Protest gegen Einkaufszentrum:In der Hitze einer Sommernacht

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Protest gegen Einkaufszentrum: Die Pläne werfen ihre Schatten voraus: Projektplaner Johannes Schöb erklärt den Zuhörern im Neukeferloher Bürgerhaus das beabsichtigte Nahversorgungszentrum an der B 304.

Die Pläne werfen ihre Schatten voraus: Projektplaner Johannes Schöb erklärt den Zuhörern im Neukeferloher Bürgerhaus das beabsichtigte Nahversorgungszentrum an der B 304.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Aufgebrachte Anwohner stören die Informationsveranstaltung zu einem Nahversorgungszentrum in Neukeferloh und drohen nicht nur den Investoren, sondern auch dem Bürgermeister.

Von Lydia Wünsch, Grasbrunn

Als draußen immer noch mehr als 30 Grad herrschen, steigt auch drinnen im Bürgerhaus Neukeferloh die Temperatur. Dort lieferten sich am Montag Einwohner der Gemeinde Grasbrunn hitzige Diskussionen mit den beiden Gesellschaftern der DS Kapital GmbH, Johannes Schöb und Michael Dreier, die über ihre Absichten für ein sogenanntes Nahversorgungszentrum an der B 304, Ecke Waldbrunner Straße informierten. Bereits vor dem Bürgerhaus hatte es eine angemeldete Protestaktion gegeben. Mit Trillerpfeifen, Glocke und Megaphon machten Anwohner ihrem Ärger Luft. "Wald kühlt! Gewerbegebiet heizt" oder "Grasbrunn betoniert sich zu, das pusht die Hitze" stand auf selbst gemachten Plakaten. Teilnehmer riefen zudem Parolen wie "Stoppt den Wahnsinn! Stoppt den Rasthof" und "DS Kapital Go Home!"

Protest gegen Einkaufszentrum: Schon vor dem Bürgerhaus machen Anwohner ihrem Unmut mit Transparenten Luft.

Schon vor dem Bürgerhaus machen Anwohner ihrem Unmut mit Transparenten Luft.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Plakate und das Megaphon mussten bei der Veranstaltung auf Weisung der Polizei zwar draußen bleiben, aber ihren Ärger nahmen die geschätzt 300 Bürger mit in den Saal. Das führte dazu, dass Schöb und Dreier nur mit Mühe dazu kamen, ihre Argumente darzulegen. Immer wieder wurden sie von lautstarken Zwischenrufen, Klatschen und Lachen unterbrochen. "Wir wollen das nicht!", riefen Zuhörer im Saal.

Damit meinten sie das von den privaten Investoren anstelle des jetzigen Waldstreifens geplante Einkaufszentrum mit Supermarkt, Discounter und Drogerie sowie Tankstelle und Fastfood-Restaurant. Diese zeigten sich bereit, auf die Bedürfnisse der Bürger einzugehen, was die Auswahl der Geschäfte angeht. So hatte Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) bereits vor der Veranstaltung darauf hingewiesen, dass ein Ärztehaus und eine Apotheke weit dringender benötigt würden als ein Schnellrestaurant oder eine Tankstelle. "Darüber reden können wir doch mal", versuchte Korneder, der selbst in der ersten Zuschauerreihe saß, immer wieder die Gemüter zu beruhigen. Obwohl die Gemeinde zu der Veranstaltung eingeladen hatte, verzichtete der Bürgermeister darauf, sich neben die Investoren auf die Bühne zu stellen oder gar die Diskussion zu moderieren.

"Du weißt, was mit deinem Vorgänger passiert ist?", herrscht ein Zuhörer den Rathauschef an

Die Bürger wollten davon jedoch nichts wissen. Sie verwiesen auf die "ungeklärte Verkehrslage". So sei die Kreuzung bereits jetzt überlastet, argumentierten sie, durch ein Nahversorgungszentrum würde sich die Situation verschärfen. Den Vorschlag, zwei weitere Linksabbiegespuren zu errichten, bezeichneten Anwohner als "reine Augenwischerei". Befürchtet werden mehr Lärm und mehr Emissionen - und das, obwohl alle vom Klimaschutz redeten. Insgesamt 35 000 Quadratmeter Bannwald müssten für die Pläne abgeholzt werden. Das ruft auch Klimaschützer aus den Nachbargemeinden Haar und Vaterstetten auf den Plan, die ebenfalls zu der Veranstaltung kamen, um zu protestieren.

Protest gegen Einkaufszentrum: Im Bürgersaal müssen sich Projektplaner Johannes Schöb (rechts) und Investor Michael Dreier (links) den kritischen Fragen und Vorwürfen der Zuhörer stellen.

Im Bürgersaal müssen sich Projektplaner Johannes Schöb (rechts) und Investor Michael Dreier (links) den kritischen Fragen und Vorwürfen der Zuhörer stellen.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Tatsache, dass Schöb und Dreier sich bereits fünf Kilometer weiter eine Ausgleichsfläche für den Bannwald gesichert haben, war für viele im Saal kein ausreichendes Argument. Vielmehr sorgte es für lautes Gelächter. "Fünf Kilometer weiter nutzt uns der Wald nichts!", hieß es aus den Reihen. In Zeiten von Klimawandel so große Flächen zu versiegeln, sei nicht mehr zeitgemäß. "Es ist die falsche Stelle und der falsche Ort", betonte ein Anwohner vom direkt angrenzenden Luisenweg. Im Moment sei Grasbrunn ein schöner, grüner Ort, das soll die Gemeinde auch bleiben. Sinnvoller als ein Einkaufszentrum an der B 304 wäre eine Belebung des Ortskerns.

Einige Teilnehmer äußerten Sorgen über die Art der Geschäfte, die sich ansiedeln könnten. "Wie viele Spielhallen bekommen wir?", rief ein Bürger in den Saal hinein. Eine Anspielung auf die Admiral-Spielhalle in Haar. Diese ist Mieter in Dreiers Haus, in dem sich auch sein Küchengeschäft befindet. "So viele, wie die Gemeinde uns genehmigt", konterte Schöb ironisch. Denn eine Spielhalle sehen die Investoren in Grasbrunn nicht vor. Schöb hat allerdings tatsächlich vor einigen Jahren für die Firma Extra-Games gearbeitet, die heute Admiral Entertainment heißt.

Protest gegen Einkaufszentrum: Die Stimmung im mit rund 300 Zuhörern gefüllten Bürgersaal brodelt.

Die Stimmung im mit rund 300 Zuhörern gefüllten Bürgersaal brodelt.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Bald darauf erreichte die brodelnde Stimmung ihren Siedepunkt, als ein plötzlicher Windstoß durch die geöffneten Türen fegte und die Leinwand mit der Präsentation von der Bühne krachte - ein Zeichen für viele Anwesende. Gegen Ende schlug der Wind dann um und zog weiter in Richtung Bürgermeister. "Du weißt, was mit deinem Vorgänger passiert ist, als er einen Bannwald abholzen wollte", sagte Richard Schmidpeter und spielte damit auf den früheren Bürgermeister Otto Bußjäger an, der vor 14 Jahren abgewählt wurde. Pläne für einen Golfplatz in Möschenfeld und ein Seniorenzentrum an der Leonhard-Stadler-Straße hatten die Bevölkerung gegen ihn aufgebracht. "Sie werden maximalen Widerstand von der Bevölkerung erleben", warnte Schmidpeter auch in Richtung Schöb und Dreier.

"Dass es so emotional wird, hätte ich nicht erwartet", sagte Michael Dreier nach der Veranstaltung. Es sei ja niemand für Argumente zugänglich gewesen. Er verstehe den Ärger auch unter dem Aspekt des Umweltschutzes nicht. Schließlich müssten die Neukeferloher derzeit immer mit dem Auto in umliegende Gemeinden zum Einkaufen fahren; auch das verursache Emissionen. Er und Johannes Schöb wollen den Verlauf der Veranstaltung nach eigenen Worten erst einmal sacken lassen und dann überlegen, wie es weiter gehen könnte. Schließlich gebe es sicher auch Grasbrunner, die an Einkaufsmöglichkeiten im Ort interessiert sind, aber an diesem Abend nicht zu Wort kamen. Ob Dreier und Schöb einen Bauantrag stellen, lassen sie derzeit noch offen.

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