Ortsentwicklung:Unterbiberger fürchten „ein zweites Neuperlach“

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Ein 3-D-Modell zeigt von Osten aus gesehen, wie die Bebauung an der Lilienthalstraße einschließlich der neuen Gebäuden aussehen würde. (Foto: Visualisierung Weiss Architektur)

Weil in dem neuen Quartier an der Lilienthalstraße auch ein achtgeschossiges Gebäude vorgesehen ist, halten Anwohner den Gartenstadtcharakter für gefährdet. Die Mehrheit des Gemeinderates will die Idee jedoch weiterverfolgen – um die Versiegelung gering zu halten.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Die Ideen hören sich nach Meinung der Kommunalpolitiker vielversprechend an: Ein Quartier mit Wohnungen für alle Altersgruppen soll auf den beiden unbebauten Flächen nördlich und südlich der Lilienthalstraße im Neubiberger Gemeindeteil Unterbiberg entstehen, samt kleinem Supermarkt und Quartiersmanagement. Wo die Gemeinde doch dringend bezahlbare Wohnungen braucht, die dort auch geschaffen werden sollen. Weil aber auch ein achtgeschossiges Gebäude an der Straße vorgesehen ist, haben einige Anwohner am Montag zu Beginn der Sitzung des Gemeinderats in der Grundschule Unterbiberg ihre Bedenken geäußert.

Dass der Gartenstadtcharakter gefährdet und ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte, war die Sorge. Die Gemeindeverwaltung und der Eigentümer der Flächen, die Bauland GmbH, betonten aber, dass man noch ganz am Anfang der Überlegungen stehe und man alles gemeinsam angehen wolle. So votierte nach einem einstimmigen Beschluss des Planungsausschusses nun auch der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen der Grünen-Gemeinderätinnen Ulrike Dowie und Pascale Kollwitz-Jarnac dafür, die anvisierte Planung dem Grunde nach so weiterzuverfolgen. Eine Bauleitplanung folgt erst noch, jetzt geht es erst einmal um die grobe Richtung.

Lange hatten die Gemeinde und der Investor auf den freien Flächen Gewerbe ansiedeln wollen. Mangels Nachfrage ließ sich das aber nicht verwirklichen. Nun ist der Plan, dort Wohnungen zu bauen und die Voraussetzungen für die nötigen Versorgungseinrichtungen wie einen Supermarkt, ein Café und eine Arztpraxis zu schaffen. An der Lilienthalstraße sehen die Überlegungen der Investoren nun auf beiden unbebauten Grundstücken längere Gebäudekörper entlang der Straße vor. Dahinter sind jeweils locker angeordnete einzelne Gebäude geplant. Die Häuser sollen sich von der Höhe her unterscheiden und zwischen drei und – in einem Fall – acht Stockwerke erhalten. Idee ist, dass man etwas in die Höhe geht, dafür aber weniger Fläche versiegelt wird. Die Wohnungen sollen sich genauso für Studenten wie Senioren und Familien eignen.

Mehrere Bürgerinnen und Bürger äußerten zu Beginn der Sitzung – da haben sie Rederecht – ihren Unmut. Eine Frau sagte, der Bürgerdialog voriges Jahr, bei dem man sich mit Ideen zur Entwicklung Unterbibergs äußern konnte, sei gut gewesen, da sei aber nicht von so hohen Gebäuden die Rede gewesen. Eine andere sagte, sie sorge sich, dass es „ein zweites Neuperlach“ gebe. „Nein danke“, sagte sie. Auch den Grünen-Gemeinderätinnen Dowie und Kollwitz-Jarnac gefällt das achtgeschossige Gebäude nicht. Kollwitz-Jarnac stellte zudem die Frage, warum sich jetzt Supermarkt und Café ansiedeln sollten, wenn es in der Vergangenheit nicht geklappt habe.

Am Baurecht selbst soll sich dem Beschluss nach nichts ändern

Sina Schönau von der Bauland GmbH sagte bei ihrer Präsentation der Ideen unter anderem, dass man alle Stimmen hören und mit der Gemeinde gemeinsam planen wolle. So hatte es etwa in der Vergangenheit schon eine Fraktionssprecherrunde dazu gegeben. Architektin Michaela Weiss erläuterte, dass sie aus städtebaulichen Gründen die unterschiedlichen Höhen favorisiere. Das hohe Gebäude könnte Orientierung geben. Auch betonte sie, dass man möglichst viele Freiflächen belassen wolle. Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) sagte, es werde kein Quadratmeter mehr an Baurecht geschaffen als schon bestehe.

Zu der Frage, warum die Ansiedlung etwa eines Supermarkts und eines Arztes jetzt funktionieren sollte, sagte er unter anderem, dass ein passender Ort in Unterbiberg dafür der jetzige Marktplatz gewesen wäre, die Gemeinde sich so eine Planung damals aber nicht im Bebauungsplan abgesichert habe. Er glaube aber, dass die angedachte Entwicklung an der Lilienthalstraße funktioniere. Karl-Heinz Rossmann vom Bauunternehmen BBS Hillebrand GmbH, die als Partner der Bauland GmbH agiert, verwies auf die Erfahrungen seines Unternehmens bei der Entwicklung von Quartieren und betonte, dass diese auch funktionieren.

Die Mehrheit im Gremium befürwortete die Pläne. Einige Gemeinderäte hoben die Chance hervor, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, den die Gemeinde dringend brauche. Auch in der Fraktion der Grünen war die Mehrheit nicht abgeneigt: Kilian Körner signalisierte, dass er Baukörper mit bis zu acht Geschossen in Ordnung fände, weil dann weniger Fläche versiegelt würde. Eine Höhe von „bis zu acht Geschossen“ wurde dann auch in den Grundsatzbeschluss aufgenommen.

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