bedeckt München 31°

Neubiberg:Home-Office soll Platz im Rathaus sparen

Ein neuer Anlauf soll einen Konsens für die ins Stocken geratene Erweiterung des Neubiberger Rathauses bringen.

(Foto: Claus Schunk)

Gemeinde will mit Hilfe eines Experten für moderne Arbeitsformen die Kosten der umstrittenen Erweiterung senken

Von Daniela BOde, Neubiberg

Für die Erweiterung des Neubiberger Rathauses zeichnet sich eine Lösung ab. Während sich der alte Gemeinderat heftig gestritten hatte und das Projekt am Ende mit einer knappen Mehrheit von Grünen und CSU gestoppt wurde, fasste das Nachfolgegremium unter dem neuen Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) am Montag einen einstimmigen Beschluss zum weiteren Vorgehen: In einer Konzeptfindungsphase sollen die Flächen und die Kosten optimiert werden. Dazu soll ein Experte für die Arbeitswelt 4.0 zu Rate gezogen und eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, in der ein Vertreter aus jeder Fraktion sitzt.

"Wir wollen Ihnen einen neuen Weg vorschlagen, der auch dazu dient, den Gemeinderat mehr einzubinden", sagte der Bürgermeister. Das Raumprogramm soll noch einmal genau betrachtet werden. Bei einer Fraktionssprechersitzung im Januar hatte sich gezeigt, dass noch viel Diskussionsbedarf besteht. Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die bisher angedachte Bürozellenstruktur dem Arbeiten einer Verwaltung der Zukunft entspricht, ob etwa Flächen eingespart werden können durch neue Arbeitsformen wie Home-Office und Digitalisierung.

Die eingesetzten Projektsteuerer vom Büro Stein und Partner schlugen daher den Einsatz eines Beraters zur Arbeitswelt 4.0 vor. "Es geht darum, die Bestellung straffer zu fassen, um von den Kosten runterzukommen", stellte Projektsteuerer Ferdinand Weiss in der Sitzung klar.

Diese waren zuletzt trotz Einsparungen mit 23 Millionen Euro angesetzt gewesen. Weiss betonte auch, dass der Gemeinderat eine Zahl nennen müsse, die zum neuen Raumprogramm passe. Weil die Planer hier Einsparpotenzial sehen, sollen auch weitere Tiefgaragenstellplätze reduziert werden. Möglicherweise wird das auch über eine Änderung des Stellplatzschlüssels in manchen Bereichen erfolgen. Die Prüfung läuft. Die Arbeitsgruppe soll Planungsergebnisse vorberaten. So will man ein Konzept finden, das der Gemeinderat am Ende befürwortet.

Manche Gemeinderäte äußerten zunächst Bedenken gegenüber dem Vorgehen. Jürgen Knopp (Freie Wähler) merkte an, dass das Konzept Home-Office nicht sehr einfach integrierbar sei. Er zweifelte an, dass es eine Theorie für einen Schlüssel gebe. Nicht die Arbeitswelt 4.0 sei das Thema, sondern das Rathaus. Ähnlich wie Knopp sah Elisabeth Gerner (SPD) die Gefahr weiterer Verzögerung. Sie schlug daher einen pragmatischen Ansatz vor: "Wir kürzen das Raumangebot um 10 Prozent und machen einfach weiter."

Pardeller versicherte, dass man keine "theoretischen Abhandlungen", sondern "möglichst rasch eine Lösung" finden wolle. Kilian Körner (Grüne) teilte Sorgen zum Home-Office nicht: "Ich bin mir sicher, dass nicht auf einmal alle Verwaltungsmitarbeiter im Home-Office arbeiten sollen." Vielmehr gehe es darum, Ziele zu definieren und offen an die Dinge heranzugehen. Auch über Aspekte wie Jobsharing und Digitalisierung nachzudenken. Frederik Börner (Grüne) regte an, dass der Experte sich auch explizit mit Verwaltung auskennen solle. Dem Vorschlag folgte das Gremium. Finanzreferent Hartmut Lilge (CSU) merkte an, dass angesichts der Lage erst im August feststehe, wie viel Geld zur Verfügung stehe. "Klar ist: Es muss deutlich günstiger werden", sagte Pardeller. Er begrüßte den geglückten Neustart und wünschte sich so eine gute Zusammenarbeit auch für die Zukunft.

© SZ vom 24.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite