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Neue Partei:Spannung im Rathaus

Gerd Kleiber ist nach 19 Jahren aus der FDP ausgetreten und gehört nun dem deutschen Ableger der proeuropäischen Bewegung Volt an. Sein Gemeinderatsmandat behält er.

(Foto: Claus Schunk)

Kirchheimer FDP-Gemeinderat Kleiber wechselt zu Kleinpartei Volt

Von Anna-Maria Salmen, Kirchheim

Im Kirchheimer Gemeinderat ist künftig eine neue Partei vertreten: Gerd Kleiber ist aus der FDP ausgetreten und seit Kurzem Mitglied bei Volt. Die europäische Bewegung wurde erst 2017 gegründet, in mehreren Ländern der EU ist sie als nationale Partei eingetragen - so auch in Deutschland. Kleiber ist der bislang erste Vertreter von Volt in einem Gemeinderat im Landkreis München.

Seit 2001 waren Kleiber und seine Frau Sandra Wagner Mitglieder der FDP, gemeinsam beschlossen sie nun auch, die Partei zu wechseln. "Wir haben für uns selber festgestellt, dass die Wege auseinandergehen zwischen unserem eigenen Verständnis und der Art, wie sich die Partei entwickelt", begründet Kleiber die Entscheidung.

Gleichzeitig begeistere ihn die Idee von Volt - die noch junge Bewegung sei eine Partei für ganz Europa, die einen engen Austausch zwischen Mitgliedern aus verschiedenen Ländern ermögliche. Das politische Programm werde bei Volt nicht von oben herab entwickelt, sondern entstehe in diesem Dialog. "Das ist für mich ein sehr interessanter Ansatz", sagt Kleiber. Besonders die Weiterentwicklung und Stärkung der Europäischen Union, das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Bürgerrechte und die Wirtschafts- und Sozialpolitik sind Kleiber eigener Aussage nach wichtig. Diese Themen setze Volt für ihn passender um.

Die "menschlich und fachlich gute Zusammenarbeit" mit seinem ehemaligen Fraktionskollegen Thomas Jännert will Kleiber nun in Form einer Ausschussgemeinschaft fortsetzen. Jännert, der die FDP künftig alleine im Gemeinderat vertritt, bestätigt das. "Es ist natürlich seine Entscheidung, aus der Partei auszutreten, aber für uns in Kirchheim macht das keinen Unterschied."

Dass Kleiber bei der Kommunalwahl im März noch auf der Liste der FDP zu finden war, stellt für seine weitere Arbeit im Gemeinderat kein Problem dar, wie er sagt. Die Kommunalpolitik sei weniger parteigebunden als die Politik auf Landes- oder Bundesebene, vielmehr spielten die Menschen die größere Rolle, sagt Kleiber: "Ich wurde als Person in den Gemeinderat gewählt."

© SZ vom 11.11.2020
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