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Pilotprojekt:Luft-Taxi für Medikamente

So könnte das aussehen, wenn eine Drohne ein Medikament transportiert. Der Behälter ist ein Modell. Verbundprojekt, bei dem auch Universität der Bundeswehr in  Neubiberg, Prof. Jörg Böttcher und Team, beteiligt ist

Die Drohnen, die bei dem System zum Einsatz kommen, sehen aus wie kleine Flugzeuge und sollen ihr Ziel selbständig finden. Nur befüllt werden müssen sie noch von Hand.

(Foto: Quantum Systems GmbH)

Forscher der Bundeswehruniversität arbeiten an einem System, bei dem Klinik-Apotheken Arzneimittel mithilfe von Drohnen austauschen.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Kliniken müssen eine größere Auswahl an Medikamenten ständig zur Verfügung haben. Dafür müssen bisher auch in regionalen Krankenhäusern recht aufwendige Notfallapotheken betrieben werden. Das Verbundprojekt "Med in Time" soll das ändern. Jörg Böttcher, Professor für Regelungstechnik und elektrische Messtechnik an der Bundeswehruniversität in Neubiberg, arbeitet mit weiteren Forschern an einem intelligenten System, bei dem Drohnen Medikamente voll automatisiert von Großkliniken zu kleineren Krankenhäusern transportieren. Es soll die Grundlage für ein mögliches Seriensystem werden.

Bei dem Projekt werden Drohnen des Luft- und Raumfahrtunternehmens Quantum Systems eingesetzt werden, die wie kleine Flugzeuge aussehen, für das Projekt modifiziert werden und um die 100 Kilometer pro Stunde fliegen können. Das Unternehmen entwickelt auch die Transportbox, die klimatisiert sein und den gesetzlichen Anforderungen für die Beförderung von Medikamenten genügen muss.

Böttcher und sein Team tüfteln im Auftrag der Firma an einer dynamischen Routenplanung. Konkret entwickeln sie einen komplexen Algorithmus, der ständig "sehr viele Daten aus verschiedenen Datenquellen abruft", wie er sagt. Das System soll selbständig eine Flugroute zeitsynchron ermitteln und kontinuierlich verschiedene Faktoren berücksichtigen. Darunter fallen topologische Daten aus Geoinformationssystemen, wo sich also etwa ein Wald oder Berge befinden. "Die Drohne wird also mit Daten beliefert, wo sie in welcher Höhe fliegen muss", sagt Böttcher.

Auch Wetterdaten oder Informationen über Hindernisse von Flugsicherungsservern, also etwa darüber, ob an einer Stelle eine Windkraftanlage steht und umflogen werden muss, werden abgerufen. Die Drohne selbst verfügt über Sensoren, mit denen sie Daten meldet. "Alle Daten sollen in den Algorithmus integriert werden und jeweils die optimale Route wählen", sagt Böttcher. Das Ziel ist nach seinen Angaben ein cloudbasiertes Softwaresystem. Die weiteren Projektpartner sind das Klinikum Ingolstadt, das für den Pilotversuch seine Infrastruktur zur Verfügung stellt und Startpunkt der Drohnen sein wird, die Technische Hochschule Ingolstadt, der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm sowie das Bayerische Rote Kreuz.

Wie so ein Transport idealerweise einmal ablaufen soll, erläutert Böttcher so: Beispielsweise braucht eine kleine Apotheke ein bestimmtes Medikament. Sie gibt das ins System ein. Dieses ermittelt, in welchen der vernetzten Kliniken das Mittel vorrätig ist und ob sich in der Nähe eine Drohne befindet, die dorthin geschickt werden kann. Die dortige Apotheke erhält die Meldung: In 20 Minuten kommt die Drohne und will Medikament xy abholen. Das Arzneimittel muss von Hand bereitgestellt und in die Transportbox gegeben werden. Die Drohne fliegt selbständig zum Zielort, wobei die Flugroute berechnet und immer wieder angepasst wird.

Außer in der Entlastung der Kliniken sieht Böttcher einen großen Vorteil in so einem System auch darin, dass Medikamente so sehr schnell an einen Einsatzort gebracht werden könnten. "Wir denken auch an Katastropheneinsätze", sagt er. Eine Drohne könne etwa auch schnell zu einem Berg fliegen. Alles ganz unabhängig davon, wie der Verkehr auf der Straße ist.

Böttcher kann sich vorstellen, dass so ein System irgendwann einmal deutschland- oder europaweit verwendet wird. Das Interesse auf Bundesebene an dem Projekt ist jedenfalls groß. Denn es wird umfangreich bezuschusst. Von der gesamten Projektsumme von etwa 1,5 Millionen Euro, die auf alle Partner entfällt, werden etwa 70 Prozent von der Bundesrepublik gefördert. Zeitlich steht das Vorhaben, das bis Ende 2022 angelegt ist, noch recht am Anfang. "Verglichen mit einem Bau haben wir jetzt den Plan, die Gewerke wissen, was sie tun müssen", sagt Böttcher. Wegen der Corona-Pandemie sei man etwas eingeschränkt. Dennoch ist er zuversichtlich, dass sie gut vorankommen werden.

© SZ vom 18.05.2021/wkr/vewo
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