DorffesteBonding bei der Bottle-Party

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Hoch die Tassen: Mit den Nachbarn feiern kann man auch ohne die Gemeinde.
Hoch die Tassen: Mit den Nachbarn feiern kann man auch ohne die Gemeinde. (Foto: Imago/HalfPoint Images)
  • Die Gemeinde Neuried muss ihr Dorffest 2025 und 2026 absagen, weil kein Geld für die 60.000 Euro Kosten vorhanden ist.
  • Studien belegen, dass Dorffeste wichtig für das soziale Miteinander sind und sowohl enge Nachbarschaftsbindungen als auch Integration fördern.
  • Die Autorin schlägt vor, dass Bürger mit Eigeninitiative und privaten Gegenständen spontan ein kostengünstiges Straßenfest organisieren könnten.
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Die Gemeinde Neuried hat kein Geld für ein Dorffest. Das sollte die Bewohner allerdings nicht davon abhalten, gemeinsam zu feiern – schließlich ist das wichtig für das soziale Miteinander.  Also raus auf die Straße mit Bierbänken und Lounge-Möbeln!

Kolumne von Annette Jäger, Neuried

Den Neuriedern hat es die Partylaune verhagelt. So wie es aussieht, wird es auch 2026 kein Dorffest geben. Schon 2025 musste die Sause ausfallen. Wieder also kein Abtanzen mit DJ Enrico Ostendorf. Die Gemeinde hat schlicht kein Geld dafür. Mit dem bisschen, was noch auf dem Konto ist, müssen Löcher in Straßen gestopft oder Kinder in Kitas betreut werden. Es tritt das ein, wovor immer alle gewarnt haben: Wenn die Kommunen weiterhin finanziell so drangsaliert werden, müssen freiwillige Leistungen gekürzt werden. Und Feiern ist nun mal freiwillig.

Neuried steht mit dem abgesagten Fest nicht alleine da. Das Problem reicht weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Auch der Münchner Landrat Christoph Göbel hat zuletzt auf der Bürgerversammlung in Gräfelfing prophezeit, dass man sich die „Party“ nicht mehr lange leisten könne. Er meinte das vermutlich eher im übertragenen Sinne, bezogen auf die knappe Finanzlage des Landkreises, aber man kann es durchaus wörtlich nehmen.

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Lichter aus, Stühle hoch, fertig gefeiert, heißt es also für das kommende Jahr. Dabei ist das gar nicht gesund. Studienergebnisse belegen, dass gerade Dorffeste wichtig für das soziale Miteinander sind, das kollektive Wir-Gefühl stärken und positiv auf das Wohlbefinden wirken. Sie fördern sowohl bonding (enge Bindungen zwischen Nachbarn) als auch bridging (Brücken bauen zu Zugezogenen oder anderen Gruppierungen), wie Untersuchungen aus dem englischen Sprachraum zeigen. Zu lesen ist im Netz noch eine fiese Prognose: Wer nicht mehr feiert, spricht auch bald nicht mehr miteinander.

Nicht, dass die Neurieder nicht alles versucht hätten, um ihr Fest zu retten. Sogar ein Antrag auf staatliche Zuschüsse wurde diskutiert, immerhin geht man von Gesamtkosten von 60 000 Euro für die Party aus. Doch dafür war die Frist zu knapp, und es fehlten Konzept, Programm und Finanzplanung.

Ach, möchte man den Neurieder zurufen, wann waren denn jemals Feste mit Programm und Konzept die besten? Sind nicht jene in Erinnerung, die spontan zustande kamen, wo jeder etwas mitbrachte und man in zu engen Küchen warmes Bier aus Flaschen getrunken hat? Dass sich auch mit wenig Geld, dafür viel Eigeninitiative feiern lässt, zeigen Menschen in der Gegend Westerwald und Windeck. Hier laden Bürger beim Stadt-Land-Fluss-Fest in ihre Gärten oder auf eine Wiese ein und denken sich selbst einen Programmpunkt aus. Oder man lässt sich von der Jugend inspirieren, die nur ein paar Bier, Pizza, eine Bluetooth-Box und eine Parkbank für eine Party benötigt.

Auch in Neuried ließe sich mit ein bisschen gutem Willen etwas auf die Beine stellen. Würden nur alle ihre Biergarten-Garnitur, ihr Trampolin, ihre Terrassen-Lounge-Möbel, ihre Tischtennisplatte, den Pizzaofen, die Feuerschale und den Grill hinter der blickdichten Hecke hervorholen und auf die Straße stellen, wäre im Nu ein Dorffest arrangiert. Der Bürgermeister macht den DJ, nach ausreichend warmem Bier singen die Gemeinderäte ganz im Sinne von bonding und bridging Karaoke, schon wächst das kollektive Wir-Gefühl. Und irgendwer bringt sicher noch einen Nudelsalat mit.

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