In einer konstituierenden Sitzung zu Beginn einer Wahlperiode werden gemeinhin Weichen gestellt. Für Neubiberg könnte das heißen: Auch wenn der neue 24-köpfige Gemeinderat mit zwölf Frauen und zwölf Männern paritätisch besetzt ist, behalten die Männer an den entscheidenden Stellen die Oberhand. Denn bei der Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters gingen am Montagabend die Kandidatinnen der Grünen und der SPD leer aus. Stattdessen wurden – wie in der vorherigen Wahlperiode – Kilian Körner von den Grünen zum Zweiten Bürgermeister und Reiner Höcherl von den Unabhängigen zum Dritten Bürgermeister gewählt. Gleichzeitig offenbarte die Wahl, dass durch die Grünen-Fraktion offenkundig ein Riss geht.
„Im Namen der Grünen-Fraktion“ hatte deren Vorsitzende Ulrike Dowie ihre Parteifreundin Carola Grimminger für die Wahl zur Zweiten Bürgermeisterin vorgeschlagen. Diese hatte in der Stichwahl gegen CSU-Amtsinhaber Thomas Pardeller mit 45,3 Prozent ein beachtliches Ergebnis erzielt. Mit 17 Stimmen wählte jedoch eine klare Mehrheit Grimmingers Parteikollegen Kilian Körner, der von Höcherl vorgeschlagen wurde, erneut zum Stellvertreter von CSU-Bürgermeister Pardeller; auf Grimminger entfielen nur acht Stimmen. Die Grünen haben im Gemeinderat sieben Sitze, die CSU mit ihrem Bürgermeister elf, die SPD drei, die Unabhängigen zwei, FDP und die Uni-Gruppierung USU je einen. Die Wahl des Dritten Bürgermeisters verlief ähnlich: Die vorgeschlagene langjährige SPD-Gemeinderätin Maria Weiß unterlag mit 9 zu 16 Stimmen gegen Höcherl, den CSU-Fraktionsvorsitzender Leon Bogner empfohlen hatte.
Auch bei den Referentenposten setzten sich Männer durch: Sechs der acht Posten bekleiden Männer, nur zwei gehen an Frauen. Nicola Gehringer (CSU) wurde als Jugendreferentin gewählt, Stephanie Konopac (Die Unabhängigen) als Sozialreferentin. Die Referentenposten bilden auch die konservative Mehrheit ab. Allein fünf Posten erhält die CSU, die Grünen als klar zweitstärkste Kraft bleiben mit sieben Sitzen auf der Strecke. Bei den Abstimmungen deutete sich an, wer in Zukunft mit wem votieren könnte. Mit den zehn CSU-Gemeinderäten stimmten in der Regel die zwei Unabhängigen sowie Michael Weigle von der FDP und Michael Harraeus von der Studenten-Liste. Gelegentlich stimmte auch Körner von den Grünen mit ihnen.
Zu dem Ausgang der Abstimmungen sagte die ehemalige Grünen- Bürgermeisterkandidatin Grimminger: „Ich hätte mir mehr für die Frauen gewünscht.“ Elisabeth Gerner (SPD) missfällt der Wahlausgang ebenfalls. „Jetzt haben wir wieder das Triumvirat“, sagte sie im Anschluss. Zu der Tatsache, dass Körner gegen sie und den Vorschlag der Fraktion als Zweiter Bürgermeister zur Verfügung stand, sagte Grimminger: „Das werden wir intern aufarbeiten.“

