Der Landschaftspark Hachinger Tal gehört zu den wertvollsten Heidelandschaften im Raum München. Was das Areal auf Neubiberger, Unterhachinger und Ottobrunner Gemeindegebiet besonders macht und warum sich hier bedrohte Tiere wie die Feldlerche und der Himmelblaue Bläuling so wohlfühlen, erläutert der Biologe Lukas Diehl im Interview
SZ: Ihnen ist es wichtig, Kinder und Erwachsene für die heimische Natur zu begeistern. Warum sollten sie sich für den Landschaftspark Hachinger Tal interessieren?
Lukas Diehl: Er ist einfach ein tolles Ausflugsziel für alle Münchner und die Anwohner. Gerade im dicht bebauten Ballungsraum am Stadtrand ist es wichtig, die Naturoasen zu erhalten. Der Landschaftspark wird gerne genutzt wegen seiner besonderen Weite. An einem föhnreichen Herbsttag sieht man das Karwendelgebirge. Die große Landebahn ist auch einzigartig, die einen skaten, die anderen gehen spazieren. Außerdem hat man sehr viel zu entdecken an Tieren und Pflanzen.
Warum fühlen sich hier bedrohte Tiere wie die Feldlerche und der Himmelblaue Bläuling so wohl?
Sehr viele Arten lieben Offenland. Das gibt es eher selten und wenn, dann ist es meist intensiv bewirtschaftet. Die Fläche war früher die „Perlacher Haid“, dann ein Militärflughafen, 1997 wurde der geschlossen und zum Landschaftspark umgestaltet. So wurde die Fläche nie intensiv bewirtschaftet. Daher war immer eine große Artenvielfalt da und eine hohe Pflanzenvielfalt, die wieder eine hohe Vielfalt an Insekten bewirkt, sodass sich auch viele Vögel wohlfühlen, weil sie Nahrung finden.

Sie sprechen von Weite, von Pflanzenvielfalt. Was findet man vor?
Es gibt magere Glatthaferwiesen, Halbtrockenrasen – viele Pflanzen mögen es recht mager. Es gibt dort beispielsweise den breitblättrigen Thymian, die Karthäusernelke, die Büschel-Glockenblume und den Klappertopf. Es gibt lichtes Gebüsch mit einer Vielzahl von Hecken und Rosensträuchern, die viel Lebensraum bieten. Es gibt auch Schotterflächen, auf denen Kalkmagerrasen etabliert wurden.
Werden die Flächen sich selbst überlassen?
Überlässt man offene Naturschutzflächen sich selbst, verbuschen sie und werden zu Wald. Daher gibt es Mähflächen, die nur zweimal im Jahr gemäht werden. Fünf Meter breite Brachstreifen werden als Rückzugsräume stehen gelassen. Ein anderer Teil wird zu bestimmten Zeiten im Jahr mit Schafen beweidet.

Aufgrund der vielfältigen Landschaft finden sich hier viele besondere Tiere. Welche?
Der Park ist von der Vogelvielfalt her sehr interessant. Es wurden schon bis zu 180 Arten gesichtet. Hier brüten zum Beispiel die Feldlerche, die Wachtel, die Dorngrasmücke und der Neuntöter. Sie sind selten und geschützt. Die Wachtel beispielsweise braucht die Brachstreifen, um sich zu verstecken. Dorngrasmücke und Neuntöter mögen das Gebüsch, auch das stachelige wie Weißdorn oder Schlehe. Es gibt auch viele besondere Schmetterlingsarten. Es wächst dort der Hufeisenklee, den gleich drei Arten besonders mögen: der Himmelblaue Bläuling, das Hufeisenklee-Widderchen und die Goldene Acht. Der Hufeisenklee ist die Raupennahrung.
Wenn man jetzt im Herbst durch den Park spaziert, welche Lebewesen findet man?
Es lohnt sich immer, den Park zu besuchen. Es ist zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes. Gerade jetzt im Herbst sieht man große Schwärme Saatkrähen und Dohlen, die den Park zur Nahrungssuche nutzen. Es gibt auch einen recht zahmen Graureiher in der Nähe des Hachinger Bachs, den man sehr schön beobachten kann. Mit Glück sieht man sogar einen Eisvogel beim Jagen, der blau funkelt wie ein Edelstein.
Freizeitnutzung und Naturschutz passieren im Landschaftspark offenbar im Einklang. Wie gelingt das?
Es ist grundsätzlich moderner Naturschutz, dass das Gebiet auch freizeitlich genutzt werden darf. Meistens ist das auch nicht der schlimmste Grund für Artensterben. Es gelingt hier, dass manche Flächen zur Brutzeit nicht betreten werden dürfen und sich die meisten daran halten. Es gibt Wanderwege und die Landebahn, wo geskatet und Rad gefahren wird. Man kann wunderbar am Hachinger Bach verweilen, dort gibt es Sitzflächen direkt am Wasser. Es wurde so designt, dass man den Park nutzen kann, aber gleichzeitig die Natur gut in Ruhe lassen kann.
Über welches Tier haben Sie sich im Landschaftspark bisher am meisten gefreut?
Wenn die Feldlerchen ohne Punkt und Komma im Himmel zwitschern oder auch die Goldammer – das sind einfach tolle Vogelgesänge und ich freue mich jedes Frühjahr wieder, wenn ich sie dort höre.
Am Freitag, 14. November, stellt Lukas Diehl den Landschaftspark und den Umweltgarten Neubiberg bei einem Vortrag als wichtige Naturoasen am Münchner Stadtrand vor. Die Veranstaltung des Umweltgartenvereins findet im Haus für Weiterbildung in Neubiberg statt und beginnt um 19 Uhr.

