Robert Hrasky (BZN) hat Neuried geprägt, lange bevor er zum Bürgermeister gewählt wurde. Die Bäckerei „Vor Ort“ mit dem dazugehörigen Café und dem vegetarischen Restaurant, das er in den vergangenen drei Jahrzehnten im Familienbetrieb aufgebaut hat, ist zum lebendigen Treffpunkt im Ort gewachsen. Samstagmorgens stehen die Kunden Schlange bis weit vor die Tür, im Sommer treffen sich Kinderscharen, wenn die Bäckerei auch Eisdiele wird, und an den Kaffeetischen unter Schatten spendenden Bäumen gehen die Neurieder dem Müßiggang nach. Als Unternehmer hat Hrasky überzeugt. Kann er es auch als Bürgermeister?
Im Vorfeld der Wahl hatte sich Robert Hrasky, 59, seine Chancen ausgerechnet: Sollte ihm der schwierige Sprung in die Stichwahl gelingen, könne er es auch zum Bürgermeister schaffen. Und so geschah es. Er erhielt 54,9 Prozent der Stimmen und löste Harald Zipfel (SPD) nach zwei Amtszeiten ab. Einer seiner Mitstreiter beim Bündnis Zukunft Neuried (BZN) erklärt das so: Mit dem Robert habe man einen starken Kandidaten ins Rennen geschickt – seit zwölf Jahren Gemeinderat und als Gesicht des „Vor Ort“ einfach überall bekannt. Das bekommt Hrasky nun auch persönlich zu spüren. „Wenn ich an der Ampel stehe, winken mir die Leute zu und halten den Daumen hoch.“
Hrasky ist in München geboren, hat Feinwerktechnik an der Fachhochschule studiert – „ich kann Kaffeemaschinen reparieren“ – und ist direkt in die Gastronomie gegangen. Dort lernte er seine heutige Frau Martina kennen und ist ihr nach Neuried gefolgt. Gemeinsam eröffneten die beiden in den 1990er-Jahren eines der ersten vegetarischen Restaurants in der weiten Umgebung und belebten dann die Bäckerei, die zuvor die Familie seiner Frau in Neuried geführt hatte, neu. Inzwischen haben die Hraskys den Betrieb mit Filialen in Gauting und Martinsried an einen ihrer Söhne übergeben. Robert Hrasky sehe sich deshalb „frei“ für das Amt des Bürgermeisters, sagt er. „Frei“ ist auch im politischen Sinne gemeint: Das BZN sei als lokales Bündnis keiner übergeordneten Parteilinie verpflichtet. „Ich denke für Neuried.“
Treffpunkt Erdbeerwiese: Hier kommt viel zusammen, was den neuen Bürgermeister ausmacht. Das Grundstück, auf dem einst Erdbeeren angebaut wurden, liegt am Rande des Gewerbegebiets, direkt am Wald. Es ist der Startpunkt für seine Spaziergänge mit dem Hund und für Radlausflüge – denn Fahrradfahren ist sein leidenschaftliches Hobby. Vor allem aber sieht Hrasky in der Wiese ein „neues Quartier“ für Neuried. Er denkt an „Zukunftsgewerbe“, an neue Technologien, an ein Innovations- und Gründerzentrum nach dem Vorbild des Biotech-Standorts Martinsried. Zusätzlich sei Platz für Betreutes Wohnen oder eine Demenz-WG, denn auf dem Gebiet der Pflege habe Neuried bisher nichts zu bieten. Einen großen Anteil an neuen Wohnungen sieht Hrasky auf dem Areal dagegen nicht. Das macht er gleich klar. Gewerbe hat für ihn Priorität.
Der Grund dafür liegt für Hrasky klar auf der Hand. Neuried gehört zu den Kommunen im Landkreis, die mit einem knappen Haushalt zu kämpfen haben. Die Gemeinde ist hoch verschuldet, zusätzliche Kreditaufnahmen sind kaum mehr möglich. Neues Gewerbe soll deshalb mehr Einnahmen bringen. Hier sieht der Unternehmer Hrasky die Möglichkeit, etwas beitragen zu können. Als Geschäftsmann sei er es gewohnt, auf die Kosten zu schauen. Nur das ausgeben, was man hat, sei sein Prinzip. Sei das Geld nicht da, müsse man „Nein“ sagen. Oder „kreative Lösungen“ finden.
Hrasky will Klartext reden, verspricht er – frühzeitig sagen, was möglich ist. Angst vor Gegenwind hat er nicht. Er sei es gewohnt, dass man nicht alle in einem Betrieb glücklich machen könne. Dabei darf man sich Hrasky nicht als einen vorstellen, der laut wird und auf den Tisch haut. Aber eine klare Meinung hat er dennoch – und eine leise, aber bestimmte Strenge traut man ihm zu. So hat man ihn schon als Gemeinderat kennengelernt.
Hrasky ist es gewohnt, „nah am Kunden“ zu sein – als Bürgermeister sind das die Wählerinnen und Wähler. Die will er, wie bereits im Wahlkampf, einmal pro Woche zu Morgenspaziergängen einladen, um den „ungezwungen Kontakt“ zu pflegen. Wer ihn treffen will, muss allerdings früh aufstehen: Um sieben Uhr geht’s los. Auch im Rathaus wird man Hrasky weit vor acht Uhr antreffen, „ich will arbeiten“, meint er. Bei allem Eifer soll er aber nicht auf die Idee kommen, die Kaffeemaschine im Rathaus zu reparieren. Das haben ihm seine beiden Söhne schon mit auf den Weg gegeben.


