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Neubiberg:Polyglott zum Erfolg

Der Erfolg bei dem Bundeswettbewerb Fremdsprachen sichert Mariela Havenstein aus Neubiberg auch die Förderung der Studienstiftung des deutschen Volkes.

(Foto: Privat)

Mariela Havenstein gewinnt beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Von Angela Boschert, Neubiberg

Die Herbstferien sind nah, doch noch heißt es für die bayerischen Schüler Vokabeln und Grammatik pauken. Dass das auch Spaß machen kann und sich lohnt, hat Mariela Havenstein aus Neubiberg erlebt. Die Schülerin des hiesigen Gymnasiums ist eine von zwölf Siegern beim Bundesentscheid im Wettbewerb Fremdsprachen, den das Bonner Talentförderzentrum Bildung und Begabung jedes Jahr ausrichtet. Ebenfalls unter den Siegern ist Vivien Schilbach, die das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching besucht.

Bei dem Wettbewerb müssen die Teilnehmer in zwei Fremdsprachen erst einen Videofilm produzieren, dann eine vierstündige Klausur absolvieren und schließlich vor einer Expertenjury ihr sprachliches Können unter Beweis stellen. Havenstein produzierte ein animiertes Video über die "nützlichste Erfindung" - so die Aufgabenstellung - fast nebenbei. Schließlich war es nicht ihr erstes Video. Sie erläuterte, dass Zahlen nützlich sind, weil sie helfen, "Sachen zu strukturieren und einzuordnen". Die vierstündige Klausur der zweiten Runde ähnelte einer Schulaufgabe und behandelte ein Umweltthema. Das war schon anspruchsvoller, doch gehören für Havenstein Fremdsprachen zum Alltag: Ihr Vater ist Argentinier, sie spricht fließend Spanisch und Deutsch, lernt Französisch und führt ihr Tagebuch auf Englisch.

Das half natürlich in der Finalrunde, die dieses Jahr nicht als Präsenzveranstaltung in der Jugendherberge Köln stattfand, sondern aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen rein digital. Von den insgesamt 335 Schülern der Klassen 10 bis 13, die aus ganz Deutschland und von deutschen Auslandsschulen zu dem Wettbewerb angetreten waren, standen die besten 47 im Finale. Jeder Teilnehmer ging mit zwei Fremdsprachen ins Rennen, Havenstein mit Englisch und Spanisch. In der Endrunde mussten die Jugendlichen vor einer Expertenkommission ihr Können in ihren beiden Wettbewerbssprachen unter Beweis stellen. Außer ihr beendeten drei weitere Schüler aus Stadt und Landkreis München diese Runde als Erstplatzierte. Havenstein musste also ein Einzelgespräch in Englisch und eines in Spanisch führen und in der Gruppendiskussion zwischen beiden Sprachen hin- und herwechseln.

In der Gruppe diskutierte sie auch über den Sinn von Reisen: "Bei der spannenden Diskussion, ob man Auslandsreisen generell unterlassen sollte, argumentierten die Lateiner, dass Reisen eine Flucht vor sich selbst sei und dass man nur durch Selbstfindung wirklich glücklich wird", erzählt Havenstein. Sie sehe das etwas anders: "Reisen ist notwendig, weil ein wirklicher kultureller Austausch nur über persönliche Kontakte funktioniert. Zudem sind Auslandsaufenthalte wertvoll zum Sprache lernen und für die Persönlichkeitsentwicklung."

Havenstein will nach dem Abitur Wirtschaftspsychologie an der Harvard-University in den USA studieren. "Das ist extrem schwer", weiß sie. Doch sie wird als Bundessiegerin im Fremdsprachenwettbewerb in die Förderung der Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen. "Die finanziert auch Auslandsstudien", sagt Havenstein.

© SZ vom 23.10.2020
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