Hier Spielzeug, Kartons und eine Plastikflasche, dort ein Blasebalg und Geschirr. Nach der Sperrmüllabholung vor wenigen Tagen bot sich in mehreren Straßen Neubibergs offenbar ein unschöner Anblick. Michael Wester hat die Hinterlassenschaften in der Erlenstraße, der Cramer-Klett-Straße und der Eichenstraße nach eigenen Worten entdeckt. Er ärgerte sich darüber so sehr, dass er einen offenen Brief an den Vorsitzenden des für die Müllabfuhr zuständigen Zweckverbands München-Südost, Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU), sowie Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) schrieb. Seine Forderung: Die Sperrmüllabholung sollte am besten ganz abgeschafft werden. Dazu wird es zwar nicht kommen – Handlungsbedarf sieht der Zweckverband dennoch.
In dem Brief schrieb Wester, er beobachte die „Auswüchse der Vermüllung von Gemeindegrund“ nach der Sperrmüllabholung seit 1995. Von Jahr zu Jahr werde die Situation untragbarer. Die Ursache sieht er in Vorgaben des Zweckverbands, was bei der Sperrmüllsammlung mitgenommen und nicht mitgenommen werden dürfe. Gleichzeitig ignoriere seine unmittelbare Nachbarschaft die Vorgaben zunehmend. An den Sammelplätzen in der Erlenstraße und Cramer-Klett-Straße häuften sich nach seinen Beobachtungen Abfälle, darunter Glas und Keramik, die von der Abholung ausgenommen sind. Nach den Sammelterminen gleiche das Bild dort oft einem Chaos.
„Dieses unschöne Problem sollte endlich abgestellt werden“, fordert Wester. Als Lösung schlägt der Neubiberger vor, die Sperrmüllabholung einzustellen, die Vorgaben zur Mitnahme bestimmter Materialien aufzuheben und nach jeder Sammlung liegen gebliebene Abfälle zu beseitigen. An Informationen mangelt es seiner Ansicht nach nicht. Als Beispiel nennt Wester die App des Zweckverbands, die über die Sperrmüllabholung informiert. Der Verband ist bei der Abfallentsorgung neben Neubiberg für fünf weitere Gemeinden zuständig.
Die Vorschläge dürften aber nicht umgesetzt werden, wie aus einer Antwort des Vorsitzenden Stefan Kern an Wester hervorgeht. Darin zeigt Kern zwar Verständnis für den Ärger, er stellt aber klar, dass er eine Einstellung der Abholung nicht für zielführend hält. „Vielmehr würde dann wieder mehr Müll in den Wäldern und auf Wiesen entsorgt werden, wie es auch jetzt schon feststellbar ist.“
Auch den Vorschlag, die Trennung von Müllsorten aufzuheben, lehnt Kern ab. Dies widerspreche der „rechtlich notwendigen Verwertung des Mülls“ und hätte zudem eine enorme Erhöhung der Müllgebühren zur Folge. Er halte das aktuelle System grundsätzlich für sinnvoll, nur werde es nicht von allen korrekt angewandt. Der Gemeinde Neubiberg empfiehlt Kern, liegengebliebene Abfälle auf mögliche Verursacher prüfen zu lassen.

In solchen Fällen werde die Gemeinde ohnehin aktiv, versichert Neubibergs Bürgermeister auf Nachfrage. Er schließt sich den Aussagen Kerns an, bestätigt aber auch die Beobachtungen des Anwohners. Die Gemeinde stimmt sich Pardeller zufolge in solchen Fällen mit dem Zweckverband ab, ob der Unrat vom Bauhof oder dem Verband abgeholt wird.
„Wenn man den Müll zuordnen kann, wird er entsorgt und es wird demjenigen in Rechnung gestellt“, so der Bürgermeister. Wenn der Müll im Bereich einer Eigentümergemeinschaft liegt, werde die Hausverwaltung angeschrieben und ihr der Mehraufwand in Rechnung gestellt. Liegt der Müll auf öffentlichem Grund, werde er ebenfalls abgeholt. Auf den Kosten bleibe dann allerdings die Allgemeinheit sitzen.

