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Neubiberg:Suche nach dem eigenen Stern

Militärdekan Michael Gmelch las aus seinem Advent-Buch im Casino der Bundeswehruniversität.

(Foto: Claus Schunk)

Der Militärdekan Michael Gmelch hat ein Buch geschrieben: "Advent ist immer"

In 24 Tagen ist Weihnachten. Doch was ist vom Advent geblieben? Der katholische Militärdekan Michael Gmelch findet, der "Advent ist im gesellschaftlichen Leben komplett gecancelt". Mit seinem Buch "Advent ist immer - Auf dem Weg zu Licht und Leben" will er zeigen, wie der Advent seine geistige Bedeutung zurückerhalten kann.

Zur Buchvorstellung hatte Gmelch ins Casino der Universität der Bundeswehr in Neubiberg eingeladen. Der katholische Militärdekan hat in Pastoraltheologie und in Pastoralpsychologie promoviert, war Pfarrer in Indien und Sri Lanka und zuletzt neun Jahre als Militärseelsorger bei der Deutschen Marine in Flensburg und an Bord des Segelschulschiffs Gorch Fock und anderer Schiffe unterwegs. Seit Februar ist er Militärpfarrer in Neubiberg.

Zwei Schlüsselerlebnisse haben den Anstoß gegeben, das Projekt umzusetzen. Die Frage eines Marinesoldaten, welchen Grund das Osterfest habe, und der Blick auf die Vielzahl an sogenannten "Weihnachtsfeiern", bei denen die Menschen fröhlich feiern, ohne vom wirklichen Anlass für die Adventszeit zu wissen. Er wolle zeigen, "wie Advent aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden ist und mit dem Buch den Advent wieder bewusst machen", sagte Gmelch.

Bei einer Umfrage hätten acht bis zehn Millionen Deutsche auf die Frage "Was ist Weihnachten?" keine Antwort gewusst, berichtete Gmelch. Frage man nach Ostern, Pfingsten oder Advent, werde das Wissen immer geringer. Und 82 Prozent der Befragten hatten den "Weihnachtsbaum" als die wichtigste Dekoration im Advent genannt. Die Lichtwirkung von Adventsdekoration werde verkaufsfördernd eingesetzt, so Gmelch. Advent gebe es im gesellschaftlichen Bewusstsein nicht mehr. Er zeigte Beispiele, "wie der Handel die Bedürfnisse manipuliert und dabei schleichend auf christlichem Hintergrund gewachsene Traditionen verändert" habe, denn "der Nikolaus wird bereits im September geliefert", Adventskalender erhielten erotische Motive, Schokoladenosterhasen wurden von einem fränkischen Schokoladenhersteller durch Weihnachtsmütze und Elchgeweih umfunktioniert. Dabei sei Advent die Zeit des Erwartens, in der sich die Christen auf die Ankunft des Erlösers vorbereiten.

Es sei aber auch eine Zeit der Suche nach Licht. Gmelch stellt diese Suche nach Licht gleich mit der Suche nach wahrem Leben sowie nach Durchblick, Klarheit und Wärme. Danach suche man im Grunde das ganze Jahr. Diese Suche sei ein Weg, auf dem man im banalen wie harten Alltag gehen und auf dem man sich bewähren müsse. "Wer sich den Advent nicht nehmen lassen oder für sich neu entdecken will, für den ist dieses Buch geschrieben", sagt Gmelch im Vorwort.

Das 2017 erschienene Buch enthält in 25 Kapiteln Texte, die etwas mit dem Leben zu tun haben, Bibelzitate und Handlungsvorschläge, um die Vorweihnachtszeit bewusster als "Advent" zu erleben. Die 25 abgedruckten Fotos von Licht im Alltag stammen von Gmelchs Auslandsreisen mit Aufenthalten auf den Weltmeeren oder in den Wüsten in Israel, Ägypten und Tunesien.

Gmelch las das Kapitel "Folge deinem eigenen Stern" vor. Es handelt davon, dass Licht die Sehnsucht nach Weite und Tiefe des Lebens widerspiegelt. Seinem eigenen Stern folgen hieße, seinen Platz im gesellschaftlichen System einzunehmen: Wer überzeugt ist von dem, was er tut, leuchtet von innen heraus wie die Lampen in einem orientalischen Basar, die das Foto zum Kapitel zeigt.

"Gibt es Bereiche, in denen du dich abkoppelst?", fragt Gmelch den Leser unter der Überschrift "Seifenblasenexistenz". Er schlägt vor, Weihnachtsplätzchen an jemanden zu verschenken, der damit gar nicht rechne, etwa an einen Busfahrer. Dabei könne man bewusst wahrnehmen, was passiert, wenn man "menschenfreundlich handelt".