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Neubiberg:Zweckentfremdung mit Sahne

Ein Straßencafé, das seinen Namen verdient: Das Ehepaar Karina und Bernd Schadl (stehend) hat sein Cafe "Lieblingsplatz" um zwölf Außenplätze erweitert. Die Gemeinde genehmigte die Freischankfläche im Parkbereich neben der Hauptstraße in Neubiberg.

(Foto: Claus Schunk)

Nach dem Plazet des Gemeinderates hat Bernhard Schadl eine Freischankfläche auf dem Parkplatz vor seinem Café "Lieblingsplatz" bestuhlt. Dadurch kann er Verluste des Lockdowns ausgleichen

Von Annika Binger, Neubiberg

Hinter der hölzernen Absperrung fahren schwitzende Autofahrer die Hauptstraße entlang, davor erfrischen sich Gäste mit einem kalten Limo oder genießen Kaffee und Kuchen: Das Modell der Münchner Gastronomie, Parkplätze zu Freischankflächen umzuwandeln, hat nun auch Bernhard Schadl, Besitzer des Cafés "Lieblingsplatz" in Neubiberg, für sich entdeckt und konnte auch den Gemeinderat von den Plänen überzeugen. Nachdem das Gremium seinen Antrag zur Straßengastronomie bereits Ende Juni genehmigt hatte, schuf Schadl zwölf zusätzliche Sitzplätze im Freien. "Die Gemeinde stand uns bei den Sicherheitsauflagen, vor allem bei bau- und verkehrsrechtlichen Themen zur Seite, um eine einheitliche und zufriedenstellende Lösung zu finden", sagte Schadl zur SZ.

Die Parkplatz-Freischankfläche müsse demnach gut sichtbar und abgesperrt sein, damit ihre Zweckentfremdung zu erkennen ist. Der Bau- und Verkehrsausschuss schrieb zudem vor, die Bestuhlung der Terrasse im Hinblick auf den Infektionsschutz anzupassen. Denn wie in jeder gastronomischen Einrichtung sei es weiterhin die Aufgabe des Café-Inhabers, die Sicherheitsabstände für die Besucher zu gewährleisten. Nur unter diesen Bedingungen war es Schadl möglich, sein Kaffeehaus im Außenbereich zu erweitern.

"Bei der Planung der neuen Terrasse war uns vor allem wichtig, dass sich die Leute trotz der befahrenen Straße und der momentanen Bedingungen wohlfühlen", sagte Schadl. Viele seien zwar durch Corona noch vorsichtig, was den Besuch von Gaststätten angeht, das Café erhalte aber trotzdem viel positives Feedback zum neuen Schanigarten, wie die Österreicher einen direkt vor einem Gastronomiebetrieb auf öffentlichem Grund liegenden Bereich mit Tischen nennen. "Man hat einfach gemerkt, dass die Leute im Sommer draußen sitzen wollen. Viele der Gäste verbringen jetzt ihre Zeit gerne in der Sonne", weiß Schadl. Die Erweiterung des Lokals ermöglichte es ihm auch, die Verluste des Lockdowns etwas auszugleichen und die Kurzarbeit der Mitarbeiter zu beenden. "Insofern war die Freischankfläche genau die richtige Lösung für uns", so Schadl. Bis zum Oktober bleibt die Terrasse an der Hauptstraße geöffnet. "Für unser Café ist die Freischankfläche ein ganz neuer und spannender Weg", sagt Schadl.

© SZ vom 08.08.2020

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