Wer vor dem Eingang des Hauses für Weiterbildung in Neubiberg steht und nach Nordosten blickt, sieht nicht mehr wie früher das alte Rathaus in Gelb und einen eher unscheinbaren Platz. Heute eröffnet sich dem Betrachter ein Ensemble aus Alt und Neu, das ein gelungenes Beispiel dafür ist, wie man ein Rathaus im Bestand erhält und saniert und es mit einem modernen Erweiterungsbau verbindet. An das alte Gebäude grenzt nun im Osten ein Flachbau mit einem begrünten Innenhof an, der es mit einem dreigeschossigen Verwaltungsbau verknüpft. Dieser ist nach Süden versetzt und greift die Silhouette des Bestandsbaus mit seinem Satteldach auf. Der Neubau trägt als Hybridkonstruktion aus Holz und Stahlbeton mit Photovoltaikanlage auf den Dächern ökologischen Anforderungen Rechnung. Auch farblich ist alles stimmig – alle Gebäude sind in Grau gehalten.
Der Komplex ist nicht nur architektonisch ansprechend, er bietet den Bürgern künftig auch die neueste Technik und den Verwaltungsmitarbeitern ein modernes Arbeitsumfeld mit genügend Platz. Beim Rundgang durch die Gebäude betont Architekt Jan Spreen, dass das Rathaus seiner Ansicht nach für Neubiberg ein „ganz wichtiger Ort ist“ und es ihm und seiner Partnerin darum gegangen sei, ein Ensemble zu schaffen, „das den Bestand würdigt, übersetzt in eine neue Architektursprache“. Das Münchner Büro Spreen Architekten hatte 2018 den Architektenwettbewerb für das Vorhaben gewonnen.
Auch wenn noch gewerkelt wird, kann man sich schon ein gutes Bild machen. Betritt man den Flachbau vom Rathausanger im Norden aus, erwartet den Besucher ein großzügiges Foyer mit einer Theke und daran angrenzend ein Wartebereich. Durch große Glasscheiben kann man sowohl zum Rathausplatz als auch in den Innenhof blicken. Der graue Boden und die Möbel und Wände aus hellem Holz schaffen eine freundliche Atmosphäre. „Das Foyer verbindet alle Seiten, es ist das Herzstück“, sagt Architektin Angela Spreen.

Bald können die Neubibergerinnen und Neubiberger etwa an einer Bürgerbox rund um die Uhr ihre Pässe abholen oder an einem Selfserviceterminal diverse Dienste in Anspruch nehmen. Was Digitalisierung im öffentlichen Dienst angeht, werde das Rathaus „eine Vorreiterrolle“ einnehmen, verspricht Sebastian Kück, Digitalisierungsbeauftragter der Gemeinde. Sonst sind im Flachbau vor allem Besprechungsräume angesiedelt. In einem größeren werden künftig die Ausschusssitzungen des Gemeinderats stattfinden. Auch hier ist neueste Technik installiert, etwa Tischmikrofone oder große Bildschirme. Bei Bedarf kann der Raum über eine mobile Trennwand auch vergrößert werden, wie Jan Spreen erklärt. Der Gemeinderat tagt allerdings weiterhin im Haus für Weiterbildung.
Als besonders schöner Platz im Ensemble eröffnet sich dem Besucher der Innenhof des Verbindungsbaus, der mit ein paar Bäumen begrünt wird. Es bieten sich überraschende Sichtachsen – der Betrachter erhascht von hier einen Blick auf die Spitze des alten Rathauses. Es verwundert nicht, dass Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) auf die Frage nach seinem Lieblingsbereich im Komplex sagt: „Ich kann mir vorstellen, dass man sich im Innenhof sehr gut aufhalten kann.“

Ein paar Schritte weiter erreicht der Besucher den neuen Verwaltungsbau in der Form des alten Rathauses. Im Erdgeschoss findet sich etwa das barrierefreie Bürgerbüro – überhaupt ist der gesamte Komplex barrierefrei gestaltet. Sonst liegen in dem Bau vor allem Büros der verschiedenen Mitarbeiter. Im ersten Stock etwa Teile des Kulturamts, im zweiten Stock liegt das Hauptamt und auch der Rathauschef hat hier sein neues Büro – samt kleiner Umkleide. Pardeller freut sich auf die Räume, auch wenn er sich im alten Rathaus sehr wohlgefühlt habe.
Doch da ist nun anderes vorgesehen: Das Gebäude wurde entkernt, saniert und grau gestrichen. Einiges wurde beibehalten, etwa die alte Stein- und die Holztreppe. „Wir wollten behutsam mit dem Bestand umgehen“, sagt Pardeller. Im Erdgeschoss erwartet die Bürger nun ein großer Trausaal mit schönen Details: einem hellen Eichenholzboden etwa oder zwei großen ringförmigen, herabhängenden Lampen. „Sie symbolisieren die beiden Eheringe“, erklärt Angela Spreen die Idee dahinter. In den oberen Stockwerken liegen die Räume des Bauamts. Neben kleineren Büros gibt es auch zwei große für mehrere Mitarbeiter, damit auch Teamarbeit gut möglich ist.
Dass der Komplex nun so dasteht, ist keine Selbstverständlichkeit. Haben Verwaltung, Gemeinderat und Architekten doch schon viele Jahre an dem neuen Rathaus getüftelt. Hintergrund war, dass das bisherige für all die Mitarbeiter zu klein geworden war. Vor ein paar Jahren wurde der ursprüngliche Entwurf noch einmal verworfen und der Komplex vor allem aus Kostengründen kompakter gestaltet. Auch die Tiefgarage wurde auf 30 Plätze verkleinert. Die Kosten für das Projekt liegen voraussichtlich bei knapp unter 25 Millionen Euro.

Für alle Mitarbeiter ist in dem modernen Komplex genug Platz. Bis zuletzt waren sie im Haus für Weiterbildung und in einem Gebäude am Bahnhofsplatz ausgelagert. Auch wenn im Lauf der Planungen die Gebäude etwas kompakter gestaltet wurden als zu Beginn anvisiert, an den Büroräumen wurde nicht gespart. „Jeder Mitarbeiter kann in Präsenz da sein“, sagt Geschäftsleiter Thomas Schinabeck. Insgesamt stehen 80 Bildschirmarbeitsplätze zur Verfügung. Ein offenes Konzept ist im alten Rathaus in den beiden größeren Büros in den beiden oberen Stockwerken verwirklicht.
Wie die Stimmung mit Blick auf den Umzug zwischen 20. und 25. Juni in die neuen Räume ist? „Die Freude unter den Mitarbeitern ist da“, sagt der Geschäftsleiter. „Ich persönlich freue mich, wenn wir wieder zusammen unter einem Dach sind, das wird wieder ein schönes Miteinander.“ Dazu könnten auch die Teeküchen im Komplex in jedem Stockwerk förderlich sein, in denen man sich kurz treffen und austauschen kann.

Auch der Rathauschef ist zufrieden mit dem Ergebnis. „Es ist ein Vorzeigeprojekt geworden“, sagt er. Er erwähnt die Architektur, dass das Budget eingehalten werde und dass es nur drei Monate Verzögerung gebe. „Da können wir alle miteinander stolz sein“, sagt er und blickt zu den Architekten. Wie die Bürger das neue Rathaus annehmen, wird sich zeigen. Von 26. Juni an wird es für sie geöffnet sein. Interessierte werden sich am Tag der offenen Tür am 27. September das Gebäude genauer ansehen können. Bis dahin soll auch der Rathausplatz zwischen dem Gebäude und dem Haus für Weiterbildung samt Trinkbrunnen und Wasserspiel fertiggestellt sein.

