Neubiberger Kokain-AffäreSPD fordert Rücktritt von Bürgermeister Pardeller

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Thomas Pardeller will nach vier Wochen in das Neubiberger Rathaus zurückkehren. Die SPD sieht das anders.
Thomas Pardeller will nach vier Wochen in das Neubiberger Rathaus zurückkehren. Die SPD sieht das anders. (Foto: Claus Schunk)

Die Ortsvorsitzenden Katharina Creydt und Martin Böhrer werfen der CSU Bagatellisierung und Doppelmoral vor und sehen einen immensen Schaden am Bürgermeisteramt.

Von Iris Hilberth, Neubiberg

Zwei Tage nach der persönlichen Erklärung des Neubiberger Bürgermeisters Thomas Pardeller (CSU), in der er zugibt, wegen einer persönlichen Lebenskrise Kokain konsumiert zu haben, fordert der örtliche SPD-Ortsverein dessen Rücktritt. Die CSU hatte zuvor mitgeteilt, an Pardeller als Bürgermeister und als Kandidat für die bevorstehende Kommunalwahl festzuhalten. Der 37-Jährige war in München vor einer Diskothek mit 0,2 Gramm Kokain aufgegriffen und vorübergehend festgenommen worden. Weil er Widerstand leistete, wurde er von den Polizeibeamten zu Boden gebracht und gefesselt. Die SPD spricht von einem „immensen Schaden für unsere Gemeinde, für das Bürgermeisteramt und für das Ansehen der demokratischen Parteien“.

Die beiden SPD-Ortsvorsitzenden Katharina Creydt und Martin Böhrer werfen der CSU eine Bagatellisierung dieses „verstörenden Vorgangs“ vor und sprechen von Doppelmoral, Täter-Opfer-Umkehr und einem deftigen Maß an Schamlosigkeit. Es werde ausschließlich das eigene Schicksal in den Mittelpunkt gestellt. Als politischer Mitbewerber, der sich aus Rücksichtnahme und Respekt um Schadensbegrenzung bemüht und keinerlei Urteil erlaubt habe, sieht sich die SPD verhöhnt. „Die Reaktionen, die uns bislang erreicht haben, zeigen jedoch, dass die CSU die Bürgerinnen und Bürger aus Neubiberg und ihr Gefühl für Anstand und Respekt unterschätzt“, schreiben Creydt und Böhrer. Sie gehen davon aus, dass ein derartiger Vorfall bei der CSU einen „Entrüstungssturm“ ausgelöst hätte, wenn nicht jemand aus den eigenen Reihen betroffen wäre.

Die SPD findet zum Umgang der CSU mit der Neubiberger Kokain-Affäre jetzt deutliche Worte. Die beiden SPD-Ortsvorsitzenden sind überzeugt, dass der entstandene Schaden nicht wiedergutgemacht werden kann. Er könne nur abgemildert werden, wenn Pardeller jetzt seiner Amtsverantwortung „in vorbildlicher Weise“ gerecht werde und „seine politischen Ämter zurücklegt oder für längere Zeit ruhen lässt“. Die von der CSU und Pardeller öffentlich angedeuteten vier Wochen Auszeit, in der der Zweite Bürgermeister Kilian Körner (Grüne) die Amtsgeschäfte im Rathaus leitet, seien „auf jeden Fall zu kurz“, auch für die in Aussicht gestellte medizinische Behandlung. Zudem weist die SPD darauf hin, dass die polizeilichen Ermittlungen und die rechtlichen Folgemaßnahmen noch offen sind. Die SPD ist zwar ebenfalls der Ansicht, dass jedem eine zweite Chance eingeräumt werden müsse –  „aber nicht schon vier Wochen nach einem solchen Vorgang“.

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