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Neubiberg:Geschichte gut erklärt

Hedwig Richter 2020-11-06, Berlin, Deutschland - Hedwig Richter, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der U

Hedwig Richter ist Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr.

(Foto: Jürgen Heinrich/Imago)

Die Historikerin Hedwig Richter von der Bundeswehruniversität bekommt den Anna-Krüger-Preis, weil sie ihre wissenschaftlichen Bücher in einer verständlichen und schönen Sprache schreibt

Von Daniela Bode, Neubiberg

Wer viel mit Sprache zu tun hat, weiß, wie anspruchsvoll es sein kann, verständlich und zugleich schön zu schreiben. Hedwig Richter ist das offensichtlich gelungen. Die Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Bundeswehruniversität in Neubiberg hat den Anna-Krüger-Preis erhalten, weil sie "ein hervorragendes Werk in einer guten und verständlichen Wissenschaftssprache geschrieben hat".

Die Auszeichnung wird seit 1993 vom Wissenschaftskolleg zu Berlin vergeben und ist mit 20 000 Euro dotiert. Eine der Anforderungen ist laut Satzung, dass die Sprache "auch von interessierten Laien verstanden wird".

Richters Forschungsfeld ist die Geschichte Europas und den USA im 19. und 20. Jahrhundert. Die Professorin befasst sich mit Demokratie- und Diktaturforschung, Migrations- und Geschlechtergeschichte und Kirchengeschichte. 2017 legte sie mit "Moderne Wahlen. Eine Geschichte der Demokratie in Preußen und den USA im 19. Jahrhundert" eine teils provokative Studie der modernen Wahlen vor, in der sie unter anderem zeigt, dass Demokratie über lange Zeit ein Elitenprojekt war. Im August erschien ihr Sachbuch "Demokratie. Eine deutsche Affäre". Der Preis ehrt nun ihr Werk, wozu unter anderem ihre wissenschaftlichen Arbeiten wie die Studie von 2017, ihre Dissertation "Pietismus im Sozialismus" sowie Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der taz zählen.

Die Jury des Anna-Krüger-Preises lobt, Richters Stil sei "von souveräner Lässigkeit, klar und anschaulich" sowie "unterhaltsam, aber nie banal, nie trocken oder prätentiös". Das Gremium attestiert ihr zudem die Gabe, "komplexe historisch-politische Themen leichtfüßig und scheinbar mühelos zu vermitteln". Der Preis ist nun zum neunten Mal verliehen worden. In den Vorjahren ging er beispielsweise an den Philosophen Albrecht Wellmer und den Historiker Martin Mulsow.

Richter freut sich über den Preis: "Die Auszeichnung bedeutet mir sehr, sehr viel - eine unglaubliche Ehre!" Unter anderem, weil das Wissenschaftskolleg eine der renommiertesten Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland sei. Zudem freut sich die Historikerin, dass ihr Bemühen um die Sprache honoriert wird: "Tatsächlich liegt mir Sprache am Herzen. Sie ist ja unser wichtigstes Handwerkszeug, und ich bemühe mich immer darum, klar und auch schön zu schreiben", sagt sie. Wer weiß, vielleicht wird Richter bald wieder bei einer Preisverleihung sein. Ihr neuestes Buch, "Demokratie. Eine deutsche Affäre" ist für den bayerischen Buchpreis sowie den NDR-Sachbuchpreis nominiert.

© SZ vom 13.11.2020
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