Neubiberg:Das Rathaus braucht ein neues Dach

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Neubiberg: Die Sanierung des Rathauses gestaltet sich immer aufwendiger.

Die Sanierung des Rathauses gestaltet sich immer aufwendiger.

(Foto: Claus Schunk)

Die Sanierung und Erweiterung wird noch einmal teurer als angenommen. Der Grüne Kilian Körner fordert deshalb sogar einen Neubau, setzt sich aber nicht durch.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Bauen im Bestand birgt oft Überraschungen. Damit musste sich der Neubiberger Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag nun zähneknirschend abfinden. Denn die Sanierung des Rathauses wird um insgesamt rund 400 000 Euro teurer werden im Vergleich zur Kostenberechnung von 2021. Wie sich bei den Arbeiten herausstellte, ist etwa das Dach stärker sanierungsbedürftig als gedacht und soll daher neu eingedeckt werden.

Angesichts all des Mehraufwands, der sich abzeichnet, plädierte Kilian Körner von den Grünen dafür, die Sanierung zu stoppen und auf einen Neubau umzuschwenken. Nach einer hitzigen Diskussion stimmte allerdings nur er - und bei einem Punkt ein weiterer Gemeinderat - gegen die von Verwaltung und vom Architekten Jan Spreen empfohlenen Maßnahmen. Rathauschef Thomas Pardeller (CSU) bedankte sich für "die doch eindeutigen Beschlüsse" und dafür, dass es weitergehen könne mit der Sanierung.

Neubiberg: Die Abdichtung des Daches ist in einem schlechteren Zustand als gedacht.

Die Abdichtung des Daches ist in einem schlechteren Zustand als gedacht.

(Foto: Claus Schunk)

Im Zuge von Abbrucharbeiten hat sich unter anderem herausgestellt, dass die Abdichtung des Dachs in einem sehr schlechten Zustand ist und daher viel größere Bereiche ausgebessert werden müssen als angenommen. Auch deshalb soll nun das Dach neu eingedeckt werden, was 258 000 Euro Mehrkosten ausmacht. Zudem sollen nach neuen Erkenntnissen und Prüfungen statt der Innenwände im Keller die Außenwände abgedichtet und die Außenwände des Gebäudes ertüchtigt werden, was weitere etwa 135 000 Euro kostet. Körner fragte, was angesichts all der Änderungen noch übrig bleibe vom alten Rathaus - auch in der Vergangenheit hatte es schon Überraschungen gegeben, da stellte sich etwa heraus, dass tragende Innenwände ersetzt werden müssen und der Dachboden nicht nutzbar ist. Körner plädierte daher für einen Neubau, der von oben bis unten nutzbar und energetisch auf dem neuesten Stand sei und damit nachhaltig.

"Auch das ist Nachhaltigkeit, den Bestand zu ertüchtigen."

Mit der Ansicht stand er recht alleine da. Die Sanierung jetzt abzubrechen, wäre ein "wirtschaftliches und politisches Desaster", sagte Pardeller. Er verwies auf eine dann nötige Neuplanung und eine Verzögerung von zweieinhalb Jahren und betonte, dass es wirtschaftlich sei, behutsam mit dem Bestand umzugehen. Auch erinnerte an den fast einstimmigen Beschluss des Gemeinderats für die Sanierung. Die Gesamtkosten für Sanierung und Erweiterung des Rathauses waren zuletzt mit 22,1 Millionen Euro beziffert worden.

Architekt Spreen äußerte ebenso Unverständnis und betonte, dass die Gemeinde ja das alte Rathaus erhalten wollte, weil es identitätsstiftend sei. "Auch das ist Nachhaltigkeit, den Bestand zu ertüchtigen", sagte er. Projektsteuerer Ferdinand Weiss wies darauf hin, dass bereits Aufträge in Höhe von 8,6 Millionen Euro vergeben seien. Auch betonte er, dass es beim Bauen im Bestand immer ein Risiko gebe.

Neubiberg: So sieht es derzeit im Inneren des Gebäudes aus.

So sieht es derzeit im Inneren des Gebäudes aus.

(Foto: Claus Schunk)

Auch im Gremium teilte kaum einer die Ansicht von Körner. Dessen Fraktionskollege Thomas Maier warb zwar für Verständnis für dessen Vorstoß, man sei ein gebranntes Kind angesichts der Kostensteigerungen bei anderen Bauprojekten. Den anderen Gemeinderatsmitgliedern missfiel freilich auch die Kostensteigerung, aber sie wollten nicht an der Sanierung rütteln. "Wir haben ein Risiko auf uns genommen", sagte Hartmut Lilge (CSU). "Wir müssen jetzt aber auf dem Weg bleiben." Auch Stephanie Konopac (Freie Wähler) fände es nach eigener Aussage "heftig", jetzt die Reißleine zu ziehen, nachdem das Gremium fast alle Beschlüsse einstimmig gefasst habe.

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