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Neufahrn:Mehr Zeit zum Planen und Geldsammeln

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Seit Jahren schmiedet die Reptilienauffangstation Umzugspläne, aber nach jetzigem Stand wird auch 2021 am auserwählten neuen Standort nichts Sichtbares passieren: Der Trägerverein wird sein Grundstück im Neufahrner Süden, nahe Dietersheim, voraussichtlich für ein Jahr an einen Landwirt verpachten und noch nicht selbst nutzen. Hinter den Kulissen ist weiterhin einiges in Bewegung.

Derzeit wird per Ausschreibung ein Planungsbüro gesucht, welches das ganze Projekt noch einmal "bis auf die letzte Schraube durchrechnet", wie Stationsleiter Markus Baur sagt. So sieht es die Verordnung für öffentliche Vergaben vor. Erst wenn das Ergebnis der Berechnungen für gut befunden wird, kann der Trägerverein einen Architekten mit dem eigentlichen Bauplan beauftragen, der zur Genehmigung bei der Gemeinde eingereicht wird. Dem Vorhaben grundsätzlich zugestimmt hat der zuständige Ausschuss des Gemeinderats schon vergangenes Jahr per Vorbescheid.

Der Neubau soll auf einem Areal direkt neben dem Tierheim des Tierschutzvereins Freising errichtet werden und wird vom Freistaat finanziell unterstützt: Der Landtag hat 90 Prozent Förderung zugesagt, die Gesamtinvestitionssumme aber auch auf zehn Millionen Euro gedeckelt, wie Baur erklärt. Eine Million Euro muss somit der Trägerverein selbst aufbringen.

Einstweilen ist die Auffangstation weiterhin im Münchner Universitätsviertel, an der Kaulbachstraße, untergebracht. Der Platz im dortigen veterinärmedizinischen Institut reicht allerdings schon lange nicht mehr aus. Inzwischen hat der Trägerverein weitere Gebäude in Freimann und Riem angemietet. Mit dem Neubau in freier Landschaft soll sich die Situation für die Auffangstation insgesamt entspannen.

Die deutschlandweit größte Einrichtung dieser Art betreut exotische Tiere, die ausgesetzt, beschlagnahmt oder abgegeben wurden. Was für eine Herausforderung das bedeutet, ist erst vergangenen Monat wieder besonders deutlich geworden: Zu den 2300 Tieren sind innerhalb von drei Tagen 200 weitere dazugekommen. Zuerst waren es weit mehr als 100 Schildkröten, die von einer Behörde beschlagnahmt worden waren. Keine 24 Stunden später wurden unter anderem 30 Vogelspinnen abgegeben. Dann wurden auch noch zahlreiche Fundtiere gebracht - darunter vier Echsen einer Art, die eigentlich nur in Australien vorkommt. So etwas bedeutet nicht nur mehr Arbeit, sondern auch zusätzliche Kosten, etwa für Futter und Tierärzte.

© SZ vom 26.10.2020
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