Urteile über den 1955 in Cincinnati geborenen US-Amerikaner lassen sich in Fachzeitschriften und Zeitungen finden: "To do it Hersch's way", beschrieb die New York Times seinen Auftritt. Hersch gilt als stiller, impressionistischer Virtuose, als sensibler Grenzgänger in dessen Spiel sich Klassik und Jazz vermählen. Ein versierter Amerikaner, am 11. Mai in Oberhaching, nicht in Paris.

Karten für das Oberhachinger Jazz-Festival gibt es im Vorverkauf über www.oberhaching.de, in der Bibliothek, im Rathaus und in der Buchhandlung Kempter.